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Auktion bei Karl & Faber : Spektralvogel als Alter Ego

  • -Aktualisiert am

Hans Hartung, „T-1970-H37“, 1970, Acryl auf Leinwand, 102 mal 130 Zentimeter, Taxe 150.000/200.000 Euro. Bild: Karl & Faber / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Mit zwei Werken von Renoir an der Spitze: Die Auktion mit Moderne und Zeitgenossen bei Karl & Faber in München.

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          Zwei Bilder von Renoir führen die „Ausgewählten Werke“ am ersten Abend an, wenn Karl & Faber am 14. und 15. Juli Kunst vom Impressionismus bis heute versteigert: „Jeunes femmes dans un jardin“, um 1895 gemalt, tritt mit einer Taxe von 300.000 bis 400.000 Euro an, und die gleichfalls duftige „Paysage avec femme assise au milieu“ von 1918, die der Künstler laut Vermerken auf dem Keilrahmen seinem Sohn Jean vererbte, bevor sie sich zeitweise in der Kollektion des berühmten Pariser Kunsthändlers und -sammlers Paul Guillaume befand, sucht für 350.000 bis 450.000 Euro eine neue Bleibe.

          Auguste Herbin hatte sich damals schon am Kubismus versucht, man meint den Kopf eines Rauchenden in seiner „Composition cubiste“ von 1913 zu erkennen (Taxe 30.000/40.000 Euro). Es geht noch weiter mit französischer Kunst, da sind Paul Signac und auch Henri Manguin mit Landschaften vertreten, während die Wahlpariserin Sonia Delaunay-Terk bis ins Spätwerk bei geometrischer Abstraktion bleibt, wie ihre Gouache „Rythme-couleur“ von 1966 belegt (30.000/50.000). Hans Hartung war bereits französischer Staatsbürger, als er 1970 für „T-1970-H37“ drei kompakte abstrakte Formen auf zitronengelben Grund setzte (150.000/200.000). Max Ernst schließlich zieht es schon 1922 zu den Surrealisten nach Paris, wo 1932 „Oiseaux spectraux“ entsteht, ein oft ausgestelltes Beispiel der als Alter Ego des Künstlers zu verstehenden Vogeldarstellungen (250.000/350.000).

          Pierre-Auguste Renoir, „Jeunes femmes dans un jardin“, Um 1895, Öl auf Leinwand, 46 mal 55 Zentimeter, Taxe 300.000/400.000 Euro.
          Pierre-Auguste Renoir, „Jeunes femmes dans un jardin“, Um 1895, Öl auf Leinwand, 46 mal 55 Zentimeter, Taxe 300.000/400.000 Euro. : Bild: Karl & Faber

          Experten beurteilen Wilhelm Morgners ornamental umschlungenen „Blauen Jungen mit Sense“ von 1911 als von „herausragender Bedeutung“ im Werk des Soester Künstlers. Neben dessen Monogramm weist das marktfrische Bild auch eine Bezeichnung und Datierung von Georg Tappert auf, Lehrer und künstlerisch beratender Freund des jung in Westflandern gefallenen Morgner (100.000/150.000). Bei der Grafik sticht Munchs Holzschnitt „Der Kuss IV“ von 1902 hervor, die letzte, beide Figuren verschmelzende Version des berühmten Motivs (120.000/150.000).

          Die Offerte mit Kunst von 1945 an enthält mehr als hundert Werke aus Hans Burchard von Harlings Sammlung fast ausschließlich monochromer, in der Mehrzahl weißer Arbeiten. Sie startet mit Picassos keramischer „Tête au masque“ (6000/8000), tangiert die Zero-Künstler, darunter Heinz Mack mit einem Aluminiumrelief (8000/12.000), bringt eine schwarz-weiße Collage von Palermo aufs Pult (8000/12.000) oder auch eine lange Werkstrecke von Herbert Zangs, dem der Sammler als enger Freund die Möglichkeit gab, mehrere Jahre Werkstätten der Mercedes-Benz-Fabrik in Sindelfingen als Atelier zu nutzen.

          Auch Turi Simeti fehlt nicht, seine „Scultura in tela sagomata“ von 1995 (4000) passt zu Arbeiten weiterer Künstler aus dem Mailänder Kreis um Lucio Fontana, die aus einer anderen Privatsammlung kommen: Paolo Scheggi variierte Fontanas Expansionsprinzip der Leinwand in den Raum mit seiner „Zone riflesse“, hier drei übereinandergelegte, im selben Blau bemalte Leinwände, die ovale Ausschnitte raumgebend öffnen (180.000/200.000). Durch Unterfütterung modellierte raumplastische Lösungen von Agostino Bonalumi stehen als „Rosso“ (50.000/60.000) und in Gestalt von „Nero n°18“ zur Verfügung (90.000/120.000), während Dadamainos schwarze „Volume“ im Zweidimensionalen bleibt (25.000/35.000).

          Gunter Sachs machte Hartmut Stöcker mit Andy Warhol bekannt; 1980 schuf der ein Porträt des damaligen Noch-Ehemanns der Sammlerin Ingvild Goetz, der auch in ihrer Galerie „Art in Progress“ mitwirkte. Sein Bildnis zeigt Stöcker vor mittelblauem Grund, taxiert ist es auf 180.000 bis 220.000 Euro. Eine beachtliche Auswahl an Bildhauerarbeiten führt, neben anderen, Namen wie David Smith, Eduardo Chillida, Joannis Avramidis, Stephan Balkenhol oder Michail Pirgelis, ehemals Schüler Rosemarie Trockels, der mit einem seiner blanken originalen Flugzeugteile vertreten ist (15.000/20.000).

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