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Auktion Alter Meister : Wer vom Winter nicht lassen kann

  • -Aktualisiert am

Pieter Brueghel der Jüngere: Winterliche Flusslandschaft mit Vogelfalle, Öl auf Holz, um 1601 Bild: Koller

Von Brueghel bis Gainsborough: Vorschau auf die Auktionen Alter Meister bei Koller in Zürich.

          2 Min.

          Brueghels „Winterliche Flusslandschaft mit Vogelfalle“ zählt zu den beliebtesten Winterdarstellungen des 17. Jahrhunderts, war Wegbereiter für eine eigene Bildgattung, Vorbild einer ganzen nachfolgenden Künstlergeneration und ist aus dem kollektiven Bildgedächtnis nicht wegzudenken. Man geht davon aus, dass die berühmte Komposition auf den Prototypen von Pieter Brueghel d. Ä. von 1565 zurückgeht, der heute im Musée Beaux Arts in Brüssel hängt. Vor allem durch die kontinuierliche Umsetzung dieses Motivs durch seinen Sohn, Pieter Brueghel d. J., erlangte es große Beliebtheit: Heute werden 127 Vogelfallen-Bilder mit diesem in Verbindung gebracht, wovon 45 als eigenständig gelten und zwischen 1601 und 1626 entstanden sind.

          In Kollers Frühjahrsauktion mit Alter Kunst kommt nun eine um 1601 entstandene und marktfrische Version von Pieter Brueghels d. J. „Winterlichen Flusslandschaft mit Vogelfalle“ zum Aufruf, die sowohl stilistisch als auch qualitativ der im selben Jahr entstandenen Version in Wien nahesteht. Das 37 mal 56 Zentimeter große Ölgemälde befand sich seit mehreren Generationen in einer Luxemburger Privatsammlung und ist mit einer Erwartung von 800.000 bis 1,2 Millionen Franken das Spitzenlos der Offerte, die am 1. April in Zürich auktioniert wird. Pieters Bruder Jan Brueghel d. Ä. schuf 1605 eine kleine „Hafenszene mit Fischmarkt“ auf Kupfer, die erst kürzlich bei der Nachlassschätzung einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt wurde und durch ihre exquisite Farbigkeit besticht (Taxe 300.000 bis 400.000 Franken). David Teniers d. J. machte den Alchemisten zum Bildmotiv eines Ölgemäldes, das zuletzt 1877 in einer Publikation erwähnt wurde und über zwei Jahrhunderte eine Schweizer Familiensammlung schmückte (80.000/120.000).

          Ein wunderschönes Blumenstillleben malte Balthasar van der Ast auf eine 30 mal 26 Zentimeter große Holztafel, es soll 80.000 bis 120.000 Franken einspielen. Von Jan van Goyen kommen zwei Wasserlandschaften zur Auktion: „Flusslandschaft mit Fähre“ entstand 1641 (70.000/100.000), „Der Strand von Egmond aan Zee“ drei Jahre später (60.000/80.000).

          Auf 80.000 bis 120.000 Franken bei Koller taxiert: Balthasar van der Asts Stillleben, Öl auf Holz, 30,9 mal 26,1 Zentimeter
          Auf 80.000 bis 120.000 Franken bei Koller taxiert: Balthasar van der Asts Stillleben, Öl auf Holz, 30,9 mal 26,1 Zentimeter : Bild: Koller

          Das Angebot des 19. Jahrhunderts, das ebenfalls am 1. April versteigert wird, führt ein imposantes Gemälde der „Schweizer Alpenlandschaft mit der Jungfrau“ an: Johann Wilhelm Schirmers 1839 entstandenes Werk hing bis 1999 als Dauerleihgabe im Düsseldorfer Kunstmuseum und ist auf 30.000 bis 40.000 Franken taxiert. Auch Hans Thoma huldigt dem Berg in seinem Gemälde „Bauernfamilie mit Blick auf die Nordseite der Wengen-Jungfrau“ von 1916 (12.000/18.000). Von Carl Spitzweg kommt das interessante Frühwerk „Drei Herren in einer Taverne“ von 1840/45 – aus einer Zeit, in der er von der holländischen Malerei des Goldenen Zeitalters beeinflusst war (15.000/20.000).

          Unter den 100 Losen mit alten Zeichnungen sticht Thomas Gainsboroughs lavierte Bleistiftarbeit hervor, die vermutlich in den frühen achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand: Das Blatt „Vom Markt heimkehrende Bauern“ steht in Zusammenhang mit dem gleichnamigen Ölgemälde von Gainsborough, das sich einst im Besitz des Royal Hollway College befand und heute in einer Privatsammlung bewahrt wird (30.000/40.000).

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