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Auktionen in London : Die Prinzessin von der Straße

Mehrere Londoner Auktionen mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus versprechen einen ereignisreichen Februar. Eine Vorschau auf das Angebot der großen Auktionshäuser.

          Absolutes Spitzenstück der Londoner Veranstaltungen mit Klassischer Moderne, Impressionismus und Surrealismus ist am 3. Februar bei Sotheby’s ein Gemälde von Claude Monet. „Le Grand Canal“ entstand während seines dreimonatigen Aufenthalts in Venedig im Jahr 1908. Das 73 mal 92 Zentimeter große Bild ist ein Blick über den Canal Grande auf Santa Maria della Salute, von den Stufen des Palazzo Barbaro aus. Die Pariser Galerien Bernheim-Jeune und Durand-Ruel erwarben das Werk 1912 gemeinsam beim Künstler.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Über private Stationen in den Vereinigten Staaten und Japan kam es zuletzt im November 2005 bei Sotheby’s in New York zur Versteigerung, wo es der jetzige Einlieferer - im Katalog als „wichtige Privatsammlung“ ausgewiesen - erwarb, um es von 2006 bis 2014 der Londoner National Gallery als Leihgabe zu überlassen. Die Erwartung für „Le Grand Canal“, eine der 37 Venedig-Ansichten, die Monet dort malte und dann nach seiner Rückkehr im Atelier mit letzten Überarbeitungen versah, liegt bei zwanzig bis dreißig Millionen Pfund, also rund 25,5 bis 38 Millionen Euro.

          Neben diesem Spitzenlos hat Sotheby’s drei weitere Monets zu bieten, darunter „Les Peupliers à Giverny“ von 1887, versehen mit einer Schätzung von neun bis zwölf Millionen Pfund. Das Sammlerehepaar William und Evelyn Jaffe schenkte das Bild im Jahr 1951 dem Museum of Modern Art in New York, das es nun versteigern lässt zugunsten seines Erwerbungsetats (siehe auch Feuilleton). Ebenfalls neun bis zwölf Millionen Pfund soll Henri de Toulouse-Lautrecs Gemälde „Au lit: le baiser“ aus dem Jahr 1892 einspielen, es zeigt zwei junge Frauen in inniger Umarmung. Das Bild, das zu Toulouse-Lautrecs Impressionen aus den Pariser „Maisons Closes“ zählt, war laut Katalog bisher nie in einer Auktion. Gleichauf rangiert eine „Odalisque au fauteuil noir“, die Henri Matisse 1942 malte. Auf der Komposition posiert die Prinzessin Nézy-Hamidé Chawkat für Matisse, die ihm 1940 in den Straßen von Nizza auffiel - sie war die Urenkelin des letzten türkischen Sultans, die mit ihrer Großmutter nach der Proklamation der Türkei zur Republik 1923 nach Südfrankreich gekommen war.

          Die surrealistischen Werke, die Sotheby’s in seiner Abendveranstaltung aufbietet, dominiert René Magrittes achtzig mal sechzig Zentimeter messende Erkundung des - an sich Unvereinbaren - „L’explication“ von 1952, auf der sich eine Karotte und eine Flasche kurios amalgamieren (Taxe 4/6 Millionen Pfund). Für Fans von Salvador Dalí und der exzentrischen Modemacherin Elsa Schiaparelli empfiehlt sich eine Gouache Dalís auf rosafarbenem Papier mit dem aparten Titel „Cinq personnages surréalistes: femmes à tête de fleurs, femme à tiroirs (évocation du jugement de Paris)“. Das Blatt mit den metamorphotischen Frauen ist auf 400.000 bis 600.000 Pfund beziffert.

          Was zählt, ist die Herkunft

          Die Gesamtschätzung von Sotheby’s liegt für die Abend-Auktion mit Impressionismus und Moderne bei 124 bis knapp 175 Millionen Pfund, für 53 Lose; für die Surrealisten bei knapp neunzehn bis 27 Millionen Pfund, für 24 Lose. Zusammen sind das mindestens 143 Millionen Pfund. Christie’s hält mit seinem Aufgebot für die abendliche Prestige-Veranstaltung am folgenden Tag, dem 4. Februar, dagegen: Zwischen knapp 56 und achtzig Millionen Pfund sollen die Impressionisten und die Moderne bringen, für 44 Lose; dem Surrealismus werden knapp 37 bis 54 Millionen Pfund zugetraut, für 36 Lose. Zusammen sind das mindestens 93 Millionen Pfund.

          Das höchste Zutrauen genießt bei Christie’s ein Werk von Cézanne. Seine gut siebzig mal sechzig Zentimeter messende „Vue sur L’Estaque et le Château d’If“ steht für acht bis zwölf Millionen Pfund, umgerechnet elf bis fünfzehn Millionen Euro. Die Herkunft hat Klasse: Laut Katalog hat das Gemälde einst Ambroise Vollard direkt bei Cézanne erworben. Von dort aus wurde es nie bei einer Versteigerung gesehen, bis es bei Samuel Courtauld in London ankam. Der hat es im November 1936 bei der Galerie Wildenstein erworben; seither soll es der aktuelle Einlieferer bewahrt haben. Interessant bei Christie’s ist die Ankündigung „The Collection of Carl Hagemann“; vier Werke von Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff stehen zur Disposition. Sie wurden von den Erben des Expressionismus-Sammlers und Freundes und Mäzens von Kirchner eingereicht. Vor dem Zugriff der Nationalsozialisten versteckte der damalige Direktor des Frankfurter Städels, Ernst Holzinger, Hagemanns Kollektion zusammen mit den Bildern des Museums, weshalb sie gerettet wurde. Bei einem der Werke jetzt bei Christie’s handelt es sich um eine der doppelseitig bemalten Leinwände Kirchners, bei denen unter Experten umstritten ist, ob das frühere - vom Künstler zur Rückseite gemachte - oder das spätere Gemälde als Schauseite zu gelten hat. „Die Schlittenfahrt“ von 1922/26 ist mit einer bis 1,5 Millionen Pfund beziffert.

          Die Surrealismus-Partie führt bei Christie’s Mirós neunzig mal 116 Zentimeter großes Gemälde „L’Oiseau au plumage déployé vole vers l’arbre argenté“ aus dem Jahr 1953 an (7/9 Millionen). Ihm folgen an der Preisspitze zwei weitere Miró-Bilder, „Painting (Women, Moon, Birds)“ von 1950 (4/7 Millionen), das mehr als fünfzig Jahre nicht mehr auf dem Markt war, und L’échelle de l’évasion“ von 1939 (3/5 Millionen).

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