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Auktion bei Christie's : Die Antwort kennt nur der Wind

  • -Aktualisiert am

Wenn die Frisur zum Songtitel passt: „Blowin’ in the Wind“-Sänger Bob Dylan im Tonstudio (1965) Bild: Picture Alliance

Was ist der Wert eines Songs? Um das herauszufinden, wurde das Unikat einer Neuaufnahme von Bob Dylans „Blowin’ in the Wind“ bei Christie's versteigert – für fast anderthalb Millionen Pfund.

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          Das hat die Erwartungen übertroffen: Fast anderthalb Millionen Pfund mit Aufgeld hat ein anonymer Käufer beim Auktionshaus Christie’s in London für die erste Studioneuaufnahme Bob Dylans von seinem Klassiker „Blowin’ in the Wind“ seit der Erstaufnahme 1962 bezahlt. Dylan hatte das Lied im vergangenen Jahr mit dem amerikanischen Musiker und Produzenten T Bone Burnett neu eingespielt und einmalig auf eine „Ionic Original Disc“ gebannt. Diese ähnelt optisch einer Vinylschallplatte und kann wie eine solche abgespielt werden, ist aber aus beschichtetem Aluminium hergestellt. Die Spezialbeschichtung sei wesentlich widerstandsfähiger als Vinyl und gewährleiste eine viel höhere Klangqualität, nämlich „den Gipfel des aufgezeichneten Sounds“. Das sagt zumindest Burnett, der die analoge Aufnahme- und Produktionstechnik über Jahre hinweg ausgearbeitet hat und sie sich jüngst patentieren ließ.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Ob sich noch andere außer dem Käufer von dieser Aufnahme je einen Eindruck werden verschaffen können, ist ungewiss – denn es handle sich um ein Unikat. In einer Mitteilung von Christie’s wird Burnett zudem mit der Aussage zitiert, die hochwertige Produktion diene dazu, der Musik einen neuen Stellenwert im gehobenen Kunstmarkt zu geben. Geschätzt worden war die Schallplatte vor der Auktion auf 600.000 bis ein Million Pfund.

          Produzent T Bone Burnett und der „Gipfel des aufgezeichneten Sounds“ in Form einer Ionic Original Disc
          Produzent T Bone Burnett und der „Gipfel des aufgezeichneten Sounds“ in Form einer Ionic Original Disc : Bild: Christie’s / Jason Myers

          Wer will, kann die Auktion als Kunstaktion betrachten – für den Wert des Songs im Streaming-Zeitalter. So ist wiederum Burnett zu verstehen, der in einem Interview mit „Variety“ beklagt hat, dass aufgezeichnete Musik in den vergangenen Jahrzehnten „auf null kommerzialisiert“ worden sei. Musik sei für den amerikanischen Markt, was Wein für den französischen sei, „und in den letzten 25 bis 30 Jahren haben uns Teile des Publikums gesagt, dass wir unsere Musik kostenlos herausbringen sollten“. Also habe man hier die Sache selbst in die Hand genommen, um Produktionsmittel und Urheberrecht zu kontrollieren und zu erforschen: „Was ist der Wert eines Songs?“ Die Antwort verbindet sich nun mit einer Zahl. Was den ästhetischen Wert angeht, hat Burnett die Hoffnung, der Käufer könne die Aufnahme einem Museum zur Verfügung stellen, das sie zur Abspielung bringe – vorausgesetzt, dass die Reproduktion verhindert würde.

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