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Auktion mit Spionageartikeln : Todeskuss für tausend Dollar

Für weibliche Spione: Spionagehandtasche „The Fly“. Das Emblem in Form einer Fliege lässt sich öffnen, um ein Bild mit der Kamera aufzunehmen. Das spezielle Innenmaterial der Tasche dämpft das Auslösegeräusch. Ca. 20 Zentimeter hoch, Schätzung 2000/3000 Euro. Bild: Julien’s Auctions

Wie aus einem James-Bond-Film, aber echt: Ein Auktionshaus in Beverly Hills versteigert Miniaturwaffen und anderes Gerät, das von Agenten im Kalten Krieg verwendet wurde. Man muss auf friedfertige Bieter hoffen.

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          Das ist eine Ansage: „Julien’s Auctions is proud to present ,The Cold War Relics Auction, Featuring The KGB Espionage Museum Collection“. Dass es sich um die weltweit erste und umfassendste Versteigerung von raren „artifacts“, nennen wir es Produkten, aus den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und Kuba während der Ära des Kalten Kriegs handle, versichert das Auktionshaus in Beverly Hills. Bei dieser Ankündigung läuft es einem schon etwas kalt über den Rücken. Denn die Befürchtung ist nicht zu leugnen, dass die kommerzielle Distribution von solchem Kriegsgerät auch die ganz falschen Interessenten auf den Plan rufen könnte.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Jedenfalls interessant ist die Herkunft der meisten und zentralen Objekte der Veranstaltung: Sie entstammen der riesigen Sammlung des einstigen KGB Espionage Museum in Downtown Manhattan New York. Schon Ende Oktober vorigen Jahres hat die „New York Times“ über die Schließung dieses Museums nach weniger als zwei Jahren berichtet, wohl vor allem geschuldet der Covid-19-Pandemie. Sein Kurator – und jetziger Einlieferer bei Julien’s – war der litauische Sammler Julius Urbaitis, der die sehr speziellen Memorabilia über drei Jahrzehnte hin anhäufte. Das Museum, das Eintritt verlangte, gehörte ihm aber nicht; die Eigentümer, schreibt die Zeitung, wollten anonym bleiben. Mehr als 3500 Objekte sollen eine Lagerhalle mit Objekten aus den einstigen Beständen des sowjetischen Geheimdienstes und der Geheimpolizei gefüllt haben. Nach eigener Aussage von Urbaitis sollte das Museum einer informativen und unpolitischen Mission dienen.

          Aus dem Inventar des russischen Inlandsgeheimdienst FSB: Ein Päckchen Marlboro-Zigaretten mit integrierter Digitalkamera, Schätzung 800-1200 Dollar. Bilderstrecke
          Lose aus der KGB-Auktion : Von der Zigarettenschachtel bis zum Fingerring

          Es ist kein Wunder, dass man sich bei der Betrachtung so mancher der vierhundert Losnummern im Online-Katalog in eine Welt der vor allem frühen James-Bond-Filme mit ihren gefährlichen Gadgets versetzt sieht, nun allerdings angesichts ihrer realen Vorbilder. Hierzu gehört eine winzige Pistole in Form eines Lippenstifts, die vom KGB für die Spionage konzipiert worden sein soll; wie anders als „Kiss of Death“ könnte ihr Name lauten (Taxe 1000/1200 Dollar). Ähnlich vertraut aus der Bond-Welt mutet eine Schusswaffe des KGB aus den dreißiger Jahren an, in der Hülle eines Füllfederhalters verborgen (800/1200).

          Kleine und kleinste Fotoapparate lassen sich überall verstecken. Sie passen zum Beispiel in einen etwas klotzigen Ring, der mit 6000 bis 8000 Dollar beziffert ist. Weil damals noch alle geraucht haben, scheinen auch Zigarettenschachteln praktisch gewesen zu sein, um Digitalkameras zu kaschieren: Im Angebot ist eine solche Packung der Marke „Marlboro“ (800/1200), günstiger bewertet ist „John Player Special“ (600/800). Ein metallenes Zigarettenetui wirkt dagegen fast geräumig (1000/2000). Diverse Gürtel mit ihren Schnallen dienten dem gleichen Zweck der klandestinen Überwachung (400/600).
          Und auch an die Ausstattung von Geheimagentinnen hat der sowjetischen KGB gedacht. Eine damals modische Handtasche, „The Fly“ genannt, birgt in ihrem Innern, vorsorglich geräuschgedämpft, eine Kamera, deren Auge durch die Applikation einer Fliege als Schmuck auf der Außenseite blicken kann (2000/3000).

          Harmlos wie eine altmodische Schreibmaschine sieht die „Fialka“ oder „Violet“ aus, eine sowjetische Decodier-Maschine. Sie ähnelt noch optisch der „Enigma“, die im Zweiten Weltkrieg, freilich nicht mit dem gewünschten Erfolg, von deutscher Seite für die Verschlüsselung des militärischen Nachrichtenverkehrs eingesetzt wurde. Der KGB soll die „Fialka“ im Kalten Krieg zur Entschlüsselung geheimer Botschaften der anderen Seite benutzt haben; die Schätzung dafür liegt bei 8000 bis 12.000 Dollar.

          Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur dieser Apparat in eine schon vorhandene Kollektion derartiger Gerätschaften, am besten gleich in ein entsprechendes Museum findet. Wie auch zu wünschen ist, dass sich – überhaupt – von den Losen dieser merkwürdigen Versteigerung die Gemeinde der passionierten Sammler von inzwischen beinah archaischer Technik, die Liebhaber aller denkbaren Formen von Fotoapparaten und Kameras und eben die einschlägigen historischen Museen angesprochen fühlen. Dann könnte die Auktion sogar ein Beitrag zur willkommenen, weil friedfertigen Zerstreuung ihrer Angebote werden.

          Die Auktion findet am 13. Februar live bei Julien's Auctions statt und im Netz auf julienslive.com.

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          Unser Autor: Cai Tore Philippsen

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