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Art Week in Berlin : Hauptstadt im Kunsttaumel

  • -Aktualisiert am

Es ist wieder Art Week in Berlin. Die Stadt bietet eine phantastische Auswahl an Begegnungen mit Kunst und Künstlern - und die Art Berlin wartet mit einem veränderten Konzept auf.

          Es ist wieder Art Week in Berlin, das heißt, eine phantastische Auswahl an Begegnungen mit Kunst und Künstlern ist geboten. Niemand schafft sämtliche Ausstellungen und Veranstaltungen, aber bei guter Planung lässt sich einiges mitnehmen. Es ranken sich diese besonderen Tage um die Kunstmesse „Art Berlin“, die für ihre zweite Ausgabe von der Station am Gleisdreieck in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof umzog, wo jede Menge Platz bereitsteht für die auf 120 Galerien angewachsene Ausstellerzahl. Gut die Hälfte kommt aus Berlin – dass die Messe dennoch nicht Eulen nach Athen trägt, beweisen die anderen, aus zwanzig Nationen angereisten Teilnehmer.

          Außer beim Standort gibt es auch Änderungen im Konzept: Neu sind die „Special Projects“ mit der Chance, auf kleinem Raum zu günstigem Preis einzelne Künstler zu präsentieren – oder auch mal zwei, wie bei Choi &Lager aus Köln, die mit „Rosa und Rose“ die Malerinnen Rosa Loy und Rose Wylie Duett spielen lassen.

          Mit Soloschauen auch in manch größerer Koje – Blain Southern etwa konzentriert sich ganz auf Wim Wenders, Deborah Schamoni auf Tobias Spichting – zitiert die „Art Berlin“ eine Tradition der Vorgängermesse ABC; kein Wunder, denn während mit der Kölnmesse ein neuer Träger antrat, wechselte die Berlin-erfahrene Maike Cruse einfach vom einen auf den anderen Direktorenposten. Erstmals lädt sie auch in den „Salon“, eine Art Gemeinschaftsstand, auf dem der Kurator Tenzing Barshee mit fünfzig Werken die Kombination aus kuratierter Ausstellung und kommerzieller Messe versucht.

          „Positions Berlin“ zielt wieder auf weniger etablierte Szene

          Sie dürfte reiner Zufall sein, wirkt aber wie abgesprochen, die auffallende Dichte plastischer Arbeiten von Künstlerinnen. Sprüth Magers hat Platz für vier: Thea Djordjadze, Rosemarie Trockel, Astrid Klein und Pamela Rosenkranz. Esther Schippers One-Woman-Show gilt Karin Sander, und bei Kraupa-Tuskany Zeidler erregen Anna Uddenbergs verstörende Stoffgestalten und Katja Novitskovas Sci-Fi-Skulpturen Aufsehen. Beim Frische-Luft-Schnappen auf dem Flugfeld geht es weiter mit Skulpturen von Cosima von Bonin und mit einer lustigen „Prinzessin“ und einer „Empfangsdame“, die stammen aber von Thomas Kiesewetter.

          Im nächsten Hangar gibt es noch die Messe „Positions Berlin“mit rund siebzig Galerien aus dreißig Ländern. Zum fünften Mal zielt sie auf die noch weniger etablierte Szene und agiert damit auch auf einem kostengünstigeren Level.

          Einige Berliner Galerien stemmen neben der Messeteilnahme noch eine Vernissage im Stammhaus. Da eröffnete eben erst „Ein Zimmer im Raum“ von Gregor Hildebrandt bei Wentrup. Und mit Remy Markowitch, einem Jongleur zwischen Installation, Video und Fotografie, startet Eigen & Art die nächste Runde, dies aber bereits im Rahmen von EMOP, dem „European Month of Photography Berlin“.

          Nahtlos nämlich geht die Kunstwoche über in diesen Monat der Fotografie, Deutschlands größtes, alle zwei Jahre stattfindendes Fotofestival an Dutzenden Orten. Dass auch Galerien teilnehmen, dürfte Sammler freuen. Gastgeber für die Veranstaltungen an diesem Eröffnungswochenende, einer der Höhepunkte der Art Week, ist das C/O-Berlin im schönen Amerikahaus in Charlottenburg. Zu sehen gibt es dort Nicholas Nixons berühmte, vor vier Jahrzehnten begonnenen Langzeitserie „The Brown Sisters“. Und am heutigen Samstag steht dort als Programmbeginn ein Artist Talk mit Martin Parr an, dem absolut schonungslosen, ironischen Beobachter seiner englischen Landsleute.

          Glaubt man der Wirtschaftssenatorin, hatte die Art Week im vergangenen Jahr 100.000 Besucher. Es versteht sich von selbst, dass da viele Museen andocken. Weniger selbstverständlich ist die dieser Tage gebotene Möglichkeit, Privatsammlungen zu besichtigen. Der Textilunternehmer Thomas Rusche zeigt Interessierten – nach Anmeldung – in seiner Wohnung die persönlichen Vorlieben geschuldete Kombination aus Niederländern des 17. Jahrhunderts und Contemporary Art, etwa fotografierten Küchenstillleben oder Reliefs von Balkenhol.

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