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Auktion : Einst bei Kaiser Wilhelm II.

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Alte Kunst, 19. Jahrhundert und Antiquitäten werden anlässlich der 111. Kunstauktion im Kinsky in Wien am 12. und 13. April angeboten. Eine Vorschau

          Florian Winkler hieß ein kaiserlicher Söldnerführer, der im 15. Jahrhundert unter dem Habsburger FriedrichIII. diente. Sein Vermögen hinterließ er zu großen Teilen den Klöstern seiner Heimat Wiener Neustadt, die den Stifter wiederum 1477 mit einem Tafelbild-Epitaph in der dortigen Domkirche verewigten. Bei den Auktionen am 12. und 13. April im Wiener Kinsky, die Alte Meister, Gemälde des 19. Jahrhundert und Antiquitäten im Angebot führen, gelangen nun zwei farbschöne Altargemälde vom namentlich unbekannten Meister des Florian-Winkler-Epitaphs zum Aufruf. Die marktfrisch aus einer österreichischen Privatsammlung eingelieferten Goldgrundmalereien musealer Güte „Enthauptung des Johannes Täufers“ und „Taufe Christi“ stellten die Innenseiten eines Flügelaltars dar; sie sind auf 35 000 bis 70 000 Euro taxiert.

          Zur Kunstsammlung von Kaiser WilhelmII. zählten einst die Bildnisse „Hans Durr“ und „Sebolt Schwarcz“ des Nürnberger Malers Hans Brosamer, die bis 1990 in Adelsbesitz waren. Für das Porträt, das der von Cranach und Dürer geprägte Maler 1521 mit Monogramm versah, legte Hans Durr eine ungewöhnliche Landsknechttracht mit geschlitztem Wams an. Das zweite der, auf je 70 000 bis 140 000 Euro geschätzten, Porträts zeigt einen gutaussehenden jungen Bürgerspross mit Pelzkragen und trägt rückseitig das Allianzwappen zweier Familien. Im Doppelpack geht auch Jan Bruegheld.J. an den Start, von dem die beiden Spitzenlose der Auktion stammen. Die farbbrillante Holztafel „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten mit Engeln“ zeigt die Heilige Familie rastend auf einer Lichtung, gerahmt von Obstbäumen, Rosensträuchern sowie stilllebenartigen Blumen und Früchten. Gemeinsam mit Pieter Avont hat der jüngere Jan Brueghel zwischen 1630 und 1635 die Allegorie „Die fünf Sinne“ geschaffen, die mythologische und christliche Symbolik miteinander verbindet. Die Schätzung liegt bei je 150 000 bis 300 000 Euro.

          Heitere Staffage zu Füßen der Dolomiten

          Ein weiteres Highlight aus der niederländischen Kunst stellt Salomon Konincks Ölbild „Bathseba im Bade“ von 1640/50 dar; der 122 mal 101 Zentimeter große Rückenakt der verführerischen Blondine samt Zofe ist ein Produkt der Rembrandt-Schule (Taxe 50 000/ 100 000 Euro). In den italienischen Manierismus führt Lavinia Fontanas „Darbringung im Tempel“, ein frühes Werk der Malerin um 1583, das noch vom Einfluss ihres Vaters Prospero Fontana zeugt (70 000/ 140 000). Erwähnt sei auch der Tondo „Maria mit Kind und Johannesknaben“ von Ridolfo del Ghirlandaio, dem Sohn von Domenico, mit seinem aufwendig drapierten Kleid der Jungfrau (50 000/ 100 000).

          Das Titellos beim 19.Jahrhundert stammt von Robert Russ, für den das Kinsky dieser Tage auch ein erstes Werkverzeichnis publiziert. Der zu Lebzeiten sehr gefragte Plein-Air-Maler kultivierte einen Stil flirrender Lichteffekte durch Pinseltupfer, für den er besonders gerne Südtiroler Landschaften als Sujet wählte. So auch bei seiner „Gartenpartie aus dem Etschtal“, die eine heitere Staffage zu Füßen der Dolomiten und einer Burg und umgeben von Blumen zeigt (80 000/ 160 000). Wie sehr Russ im Spätwerk die Formen auflöste, beweist seine Ansicht „Mühle bei Arco“ mit einem Wasserfall aus Farbflecken (30 000/ 60 000). Von Russ’ Konkurrenten Emil Jakob Schindler stammt die sentimentale Sommerszene „Schweferbacherl bei Goisern“ mit einer nackten Kleinen, die beim Urlaub im Salzkammergut 1885 entstand (25 000 50 000). Ein dekoratives Blumenarrangement hält Schindlers Schülerin Marie Egner in petto, die in „Stillleben mit Levkojen“ die üppige Wildheit von Gartenpflanzen mit luxuriösem Interieur vermählt (50 000/ 100 000).

          Ein großer Reisender, der den Aquarellkasten oft auch im Auftrag des Kaisers aufklappte, war Rudolf von Alt. Von ihm gelangt ein interessanter querformatiger „Blick auf das Kolosseum“ auf den Markt, der 1873 den Konstantinsbogen im Vordergrund präsentiert und erst dahinter, gleichsam als Offenbarung, die berühmte Arena (50 000/ 100 000).

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