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Alte Kunst bei Lempertz : Diana auf der Jagd

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Bei den Auktionen mit Alten Meistern, Werken des 19. Jahrhunderts und Kunstgewerbe wartet Lempertz in Köln mit prominenten Provenienzen auf. Reizvoll ist das Bild einer jungen Frau mit schwarzem Hut.

          Kaiser Karl V. verbrachte seine letzten Jahre im Kloster von Yuste in der Extremadura. Dort bewahrte er eine „Madonna mit Kind und musizierendem Engel“, die in der Nachfolge Hans Memlings entstand. Von Yuste gelangte sie in den Besitz des Bürgerkönigs Louis-Philippe nach Frankreich, aus dessen Nachlass sie 1853 in London versteigert wurde. Aus einer rheinischen Privatsammlung wird das Andachtsbild nun bei Lempertz in Köln in der Auktion Alter Kunst am 14. November zusammen mit rund 300 weiteren Losen angeboten; seine Schätzung beträgt 80.000 bis 100.000 Euro.

          Damit ist die Tafel nicht das Spitzenlos: Die höchsten Erwartungen mit 220.000 bis 250.000 Euro liegen auf einer 25 mal 35 Zentimeter kleinen, detaillierten Ansicht eines holländischen Städtchens, die der 1637 in Gorinchem geborene Jan van der Heyden auf Holz malte. Ihr folgt eine weitere „Madonna mit Kind“, aus der Werkstatt von Rubens (Taxe 150.000/180.000 Euro); die meisterhafte Ausführung der rötlichen Wangen und das kräftige Kolorit lassen den Katalog eine eigenhändige Mitarbeit vermuten. Ebenfalls die Mitarbeit der Werkstatt ist für die mythologische Darstellung „Diana mit Gefolge nach der Jagd“ (100.000/120.000) zu vermuten; signiert hat das 102 mal 140 Zentimeter große Bild Jan Brueghel d. J. Er gestaltete wohl die Jagdszenen im Vordergrund; die eher statisch in die Landschaft gesetzten barbusigen Damen könnten der Rubens-Werkstatt entstammen. Kaum weniger deftig ist Caesar Boetius van Everdingens Darstellung einer jungen Frau mit schwarzem Hut, die sich nach vorn über eine Brüstung beugt (140.000/160.000).

          Silbrig fließt der Wasserfall

          Am Beginn der Abteilung italienischer Meister steht ein frühes Florentiner Tafelbild, das sich einst in der Sammlung des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach befand: Das 46,5 mal 21,5 Zentimeter große Andachtsbild mit einer „Madonna mit Kind, von Engeln und Heiligen umgeben“ wird dem Meister Andrea di Bonaiuto, genannt Andrea da Firenze, zugeschrieben (140.000/160.000). Ein üppiges Stillleben mit Rosen, Tulpen, Lilien und anderen Blumen in einer Bronzevase des Florentiner Barockmalers Andrea Scacciati hat die stattlichen Maße von 146 mal 203 Zentimetern. Deutlich kleiner ist die Darstellung von Meerestieren des Neapolitaners Giuseppe Recco (70.000/100.000); gewagt komponiert er die anscheinend noch zappelnden, nass glänzenden Fische, die er in ein Korallenriff vor eine Landschaft setzt.

          Bei den Zeichnungen bildet die schon klassizistische Federzeichnung „Venus mit Amor“ des Autodidakten Julien de Parme aus der italienischen Schweiz den Höhepunkt (11.000/14.000). In der Offerte der Gemälde und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts soll laut Katalog Vincent van Gogh einst den „Blick auf Königstein an der Elbe“ von Barend Cornelis Koekkoek besessen haben; das Bild aus dem Jahr 1858 ist auf 150.000 bis 180.000 Euro geschätzt. Offenherzig romantisch ist Oswald Achenbachs „Alpenlandschaft bei Mondschein“ (8000/10.000) mit einem silbrig dahinfließenden Wasserfall.

          Ein Relief aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders

          Zu den Skulpturen des 13. bis 19. Jahrhunderts gehört auch die Sammlung des im Sommer gestorbenen Frankfurter Restaurators und Kunsthändlers Bernhard Decker: Zu ihr zählen ein original gefasstes Relief der „Geburt Christi“ aus der Werkstatt von Tilman Riemenschneider (90.000/100.000) oder ein naturalistisch anmutendes Büstenfragment des heiligen Bernhardin von Siena (70.000/80.000). Im regulären Angebot bildet ein bronzenes Gefäß des 13. Jahrhunderts in Form eines Löwen, das dem Händewaschen diente, den Höhepunkt (70.000/80.000).

          Zuvor am 13. November wird das Kunsthandwerk aufgerufen. Spitzenlos ist dort mit 150.000 bis 200.000 Euro ein aus verschiedenen Hölzern gebauter Barockschrank mit allegorischen Intarsien, dem Frankfurter Meister Schilling zugeschrieben und nach 1772 entstanden. Als museal bewertet der Katalog einen silbernen Hamburger Deckelhumpen des 17. Jahrhunderts, dessen reichverzierte Wandung den Raub der Sabinerinnen zeigt (25.000/28.000).

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