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Auktionen in München : Almflirt

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Hier dürfen eifrige Zwerge jagen und die Heilige Familie rasten: Vorschau auf die Versteigerungen bei Ketterer und Art & Auktionen Scheublein in München.

          Vier Zwerge schleifen ihren Weihnachtsbraten in die heimatliche Höhle, gefolgt vom erschöpften Schützen. Der betritt eben den schmalen Steg über die Schlucht, der auch ihn zum felsigen Heim und zu den das erlegte Reh gierig erwartenden Zwergenkindern führt. Franz von Deffregger, eher bekannt für Almstuben-Flirts, kernige Jungbauern und Dirndlträgerinnen, schrieb „Christabend 1885“ auf die Märchenszene, vielleicht ein Geschenk für seine Kinder? Das mit 25.000 bis 35.000 Euro bewertete Breitformat rüstet am 23. November Ketterers Münchner Auktion für Alte Kunst und die des 19. Jahrhunderts mit einem beliebten Meister der Münchner Schule aus.

          Ihr machen auch „Zuagroaste“ Ehre, wie der dem Chiemsee verfallene Hesse Karl Raupp, dessen zärtlicher Heimführung eines verwundeten Soldaten per Boot von 1871 eine Taxe von 10000 bis 15000 Euro gilt. Spitzweg entführte seine Phantasie in die muslimische Welt, als er um 1855 die Siesta eines Orientalen in einer stillen Nische malte (Taxe 25.000/35.000 Euro). Die Fraktion wärmerer Sphären vertreten auch Salomon Corrodi mit einem romantischen Aquarell des Lago Maggiore in Abendstimmung (6000/ 8000) oder sein Sohn Hermann Corrodi mit dem Bild des Aufstiegs schwarzgewandeter Mönche am Berg Athos bei Vollmondschein (25.000/35.000).

          Französische Graphik des 19. Jahrhunderts

          Mit einer Zeichnung Menzels punktet Ketterers Graphik-Abteilung: Seit mehr als hundert Jahren soll das aus Berlin eingelieferte und vom Experten Claude Keisch abgesegnete Bildnis eines bärtigen, nach oben blickenden Herrn in Familienbesitz gewesen sein (9000/12.000). Eine Privatsammlung aus Baden-Württemberg brachte nicht nur Dürer-Stiche - darunter „Das Liebespaar und der Tod“ (7000/9000) und die „Melencolia“ (9000/12.000) -, sondern vor allem französische Blätter.

          Hier ist, neben Lithographien von Delacroix und Géricault, ein Ausrufezeichen zu setzen bei einer stattlichen Anzahl von Honoré Daumier, dem scharfsichtigen Spötter. Auch den Kunstkritikern teilt er aus: „A travers les Ateliers“, eine Lithographie von 1862, zeigt fünf höchst kontroverse mimische Reaktionen auf ein Gemälde (9000/12.000).

          Art & Auktionen Scheublein versteigert am 30. November ebenfalls Alte Kunst sowie Kunsthandwerk. Hauptlos ist ein Gemälde aus der großen Künstlerfamilie der Bassano, die eigentlich da Ponte hießen, aber nach ihrem Heimatort in Venetien benannt wurden: Giambattista Bassano (1553 bis 1613) gilt als Autor der „Rast auf der Flucht nach Ägypten“, mit Maria und dem Kind, umringt vom Johannesknaben, einem Früchte reichenden Engel und Josef, der den Esel versorgt; bei 25.000 Euro liegt die Schätzung für dieses Ölgemälde aus süddeutschem Privatbesitz.

          Bayerisch wird es nicht zuletzt mit Wilhelm von Kobells 1798 signiertem Aquarell des Pocci-Schlösschens bei Ammerland am Starnberger See, dessen rote Dächer zwischen dunklen Gewitterwolken leuchten (2200). Inmitten vieler Werke der Münchner Schule prangen Lenbachs Töchter Marion und Gabriele, vom väterlichen Künstlerfürsten auf Karton in Öl skizziert (8000); auch seine Schwiegermutter, eine Gräfin Hornstein, hielt Lenbach in solch einer privaten Studie fest (1200).

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