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Auktion bei Sotheby’s : Tänzerin und Matador

  • -Aktualisiert am

Provenienzen, die beeindrucken: Besondere Werke von Vincent van Gogh, Edgar Degas und Francis Picabia in der Auktion mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s in Paris.

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          Gleich mehrere Werke, die am 25. März bei Sotheby’s in Paris in der Impressionismus- und Moderne-Offerte zur Versteigerung kommen, haben eine außergewöhnliche Geschichte und Provenienz. Das auf fünf bis acht Millionen Euro geschätzte Spitzenlos „Scène de rue à Montmartre“ von Vincent van Gogh war ein Jahrhundert lang in einer französischen Privatsammlung verblieben. Es entstand im Jahr 1887, als Van Gogh mit seinem Bruder Theo am Montmartre wohnte.

          Auch Edgar Degas hatte ein Atelier an der Butte Montmartre. Das Pastellbild „Danseuse au tutu vert“ malte er im selben Jahr 1887. Es zeigt eine Tänzerin, die sich bückt, um kurz vor dem Auftritt noch einmal den Sitz ihrer Spitzenschuhe zu überprüfen. Das Tüllröckchen wippt bei der Beugung nach oben. An den Muskeln des bloßen Rückens lässt sich schon die Anspannung des bevorstehenden Auftritts ablesen. Der warme rotbraune Hintergrund bildet einen Komplementärkontrast mit dem frischen Grün des Tutus. Ockergelbe und rote Farbtupfer beleben das Tanzkleid, wobei eine große, mit türkisfarbener Umrandung angedeutete Schleife dem steifen Tüll fast entflattert.

          Mühlen, die ihn an seine Heimat erinnerten: Vincent van Goghs, „Scène de rue à Montmartre“, 1887, Öl auf Leinwand, 41,1 mal 61,3 Zentimeter, Schätzpreis 5 bis 8 Millionen Dollar.
          Mühlen, die ihn an seine Heimat erinnerten: Vincent van Goghs, „Scène de rue à Montmartre“, 1887, Öl auf Leinwand, 41,1 mal 61,3 Zentimeter, Schätzpreis 5 bis 8 Millionen Dollar. : Bild: Sotheby's

          Seit der Eröffnung des Opern- und Balletthauses Opéra Garnier im Jahr 1875 gehörte Degas zu den regelmäßigen Besuchern und hielt sich auch gerne hinter den Kulissen auf, um Stimmungen und Momente einzufangen. Die „Tänzerin im grünen Tutu“ zeigt er in einer wie unbeobachteten Unmittelbarkeit. Das Gemälde gehört zu einem Konvolut von fünf zur Auktion kommenden Werken, die zur Sammlung der Modeschöpferin Jeanne Lanvin (1867 bis 1946) und deren Tochter Marie-Blanche de Polignac gehören. Es wurde 1954 von Marie-Blanche gekauft und ist seither im Familienbesitz geblieben; die Taxe liegt bei zwei bis drei Millionen Euro.

          Eine besondere Provenienzgeschichte hat das harmonische Gouache-Blatt „La récolte des pois“ von Camille Pissarro. Es entstand ebenfalls 1887 und wurde von Theo van Gogh in Auftrag gegeben, der Pissarro besonders schätzte. Später ging es durch die Hände der wichtigsten Impressionismus-Händler Georges Bernheim und Paul Rosenberg. Letzterer verkaufte es in den dreißiger Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg an den Sammler Simon Bauer. Das mit den deutschen Besatzern kollaborierende Vichy-Regime konfiszierte dessen Sammlung im Herbst 1943 und ließ sie zerstreuen. Simon Bauer wurde im Durchgangslager von Drancy inhaftiert. Er konnte der Deportierung entkommen und versuchte gleich nach der Befreiung Frankreichs im Herbst 1944, die Werke seiner Sammlung wieder aufzufinden. Aber erst seine Nachkommen entdeckten die „Erbsenernte“, als das Gemälde 2017 im Pariser Musée Marmottan in einer Pissarro-Ausstellung gezeigt wurde. Die Rückerstattung wurde durch einen Prozess erwirkt.

          In den Nachkriegsjahrzehnten wechselte das Gemälde mehrmals den Besitzer und wurde auch bei Sotheby’s und Christie’s versteigert. Als Camille Pissarro diese vornehmlich grün, gelb und blau schillernde Ernte-Szene malte, lebte er auf dem Land im Dorf Éragny-sur-Epte nordwestlich von Paris. Landleben und Feldarbeit interessierten ihn besonders; zum Erbsenanbau schuf Pissarro gleich mehrere Gemälde. Im Jahr 1887 experimentierte er mit der neoimpressionistischen Technik der Farbtrennung, die die befreundeten Pointillisten Paul Signac und Georges Seurat entwickelt hatten. Das geschichtsträchtige Gouache-Gemälde wird auf 1,2 bis 1,8 Millionen Euro geschätzt.

          Ein weiterer Höhepunkt ist Francis Picabias Gemälde „La Corrida (Le matador dans l’arène)“ aus dem Jahr 1941. Es zeigt eine Szene in der Stierkampfarena. Im Vordergrund reitet ein Picador mit goldgelb bestickter Weste in die Arena hinein, ihm nah kämpft der Matador mit einem Stier. Im Hintergrund, vor den hingetupften Köpfen einer vollen Zuschauertribüne, wird ein anderer Stier mit roten Muletas durch die Arena getrieben. Es gehört zu den wichtigsten Bildern des Spätwerks und wurde seit seinem Entstehen in dreißig Retrospektiven des Künstlers gezeigt; seit fünfzig Jahren verblieb es in derselben Sammlung (Taxe 1,7/2,3 Millionen Euro).

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