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New Yorker Abendauktionen : Gebote wie im Rausch? Lieber nicht

Für Andy Warhols monumentalen Siebdruck „White Disaster (White Car Crash 19 Times)“ von 1963 zahlte der Käufer bei Sotheby’s mit Aufgeld 85,4 Millionen Dollar. Bild: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Artist Rights Society/Sotheby’s

Erst der Rekord, dann die Ernüchterung: Nach der 1,6-Milliarden-Dollar-Versteigerung der Sammlung Allen kühlt der Kunstmarkt sich auf den weiteren großen Abendauktionen in New York merklich ab.

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          Wie eine Rakete schoss dieses Ergebnis zum Auftakt des New Yorker Auktionsherbstes über den Erwartungshorizont: 1,6 Milliarden Dollar bei Christie’s für die mit Spitzenwerken der klassischen Moderne überreich bestückte Kunstsammlung des Microsoft-Mitgründers Paul G. Allen. Das war Rekord, die teuerste jemals auktionierte Privatkollektion der Welt, unterwegs auf einer ganz anderen Flughöhe als die bisherige Topsammlung, die Anfang des Jahres bei ihrer Zwangsversteigerung im Ehekrieg knapp unter der Milliarde gebliebene Sammlung der Macklowes.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Wer aber diese Ausnahmeveranstaltung für ein Signal hielt, das auf großes Kommendes voraus deutete, wurde enttäuscht. Dabei hatte es noch im vergangenen Jahr ausgesehen, als gäbe es kein Limit für das oberste Segment des Kunsthandels, das bei den New Yorker Abendauktionen moderner und zeitgenössischer Kunst der großen internationalen Häuser verhandelt wird, als schwebten die Veranstaltungen völlig losgelöst über dem Boden aller krisenhaften Umstände. Das einzige, was Ende 2021 von der Covid-Krise übrig geblieben schien, war die Tatsache, dass die reichsten Menschen der Welt durch diese noch reicher geworden waren. Und der Investitionshunger war groß.

          Bei Phillips taxiert auf 35 bis 45 Millionen Dollar und zugeschlagen bei 36 Millionen: Cy Twombly, „Untitled“, 2005, Acryl und Öl auf Leinwand, 324,5 mal 487,7 Zentimeter
          Bei Phillips taxiert auf 35 bis 45 Millionen Dollar und zugeschlagen bei 36 Millionen: Cy Twombly, „Untitled“, 2005, Acryl und Öl auf Leinwand, 324,5 mal 487,7 Zentimeter : Bild: Phillips

          Entsprechend meldete Phillips, das drittstärkste Auktionsunternehmen der Welt, im vorigen November das beste Ergebnis seiner Firmengeschichte: 138,1 Millionen Dollar Umsatz in der Versteigerung mit Moderne und Zeitgenossen. Bei Sotheby’s und Christies summierten sich Zuschläge für Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts auf bis zu gut 400 Millionen Dollar; Rekorde, Totalausverkäufe, Bietergefechte und übertroffene Erwartungen inklusive. Auch Sammler aus Russland, obwohl nicht mehr eine solche Macht wie in früheren Jahrzehnten, mischten kräftig mit. Damit ist es seit dem Einfall Putins in die Ukraine vorbei. Und die Euphorie des Vorjahrs ist verweht.

          Von Krise oder Crash kann zwar immer noch keine Rede sein beim Kunsteinkauf der Crème de la Crème, doch ist offensichtlich, dass nun eher vorsichtig agiert wird als von Partylaune getrieben, sowohl bei den Investitionen als auch beim Verkauf. Garantien und unwiderrufliche Gebote vorab sicherten wesentliche Anteile der Lose in den aktuellen Abendveranstaltungen ab. An der Zurückhaltung der Bieter mag auch die Menge des Aufgebotenen ihren Anteil haben. „Es ist die größte Auktionssaison der Geschichte“, sagt etwa Brooke Lampley, die bei Sotheby’s als Chairwoman den weltweiten Verkauf von Kunst verantwortet, dem Onlineportal Artnet. Da sei man froh, wenn nur wenige Lose unverkauft liegen blieben. Nach Auktionsserien in London, Paris und Hongkong, nach Messen in Europa, allen voran der Paris+ par Art Basel, im Nahen Osten und in Amerika, musste sich in New York zeigen, wie viel der Markt noch aufzunehmen gewillt ist – und zu welchen Preisen.

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