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Auktionen im Dorotheum : Narren der Welt

  • -Aktualisiert am

Elisabetta Sirani, „Salvator Mundi“, Öl auf Leinwand, 36 x 28 cm, Taxe 15.000/20.000 Euro. Bild: Dorotheum

Blick in die Kataloge: Die Auktionstage mit Alten Meistern und 19. Jahrhundert im Wiener Dorotheum.

          3 Min.

          Schon Luitpold von Bayern war von diesem Blütenmeer begeistert. Als der kunstsinnige Prinzregent 1989 das Gemälde „Im Bauerngarten“ von Olga Wisinger-Florian im Münchner Kunstverein besichtigte, kaufte er es vom Fleck weg. Nur ein kleiner Teil des strohgedeckten Bauernhauses wird darauf gezeigt, die Hauptrolle spielen rosa und zartlila Mohnblüten. Die Wiener Landschaftsmalerin fand Gefallen an deren Wildwuchs und brachte sie durch Farbverläufe zum Strahlen. Das Ölbild schmückt nun als Toplot die Auktion 19. Jahrhundert im Dorotheum in Wien. Für das aus einer Schweizer Privatsammlung eingebrachte Bild werden 250.000 bis 350.000 Euro erwartet.

          Bei den aktuellen Auktionstagen im Dorotheum läuft das 19. Jahrhundert am 9. November den Alten Meistern ein wenig den Rang ab. Während bei der Erfolgssparte die Highlights eher spärlich gesät sind, lockt das Biedermeier mit gekonnter Genremalerei. Ferdinand Waldmüllers „Vorbereitung zum Weinlesefest“ zeigt freudig ausgelassenes Jungvolk, wobei das Licht auf ein am Boden sitzendes Trio im Vordergrund fällt. Alles ist in heiterer Bewegung, die Farben der Kleider leuchten. Das 2019 restituierte Gemälde wurde auf 120.000 bis 180.000 Euro taxiert. Die Werke von Waldmüllers Schülerin Rosalia Amon sind zwar im Aufwind, aber immer noch vergleichsweise günstig. Ihre Genreszene „Die welke Rosenknospe“ tritt mit 36.000 bis 45.000 Euro an. Das Bild stammt aus der Kunstsammlung der Bank Austria, die sich von insgesamt sechzehn Werken trennt, darunter viele Veduten und Landschaften. Eugen von Blaas war ein Spezialist für südliche Schönheiten nicht landschaftlicher, sondern femininer Natur. Kecke Italienerinnen dominieren die aus einer italienischen Sammlung eingebrachten Aquarelle und kleineren Ölgemälde, die vom Porträt einer aparten Schönheit angeführt werden: Das 225 Zentimenter hohe „Bildnis der Madame Lebreton“ (Taxe 150.000/200.000 Euro) entstand im Veneto und stellt die Industriellentochter in schwarzer Abendrobe und Federhut dar; das Porträt wurde 1909 auch auf der Biennale von Venedig präsentiert.

          Olga Wisinger-Florian, „Im Bauerngarten”, Öl auf Karton, 77,5 x 94 cm, Taxe 250.000/350.000 Euro. Bilderstrecke
          Auktionen im Dorotheum : Narren der Welt

          Unter den Alten Meistern am 10. November kommen zwei der Hauptlose aus dem 15. Jahrhundert. Eine mit Tempera, Öl- und Goldfarbe bemalte Florentiner Holztafel war im Quattrocento Teil einer der damals beliebten Hochzeitstruhen. Die auf der 165 Zentimeter langen Holzplatte aufgemalte Szene stammt aus der Geschichte von Kaiser Trajan und seiner Witwe. Eine der detailreichen Szenen stellt einen Vermählungszug dar (180.000/220.000). Noch älter ist das Kleinod des Florentiner Künstlers Bicci di Lorenzo, der um 1433 die wundersame „Auferweckung eines Knaben“ durch den heiligen Nikolaus veranschaulichte. Die Tafel war ursprünglich Teil des Hochaltars in der Klosterkirche San Niccolò in Cafaggio (150.000/200.000). Bei den Werken aus Italien stammen auch zwei von der Hand der Künstlerin Lavinia Fontana, deren Schaffen der Prado 2019 in einer Ausstellung gewürdigt hat. Die zu Lebzeiten gefragte und später vergessene Manieristin hat für ihre „Madonna del silenzio“ (150.000/200.000) eine Kupferplatte als Untergrund gewählt. Der Jesusknabe, um dessen Schlaf Mutter Maria und ihr Umkreis besorgt sind, ruht inmitten von Rosen. Bei Fontanas zweitem Werk handelt es sich um ein 225 Zentimeter hohes Bildnis eines feisten „Halbwüchsigen mit Hund am Schreibtisch“, der um 1585 porträtiert worden sein dürfte (150.000/200.000). Eine würdigere Figur gibt der „Edelmann mit Hund“ ab, dem Bernardino Campi mit elongierten Händen Noblesse verliehen hat (150.000/200 .00). Erwähnt sei auch der „Salvator Mundi“ von Elisabetta Sirani: Der Heiland mit der Weltkugel weist vermutlich die Züge der Bologneser Künstlerin selbst auf (15.000/20.000).

          Aus privater Hand in Belgien wurde das teuerste Los der Auktion eingereicht. Für das fünfzig mal 76 Zentimeter große Tafelbild „Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern“ von Abel Grimmer sind 300.000 bis 500.000 Euro veranschlagt. Wiewohl er sich hier an Pieter Bruegel orientierte, schuf er eine eigenständige Komposition, in der Eisläufer mit grotesken Masken entlanggleiten und ausrutschen. Ob die Larven dem Kälteschutz oder dem Karneval geschuldet sind, ist unklar. Zwei schmausende Jecken hat ein Vertreter der Niederländischen Schule im 16. Jahrhundert geschaffen. Mit Symbolen im Hintergrund gibt das Bild ein Rätsel auf, dessen Lösung „Die Welt ernährt viele Narren“ lautet (120.000/180.000). Von dem Leidener Maler Jan Steen liegt der von Vermeer inspirierte „Christus im Hause von Martha und Maria“ (200.000/300.000) vor. Jesus’ Besuch wird in ein behagliches niederländisches Interieur versetzt, samt Fischstillleben und einer Katze, die auf diesen Schmaus spitzt.

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