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Auktion bei Karl & Faber : Das gelbe Zimmer

  • -Aktualisiert am

Vorschau auf Klassische Moderne bis zeitgenössische Kunst bei Karl & Faber in München.

          2 Min.

          Wenn Karl & Faber am Abend des Auktionstags vom 16. Juli ausgewählte Werke von Klassischer Moderne bis zur Gegenwart aufruft, bringt mancher Maler sommerliche Stimmung in den Saal: Max Liebermann zum Beispiel beobachtete auf einem Gemälde von 1925/27 Spaziergänger, Droschke und Straßenbahn auf einer sonnigen Allee im Tiergarten (Taxe 250.000/350.000 Euro), während Christian Rohlfs im Jahr 1900 der Anblick blühender Wiesen unter lichten Weidenbäumen betörte (20.000/25.000). Kandinsky wiederum faszinierte eine „Gebirgslandschaft mit Tannen“ im Blauen Land bei Kochel, die er 1902 auf Rupfen skizzierte (200.000/300.000), und den Sommer an der Côte d’Azur verewigte 1928 schwungvoll Raoul Dufys Bild der berühmten „Promenade des Anglais“ in Nizza (100.000/150.000). Sonnenglut sorgt auch im lichtdurchfluteten „Intérieur jaune“ für warme Atmosphäre, in die Marc Chagall sich selbst in liebevoller Umarmung mit seiner Frau Vava plaziert: Das 1978/80 in seinem Haus in Südfrankreich gemalte Bild, das – mit 250.000 bis 350.000 Euro bewertet – aus süddeutschem Privatbesitz kommt, schenkte Chagall seiner Vava zum 28. Hochzeitstag.

          Gustl Blab, den etwa zehnjährigen Sohn ihres Münchner Nachbarn, porträtierte Gabriele Münter 1908 fauvistisch inspiriert in einem roten Sessel mit rosa Decke. Die Neuentdeckung aus Privatbesitz wird ins Werkverzeichnis aufgenommen (150.000/250.000). Die Grattage „Horizon“, einer von sieben Bühnenbildentwürfen, die Max Ernst 1926 für die „Roméo et Juliette“-Inszenierung von Diaghilevs Ballets Russes gestaltete, gelangte in den Besitz des ukrainischen Ballettstars Serge Lifar, der die Hauptrolle getanzt hatte (90.000/120.000). Fröhlich arkadisch geht es zu auf Picassos Zeichnung „Homme à l’agneau, mangeur de pastèque et flûtiste“ (250.000/350.000), ein Großformat, das mit seinem Entstehungsjahr 1967 zu jüngeren Werken überleitet.

          Nach einem kleinen Kapitel Informel erinnert ein schwarzes „Volume“ von Dadamaino, einer ihrer Cut-outs, an die Mailänder Avantgarde (20.000/25.000) um Castellani und Manzoni. Beuys hingegen schnitt seine „Painting Version 70“ nicht, sondern riss sie aus schwarzem Bütten (10.000/15.000; Auflage 90). Auch sein einstiger Schüler Imi Knoebel attackiert den Malgrund, eine große Hartfaserplatte, mit Schnitten, um sie anschließend zu übermalen (100.000/150.000). Bei den Plastiken stellt Eduardo Chillidas mit kurvigen Kerbungen versehener Schamottwürfel „Lurra G-12“ von 1984 mit 150.000 bis 200.000 Euro den Spitzenreiter. Mit je 15.000 bis 20.000 Euro rechnet man für zwei Bronzestelen von Günther Förg (Auflage je 6). 20.000 bis 35.000 Euro erfordert eine kunterbunt mit Acrylfarbe übergangene, schnittige Form Katharina Grosses (Auflage4) mit dem Hilfstitel „2015/80016L“. Jorinde Voigts mit Tinte gezeichnetes Triptychon „PermI, II, III“, eine Partitur besonderer Art von 2007, nimmt in der Breite sechs Meter in Anspruch und geht mit 80.000 bis 120.000 Euro an den Start. Zu den ausgewählten Werken zählt nicht zuletzt eine „Farbprobe“ von Sigmar Polke (50.000/70.000), die in freier Reaktion von Farben, Kunstharz und Benzin den Zufall „malen“ ließ.

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