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Auktionen London : Marathon mit Magritte

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Bei Christie’s und Sotheby’s Frühjahrsauktionen in London gibt es gleich mehrere Werke des belgischen Künstlers zu erstehen.

          In London stehen die prestigeträchtigen Abendauktionen mit Moderne und Zeitgenossen an, die als erster wichtiger Markttest im neuen Jahr gelten. Diesmal steht die Saison, wie auch anders, im Schatten des Brexits. Dazu kommt die Unsicherheit, was das globale Wirtschaftswachstum angeht; denn die möglichen Käufer kommen aus aller Welt. Egal was für ein Brexit es sein wird, noch ist die Situation unverändert und europäische Sammler können bis zum 29.März zu den gewohnten Bedingungen ihre Rechnungen bezahlen und Werke aus Großbritannien ausführen. Was sich danach ändert, steht in den Sternen.

          Christie’s hat ein umfangreiches Programm zusammengestellt, was jedenfalls Zuversicht suggeriert. Sogar neue Künstlerrekorde sind angepeilt. Man erwartet einen mehr als doppelt so hohen Umsatz wie die Konkurrenz Sotheby’s: Entscheidend dafür ist eine hochwertige alte Privatsammlung, von der 23 Werke – ohne Garantien – unter dem Titel „Hidden Treasures“ – die Einlieferer bleiben ungenannt – in die Abendauktion integriert sind. Damit hat sich Christie’s auch das Spitzenlos der gesamten Versteigerungswoche gesichert: Für Claude Monets fast zwei Meter hohes Teich-Bild „Saule pleureur et bassin aux nymphéas“ werden mehr als vierzig Millionen Pfund erwartet. Ein exquisites Stillleben von Cézanne, „Nature morte de pêches et poires“, ist auf wenigstens zwanzig Millionen geschätzt.

          Schlankes Programm

          Sotheby’s macht am 26.Februar den Anfang. Das Spitzenlos ist dort Monets „Le Palais Ducal“ in Venedig aus dem Jahr 1908; die Erwartung liegt bei zwanzig bis dreißig Millionen Pfund. Das Gemälde kommt frisch aus der Ausstellung „Monet and Archtecture“ in der Londoner National Gallery; es wurde von den Erben zweiter Generation des 1955 gestorbenen Leipziger Textilunternehmers Erich Goeritz eingereicht, der 1934 nach England emigriert war. Der Verkauf ist bereits durch ein unwiderrufliches Gebot gesichert. Das Abendprogramm von Sotheby’s ist schlank, mit 24 Losen an Moderne und Impressionismus, dazu kommen siebzehn Lose in der angeschlossenen Sektion Surrealismus. Christie’s führt am Abend des 27.Februar 51 Moderne-Lose ins Feld, gefolgt von 34 weiteren für „The Art of the Surreal“. Sotheby’s erwartet einen Umsatz zwischen 67,66 und 97,65 Millionen Pfund, Christie’s 185,26 bis 241,72 Millionen. Für die gesamte Moderne-Woche rechnet Sotheby’s mit 85,87 bis 124,2 Millionen Pfund, Christie’s für insgesamt fünf Auktionen mit 206,69 bis 273,5 Millionen. Zum Vergleich: Im Februar 2018 lag der Gesamtumsatz von Sotheby’s bei 155,5 Millionen, der von Christie’s bei 181,2 Millionen Pfund.

          Bei Sotheby’s eröffnet den Abend ein „Auf dem Bauch liegendes Mädchen“ von Egon Schiele aus dem Jahr 1910 (Taxe 500.000/700.000 Pfund). Die zart kolorierte Papierarbeit war bisher nur einmal – im Jahr 1968 in der Albertina in Wien – ausgestellt. Ungewöhnlicher für Schiele ist sein marktfrisches Ölbild „Triestiner Fischerboot“ (6/8 Millionen), gemalt 1912, eingeliefert aus einer amerikanischen Sammlung. Für das bunt leuchtende Boot in seinem fast quadratischen Rahmen sollte Interesse bestehen; denn die „Klimt/Schiele“-Schau in der Londoner Royal Academy ging gerade erst zu Ende.

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