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Auktion in München : Schätze aus Schlesien

  • -Aktualisiert am

Gerettet aus Schlesien: Johann Georg Ziesenis, „Herzogin Marie Sophie Wilhelmine“, Öl auf Leinwand, 82 mal 66 Zentimeter, Taxe: 8.000 bis 10.000 Euro Bild: Neumeister / Christian Mitko

Mit dem Reiz adeliger Provenienz: Bei Neumeister in München kommen Objekte aus dem Besitz des Hauses Württemberg zum Aufruf, die 1945 aus Oberschlesien gerettet wurden.

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          Dass Adelsprovenienz Erfolge garantiert, dürfte wieder eine Sonderauktion beweisen, die Neumeister am 30. März im Rahmen seiner Frühjahrsauktionen dem Inhalt von 60 Holzkisten mit den eingebrannten Initialen H.F.v.W. widmet. Herzog Ferdinand von Württemberg (1925– 2020), ein Vetter des aktuellen Chefs des Hauses, war Erbe des Schlosses im oberschlesischen Carlsruhe, dem heutigen Pokój. Im Unterschied zu Objekten aus dem Wittelsbacher-Schloss Nádasdy in Ungarn, die Neumeister vor einem Jahr versteigerte, mussten Kunst- und Einrichtungsgegenstände aus Carlsruhe nicht herausverhandelt werden, sondern wurden in Sicherheit gebracht, bevor der Bau 1945 bei Einmarsch der Roten Armee in Flammen aufging. Wie das Schloss aussah und wie schön sein Park gewesen sein muss, zeigen Ansichten auf einem vielteiligen Tee- und Kaffeeservice (Taxe 1500 bis 1800 Euro), das unter rund 600 Stücken aus Herzog Ferdinands Nachlass zum Aufruf kommt.

          Adelige Provenienz ist vor allem gefragt, wenn man sie sehen kann. Wo also Wappen oder Initialen von blaublütigem Besitz zeugen, muss mit Rückgängen kaum gerechnet werden. Insbesondere Ausstattungen der fürstlichen Tafeln schmücken solche Herkunftsbeweise, etwa die schwergewichtigen Silberstücke, die der Erbauer von Carlsruhe, Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels, im 18. Jahrhundert bei Breslauer Schmieden in Auftrag gab, um seine Jagdgäste standesgemäß zu bewirten. Wer verhindern wollte, dass diese ursprünglich noch umfassendere Silber-Ausstattung weiter zerstreut wird, müsste 88 Silberteller, 8 Schalen und 24 Platten ersteigern, aufgeteilt auf zahlreiche Lose zu Schätzungen ab 2000 bis 2400 Euro. Die große Auswahl an Porzellanen bekannter Manufakturen enthält umfangreiche Services wie ein 160 Teile zählendes Fürstenberggeschirr mit Allianzwappen von Herzog Eugen Erdmann und Herzogin Mathilde von Württemberg (2000/2500).

          Pariser Kommode, um 1770, Rosenholz, Amarant und andere Hölzer, 93 mal 149 mal 55 Zentimeter, Taxe: 10.000 bis 12.000 Euro
          Pariser Kommode, um 1770, Rosenholz, Amarant und andere Hölzer, 93 mal 149 mal 55 Zentimeter, Taxe: 10.000 bis 12.000 Euro : Bild: Neumeister

          Unter den Möbeln, die das Etikett „Herrschaft Carlsruhe O/S…“ tragen, fällt eine um 1770 in Frankreich gebaute Kommode auf, die laut Überlieferung aus der Familie von Königin Marie-Antoinette stammen soll (10.000/12.000). Ein ovales Arbeitstischchen aus der Werkstatt David Roentgens tritt mit einer Taxe von 25.000 bis 30.000 Euro an. Kristalllüster, Tischuhren, Krawattennadeln und ein goldenes Taschenmesser stehen ebenso zum Verkauf wie viele Bildnisse der engeren und weiteren Verwandtschaft. Ein Staatsporträt von unbekannter Hand zeigt den Erbauer von Carlsruhe mit Herzogshut und Ordensschmuck vor seinem Schloss (5000/6000); seine Gemahlin, Herzogin Marie Sophie, malte Johann Georg Ziesenis (8000/10.000). Vom älteren Johann Heinrich Tischbein stammt eine Version seines Konterfeis der Herzogin Karoline von der Pfalz-Zweibrücken mit Handarbeitszeug (20.000/30.000). Auch dieses Werk trägt ein Carlsruher Inventaretikett und sein Rokokorahmen einen geschnitzten Herzogshut.

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