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Auktion im Dorotheum : Malen mit den Füßen

  • -Aktualisiert am

Kazuo Shiraga malte in den Fünfzigern mit seinen Füßen. Eines dieser ausdrucksstarken Gemälde ist Teil des Angebots mit moderner Kunst im Dorotheum in Wien.

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          „Kaufen werdet ihr Kunstwerke niemals können, sie sind unbezahlbar, es gibt keine Summen dafür. Erwerbet Fragmente eines Künstlers!“ So schrieb mit 21 Jahren Egon Schiele in einem Manifest, das erst kürzlich gefunden wurde. Das besondere Autograph von 1911, das aus vier eng beschriebenen Seiten besteht, kommt in der Moderne-Auktion am 26. November im Wiener Dorotheum für 20.000 bis 40.000 Euro unter den Hammer. Das Dorotheum hat aber nicht nur geschriebene Zeilen des jung Gestorbenen zu bieten, sondern auch ein beachtliches Zeugnis seiner Linienkunst. Den Katalog schmückt das polychrome Blatt „Frau mit erhobenen Armen“ von 1914. Typisch für die Phase nach der Trennung von Schieles Gefährtin Wally Neuzil ist die maskengleiche Darstellung der Gesichter, bei der die Augen oft puppenhaft erscheinen oder gar fehlen wie bei der vorliegenden Gouache. Geschätzt ist die Papierarbeit auf 900.000 bis 1,6 Millionen Euro. Aus dem Jahr seiner Inhaftierung 1912 stammt der Akt „Seitlich liegendes Mädchen, mit hochgestreiftem Rock“ (Taxe 400.000/600.000 Euro). Vergleichsweise günstig ist da eine 1910 entstandene Aktzeichnung seines Mentors Gustav Klimt (35.000/40.000).

          Erotisch ist Oskar Kokoschkas barockes „Stillleben mit Zentaur“ von 1949, das eine Verführung mit Fabelwesen auf einer Riesenmelone inszeniert (250.000/ 350.000). Es gibt eine Aktzeichnung von Henri Matisse von 1948 (80.000/ 120.000), und aus Fernando Boteros üppigem Kosmos haben sich die Bronze eines nackten „Mädchens mit Masche“ (200.000/300.000) und das farbstarke Ölbild „Sitzender Herr“ (150.000/200.000) in die Moderne-Auktion verirrt. Von dem Kubaner Wilfredo Lam stammt die Grisaille „Imagine n.4“ von 1964 (250.000/ 350.000). Aus privater deutscher Hand gelangt Alfons Waldes verschneite „Tiroler Dorfstraße“ von 1934 nach Wien (250.000/380.000).

          Wie eine Landschaft mutet auch das Titel-Los der Zeitgenossen am selben Tag an: Lucio Fontanas „Concetto Spaziale (Teatrino)“ von 1965/66 setzt sich aus einer blauen Leinwand mit einer perforierten Linie und einem Rahmen mit einer baumartigen Figur zusammen (240.000/ 320.000). Von ihm stammt auch der 1953 geformte Terrakottakopf „Ritratto feminile“ (50.000/70.000). Das teuerste Bild der Auktion, ein „Achrome“ von Piero Manzoni, ist taxiert auf 400.000 bis 600.000 Euro. In Piero Dorazios abstrakter Komposition „Ogni tanto“ aus dem Jahr 1957 überlappen und kreuzen sich Pinselstriche, so dass eine dichte Textur entsteht (90.000/120.000).

          Die traditionell im Dorotheum starken Italiener bekommen Konkurrenz von japanischen Künstlern. Der Aktionsmaler Kazuo Shiraga gehörte in den Fünfzigern und Sechzigern zur einflussreichen „Gutai Group“; expressive Gemälde wie das vorliegende „GI (The Game)“ schuf er mit den Füssen (240.000/280.000). Sein Gutai-Gefährte Shozo Shimamoto klebte für sein Bild „Bottle Crash“ echtes Glas auf die Leinwand (70.000/90.000). Aus der österreichischen Aktionskunst macht Arnulf Rainers Tafelbild „Kreuz“ mit seinen Handabdrücken (90.000/140.000) viel her. Meditative Stimmung strahlt hingegen Hundertwassers Temperagemälde „Der Ekklesiastische Kreis“ von 1955 (130.000/200.000) aus. Wenngleich es nur helle Tupfen auf schwarzem Grund sind, vermeint man in Alex Katz’ Großformat „Houston“ die Lichter der Großstadt zu erkennen (200.000/250.000). Für eine Papierarbeit mit den unverkennbaren Graphismen Cy Twomblys, um 1963/64, werden 180.000 bis 200.000 Euro erwartet. Die deutsche Kunst ist in diesem Herbst schwächer vertreten. Arbeiten von Hans Hartung, Otto Piene, Adolf Luther oder Markus Lüpertz sind allesamt zwischen 25.000 und 65.000 Euro taxiert.

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