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Auktion Alter Meister : Was den Herbst schöner macht

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Erntezeit: Jan Mortels üppiges Stillleben, Öl auf Holz, 54,2 mal 45,7 Zentimeter, ist bei Karl & Faber auf 40.000 bis 60.000 Euro taxiert. Bild: Karl & Faber

Stillleben, Heiligenbilder und Druckgrafik: Die Auktion mit alter Kunst und Werken des 19. Jahrhunderts bei Karl & Faber in München.

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          Ein opulentes Gemälde von Jan Mortel feiert den Herbst mit safttropfendem Pfirsich und schimmernden Trauben, dazu dicke Maiskolben und mehr Genüsse der Erntezeit. Aber wie so oft in der Stilllebenmalerei jener Zeit, das Bild entstand 1700, fehlt es nicht an Symbolik. Mit überreifen Früchten und gebräuntem Weinlaub baut der Künstler aus Leiden Mahnungen an die Vergänglichkeit ein. Geschätzt auf 40.000 bis 60.000 Euro kommt das Bild am 24. November in Karl & Fabers Auktion Alter Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts zum Aufruf. Aus Leiden stammte auch Otto van Veen, ließ sich aber 1592 in Antwerpen nieder, wo bald darauf seine „Heilige Familie mit vier Putti“ entstanden sein soll (35.000/45.000).

          Münchner Schule

          Das Angebot zum 19. Jahrhundert führen zwei griechische Künstler an, die es wie so viele mittel- und südosteuropäische Kunststudenten der Epoche an die Münchner Akademie zog. Aus Konstantinos Volanakis wurde ein gefeierter Marinemaler; seine „Fischerboote und Segelschiffe auf See“ in frühmorgendlicher Stimmung von 1878, suchen nach Generationen in deutschem Privatbesitz für 50.000 bis 60.000 Euro eine neue Bleibe. Wie Volanakis studierte auch Nikolaus Gysis bei Carl von Piloty, neben Genredarstellungen schuf er Stillleben wie jenes von duftigen Rosen, das er verso dem bayerischen Prinzregenten Luitpold mit persönlicher Widmung verehrte (18.000/24.000). Höchsttaxiertes Los der Suite ist mit 60.000 bis 80.000 Euro Lew Lagorios „Ansicht vom Elbrus“, des höchsten Bergs im Kaukasus, 1873 vom weiten Tal der Malka aus gesehen.

          Trio infernale: Albrecht Dürer, „Ritter, Tod und Teufel“, 1513, Kupferstich auf Bütten, 24,6 mal 18,9 Zentimeter, bei Karl und Faber taxiert auf 50.000 bis 60.000 Euro.
          Trio infernale: Albrecht Dürer, „Ritter, Tod und Teufel“, 1513, Kupferstich auf Bütten, 24,6 mal 18,9 Zentimeter, bei Karl und Faber taxiert auf 50.000 bis 60.000 Euro. : Bild: Karl & Faber

          Möglicherweise in die Sammlung Leo von Klenzes gehörte Domenico Quaglios „Abteikirche St. Ouen in Rouen“ in zweiter Version (45.000/50.000). Bei Carl Spitzweg, einem anderen Münchner Urgestein, sticht unter drei Ölskizzen die nächtliche „Waldschlucht mit drei Zigeunern“ am Lagerfeuer hervor (25.000/30.000). Abermals tritt Wilhelm Busch mit mehreren bäuerlichen Szenen an zu Taxen bis 8000/10.000 Euro.

          Die Offerte von Arbeiten auf Papier enthält Friedrich von Oliviers „Familie des Künstlers“: auf neun reizenden aquarellierten Bleistiftzeichnungen porträtierte Olivier 1846 sich selbst, seine Frau sowie sieben ihrer acht Kinder (10.000/15.000). Wieder ist Albrecht Dürer ein Star der Druckgraphik; diesmal mit 22 Losnummern, darunter sein großformatigster Kupferstich, der „Heilige Eustachius“ (30.000/40.000) und, nicht weniger berühmt, der Meisterstich „Ritter Tod und Teufel“ (50.000/60.000). Giovanni Battista Piranesis „Carceri d’Invenzione“, die wie unheimliche Traumsequenzen erscheinenden Phantasiegefängnisse, liegen mit 16 Radierungen als vollständige Folge der zweiten Ausgabe in tiefschwarzer Druckqualität vor (90.000/120.000).

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