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Auktion bei Lempertz : Meister Rabe überm Meer

  • -Aktualisiert am

Pierre Bonnard, „Le jupon écossais (Le modèle au grand chapeau)“, 1907, Öl auf Leinwand, 58,5 mal 64,5 Zentimeter, Taxe 280.000 Euro. Bild: Lempertz Auktionen

Eine verstimmte Dame von Pierre Bonnard, „Blockfarben“ von Ernst Wilhelm Nay und an der Spitze eine Collage von Max Ernst: Ein Blick auf die Auktion mit Moderne und Zeitgenossen bei Lempertz in Köln.

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          Etwas missmutig blickt die sitzende Dame mit opulentem Hutschmuck vor sich hin, ihrer Überkleider hat sie sich bereits entledigt: Dabei kommt ihr Unterrock mit auffallendem Schottenmuster zum Vorschein, der dem Gemälde seinen Namen gibt. Pierre Bonnard malte das 58 mal 64 Zentimeter große Bild 1907; nun kommt es mit einer Erwartung von 280.000 bis 300.000 Euro im „Evening Sale“ mit Moderner und zeitgenössischer Kunst am 17. Juni bei Lempertz in Köln zum Aufruf. Preislich angeführt wird die 109 Lose umfassende Offerte von Max Ernsts 1953 entstandener Collage „Mer agitée, soleil, nuage et maître Corbeau avec son fils“. Das Werk hängt seit 2007 als Dauerleihgabe im Max Ernst Museum in Brühl, es kommt aus dem Besitz der Nachkommen des Künstlers, versehen mit einer Schätzung von 500.000 bis 700.000 Euro. Ernst Wilhelm Nay bemalte die 100 mal 110 Zentimeter messende Leinwand 1953 „In Blockfarben“ beidseitig, in der Abkehr von jeglichen gegenständlichen Formen (Taxe 180.000/220.000 Euro). Vermutlich als Auftragsarbeit für einen Toulouser Sammler entstand Henri Martins symbolistische „Muse à la Lyre“, um 1890: Die Lyra wird dort von einer erwachsenen, ernsthaft dreinblickenden Musikerin gespielt – nicht von einer der bei Martin üblichen mädchenhaften Gestalten –, die sich in einem lichten Frühlingswald befindet und mit dem Originalrahmen eine kunstvolle Einheit bildet (160.000/180.000).

          Max Ernst, „Mer agitée, soleil, nuage et maître Corbeau avec son fils“,1953, Collage und Öl auf Leinwand, 92 mal 73 Zentimeter, Taxe 500.000/700.000 Euro.
          Max Ernst, „Mer agitée, soleil, nuage et maître Corbeau avec son fils“,1953, Collage und Öl auf Leinwand, 92 mal 73 Zentimeter, Taxe 500.000/700.000 Euro. : Bild: Lempertz Auktionen/VG Bild-Kunst, Bonn 2021

          Von Oskar Schlemmer kommt die knapp einen Meter hohe Unikat-Bronze „Bauplastik R“ von 1919 unter den Hammer, die als „unverkäuflicher Probeguss für Julian Hildebrandt 1964“ postum angefertigt wurde: Schlemmers Lieblingsthema der Vermessung des menschlichen Körpers fällt eine Jünglingsfigur im Profil zum Opfer, die auf ihre elementaren geometrischen Grundformen reduziert wird (150.000/250.000). Etwa sechs Jahre später liefert Schlemmer das kleine Aquarell „Akt und Frau“, das formal wie inhaltlich der „Bauplastik R“ gleicht (25.000/30.000). Während seiner „inneren Emigration“ schuf Otto Dix 1944 eine „Bodenseelandschaft mit Blick auf Steckborn“, an deren Horizont sich ein bedrohliches Gewitter zusammenbraut (140.000/180.000). Auch Franz Radziwill bannte zwei Landschaften auf Leinwand: Die „Landschaft mit gelben Bäumen“ entstand 1922 (130.000/150.000), die „Landschaft mit zwei Felsen“ vor einem apokalyptischen Himmel im Jahr 1947 (100.000/120.000). Eines der Highlights unter den Zeitgenossen ist eine von Yves Kleins Schwammskulpturen „(SE 328)“, die 1961 in der großen Überblicksschau des Künstlers im Krefelder Museum Haus Lange ausgestellt war: Die etwa fünfzig Zentimeter hohe Plastik auf ihrem Steinsockel mit dem Schwamm in „IKB“ ist auf 400.000 bis 600.000 Euro taxiert. Marlene Dumas zeigt auf ihrem sechzig mal fünfzig Zentimeter großen Ölbild „The Window“ von 1992 eine weibliche Rückenfigur mit auffallend roten Schuhen, die ins Blaue blickt und so den Assoziationen des Betrachters freien Lauf lässt (400.000/500.000). Auch Yoshitomo Naras Gitarre spielendes Mädchen trägt rote Schuhe: Die unbetitelte Arbeit in Acryl auf Fensterglas entstand 1991, als Nara in Düsseldorf Schüler von A. R. Penck war (180.000/220.000).

          Insgesamt vier Arbeiten von Asger Jorn werden angeboten, darunter das dem Kunsthistoriker Werner Haftmann gewidmete und ihn wahrscheinlich auch darstellende Porträt „Dichter & Denker“ von 1962 (100.000/150.000). Sean Scullys „Aruba“ aus dem Jahr 1998 ist ein Bild aus der Werkreihe, die nach Karibikinseln benannt ist; es zeigt schwarz-weiße Linien in unterschiedlichen Dimensionen und Stärken (280.000/320.000). Von Joannis Avramidis kommt die 116 Zentimeter hohe „Kleine Humanitätssäule I“ zum Aufruf, in der Avramidis auf seiner Suche nach der menschlichen Figur mit vollkommenen Proportionen die Abstraktion des Körpers noch steigert: Zu einem Rund geschlossene Figurengruppen sind in mehreren Ebenen übereinandergesetzt, wodurch ein reliefierter Säulenschaft entsteht (70.000/100.000). – Die Erwartung für „Evening Sale“ und „Day Sale“ am 18. Juni zusammen beläuft sich auf 9,7 Millionen Euro.

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