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Auktion bei Koller in Zürich : Ein Frühwerk Vasaris

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Er beweist seine Meisterschaft: Ein Gemälde von Vasari, Autor der berühmten Künstlerviten, führt die Auktionen bei Koller an. Es folgen Werke des 19. Jahrhunderts, Möbel und Autographen.

          Giorgio Vasari war eine der schillernden Figuren im Italien des sechzehnten Jahrhunderts, er war Hofmaler der Medici und als Autor kunstwissenschaftlicher Traktate auch jenseits der eigenen Malerei und Bildhauerei geschätzt. Ein großformatiges Frühwerk in Öl auf Holz, das Vasari vermutlich mit einem hochbegabten Mitarbeiter gemeinsam gemalt hat, kommt Ende März bei Koller in Zürich zum Aufruf. „Christus im Limbus“ aus den Jahren 1530 bis 1545 zeigt eine meisterhaft komponierte Szene, die von einem dynamischen Christus dominiert wird. Moses, David und Johannes der Täufer im Bildvordergrund sind in prächtige Kleider gehüllt, die imposante Person in der Bildmitte stellt wohl den römischen Dichter Vergil dar. Das in subtilen Farben gehaltene Motiv aus der Unterwelt ist auf 600.000 bis 900.000 Franken taxiert.

          Neben diesem Spitzenlos der Altmeister am 27. März findet sich ein kleines Tafelbild des Meisters der Christ-Church-Krönung von 1350/55, das die thronende Madonna mit Kind zeigt und Einflüsse Bernardo Daddis offenbart. Dafür liegen die Erwartungen bei 180.000 bis 250.000 Franken. Mit der gleichen Schätzung ist ein seltenes Triptychon des niederländischen Meisters der weiblichen Halbfiguren versehen. Das seit sechzig Jahren in Privatbesitz verbliebene Werk zeigt die Anbetung der drei Könige in einer idealisierten Landschaft. Von derselben Hand stammt das Porträt einer Dame (Taxe 80.000/120.000 Franken), ein reizvolles weltliches Motiv. Mit Neri di Biccis bestens erhaltener Himmelfahrt in Tempera und Gold auf Holz ist das ausgehende fünfzehnte Jahrhundert prominent vertreten (60.000/80.000). Sein opulentes Blumenstillleben malte Jacob van Walscapelle um 1670 (250.000/300.000). Im Zweiten Weltkrieg konfiszierten deutsche Truppen das Werk aus der Sammlung Adolphe Schloss; nach Kriegsende wurde es den Erben restituiert.

          Die schöne Schweiz auf Albuminpapier

          Außergewöhnlich ist die Lichtstimmung auf Francesco Guardis venezianischem Capriccio geprägt, einem seiner Frühwerke, in dem er seine große Virtuosität zeigt; Wenige, genialisch hingeworfene Figuren und Segelboote beleben die stimmungsvolle Szene (200.000/300.000). Bei der Kunst des 19. Jahrhunderts am selben Termin dominiert Iwan Aiwasowski mit dem exemplarischen Seebild „Schiffe vor der Kaukasischen Küste“ von 1889 (480.000/550.000). Spitzwegs „Der Wachposten“, um 1860 entstanden, firmiert mit 30.000 bis 50.000 Franken und Corots um 1870 vollendete Landschaft „La pêche à l’épervier“ mit 130.000 bis 170.000.

          Unter den rund 350 Möbeln am 26. März fallen Stücke von David Roentgen und seiner Werkstatt auf: Ein Paar Spieltische „à mécanisme“ geht mit einer Schätzung von 200.000 bis 300.000 Franken an den Start. Möbel des Pariser Ebenisten Pierre Migeon erfreuen sich großer Nachfrage, was die Taxierung der um 1750 gefertigten Kommode „à fleurs“ von 70.000 bis 100.000 Franken erklärt.

          Zwölf von Hand geschriebene Seiten aus Arthur Schopenhauers letztem Werk „Parerga und Paralipomena“ führen die Offerte der Autographen am 28. März an. Das vielfach überarbeitete Manuskriptfragment wird für 150.000 bis 200.000 Franken angeboten. Für ein Konvolut privater Briefe Marcel Prousts könnten 60.000 bis 80.000 Franken zu Buche stehen. Erstmals versteigert Koller am selben Tag Fotografie in einer Spezialauktion. Ein Prachtalbum mit Schweizer Ansichten von Adolphe Braun bildet dabei den Höhepunkt: Die 46 Albumin-Abzüge im Großformat von 38 mal 47,5 Zentimetern erschienen um 1865 bei Cramer & Lüthi in Zürich und dürften in der vorliegenden, gebundenen Folge ein Unikat darstellen (14.000/20.000). Hervorzuheben ist noch ein 21 Picasso-Fotos umfassendes Konvolut von Edward Quinn (5000/ 8000).

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