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Auktion bei Karl & Faber : Andromeda am Pfahl

  • -Aktualisiert am

Hans Thomas: „Einsamkeit“, 1896, Öl auf Leinwand, 69 mal 78,5 Zentimeter, Taxe 25.000/35.000 Euro. Bild: Karl & Faber

Barocke Porträts, romantische Landschaften und Drucke von Dürer bis Toulouse-Lautrec: Die Auktion mit Kunst alter Meister und des 19. Jahrhunderts bei Karl & Faber in München.

          2 Min.

          Nachdem König Charles I. hingerichtet worden war, kamen seine kapitalen Kollektionen im „Commonwealth Sale“ 1649 unter den Hammer. Dem unersättlichen Kunstsammler Everhard Jabach bot das die Gelegenheit, Hunderte Gemälde und mehr als 6000 Zeichnungen zu erwerben; manches davon ist heute im Louvre. War dies wohl der größte Einkauf des in Paris ansässigen Geschäftsmanns, so doch beileibe nicht der einzige, außerdem unterhielt er mit führenden Künstlern seiner Zeit mäzenatischen Umgang. Viele porträtierten ihn, Van Dyck allein dreimal, aber auch Charles Lebrun oder der Hofmaler Hyacinthe Rigaud. Dessen Brustbildnis des stattlich barocken Herrn im leger privaten Habit wäre am 16. Juni in Karl & Fabers Auktion mit Alten Meistern und Kunst des 19. Jahrhunderts zu erwerben (Taxe 15.000/20.000 Euro). Ein anderes Konterfei zeigt eine 32 Jahre alte Dame mit kleinem Mund und großem Barett im Jahr 1524, das im Katalog als Pendant zu einem Männerbildnis von Barthel Beham in der Prager Nationalgalerie vorgeschlagen wird (50.000/70.000). Mitte des 17. Jahrhunderts malte der Flusstal-Spezialist Herman Saftleven eine Ansicht des Rheins vor der Kulisse des Siebengebirges, wo der Drachenfels mit seiner Burgruine auszumachen ist (60.000/70.000).

          John Roddham Spencer Stanhope, „Andromeda“, um 1870, Öl auf Leinwand, 128,4 mal 53,4 Zentimeter, Taxe 80.000/120.000 Euro.
          John Roddham Spencer Stanhope, „Andromeda“, um 1870, Öl auf Leinwand, 128,4 mal 53,4 Zentimeter, Taxe 80.000/120.000 Euro. : Bild: Karl & Faber

          In Landschaften und Veduten Italiens schwelgt das Angebot zum 19. Jahrhundert, bis mit Johann Georg von Dillis’ „Kloster Reutberg bei Dietramszell“ Südbayern romantisch und großformatig ins Blickfeld rückt (30.000/40.000) und Carl Spitzweg eine seiner „täglichen Fingerübungen“ mit einer Donaulandschaft auf Zigarrenkistenholz liefert (15.000/20.000). Seinen exzentrischen Lyrikerfreund Marc Trapadoux, hält Gustave Courbet mit einer flotten Ölstudie um 1849 im markanten Profil fest (30.000/40.000). Eine mythologische Figur, nämlich Andromeda, nackt an einen Pfahl am Meer geschmiedet – Perseus ist noch nicht in Sicht –, nahm sich der den Präraffaeliten nahestehende John Roddam Spencer Stanhope zum Thema (80.000/120.000). Ebenfalls am Meer sitzt Hans Thomas über seine angezogenen Knie gebeugter Jüngling auf einem Felsen. Nicht nur „Einsamkeit“ vermittelt er, sondern auch den Eindruck, den Hippolyte Flandrins sehr ähnliches Motiv in Paris bei Thoma hinterließ (25.000/35.000).

          Aus der Papierabteilung

          Weiße Scherenschnitte von Philipp Otto Runge hält die Papier-Abteilung bereit: Eine schlanke, zarte „Narzisse“, auf blaugrauen Grund montiert, stammt aus dem Nachlass des Runge-Freunds und -Kollegen Erwin Speckter und tritt mit einer Taxe von 35.000 bis 40.000 Euro an. Gleich hoch lautet die Erwartung für „Lilie und Levkoje“, die Runge 1804/06 im Faltschnittverfahren fertigte und auf schwarzes Papier montierte. Auf braunes Tonpapier zeichnete Adolph Menzel einen Knaben und setzte weiße Lichter auf Nase, Augen und den Kragen des schüchtern Lächelnden (15.000/20.000). Der Druckgrafik-Katalog enthält auch diesmal Blätter von Martin Schongauer oder Albrecht Dürer, über Rembrandt bis hin zu Goya und Toulouse-Lautrec.

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