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Art Hongkong 2012 : Der Art-Basel-Effekt

  • -Aktualisiert am

Die Art Hongkong zeigt, was Internationalität heute bedeutet. Aus 38 Ländern sind die Galeristen angereist. Die Übernahme durch die Art Basel wird eine Herausforderung - für beide Seiten.

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          Beim Landeanflug auf die chinesische Sonderzone Hongkong mit ihrem Zollfreihafen schaut man hinab auf eine gewaltige Anzahl uniformer Hochhäuser, die sich an den Perlfluss drängen, eingekreist von grünen Hügeln. Wenn fast alltäglich Gewitterwolken aufziehen, die Hubschrauber durch den Himmel knattern, dann ist die Gegenwart fern, die Zukunft aber sehr nah. Zu den Füßen der Wolkenkratzer der mächtigsten Banken bieten an wackligen, behängten Ständen Kleinkrämer scheinbar unbehelligt von den Megastores ihre Waren und Dienste an. Im Zentrum fällt ein einziges flaches Hafengebäude auf, eine riesengroße Schildkröte - das Convention Center mit Glasfront und freiem Blick auf die Skyline.

          Dort findet in diesen Tagen die fünfte „Art Hongkong“ statt, unter der Leitung von Magnus Renfrew. Auf dieser Messe ist alles anders als in Europa: Das Selbstverständnis westlicher Kunst, das wir kennen, ist außer Kraft gesetzt. Die in großer Zahl angereisten Global Players, von der Marlborough Gallery über Lehmann Maupin bis Sperone Westwater, sind hier die Unbekannten. Die asiatischen Galerien hingegen erreichen ihre Adressdaten. Auf dem Auktionsmarkt ist Hongkong schon länger etabliert und gehört neben London und New York zu den stärksten Handelsplätzen. Doch jetzt sind aufwendige Museen in Planung, Galerien wie Gagosian oder Perrotin haben Dependancen eröffnet.

          Die Messe präsentiert 266 Galerien (ausgewählt aus 700 Bewerbern) aus 38 Ländern auf zwei Ebenen in einer neuen Formation, die den asiatischen Markt stützt: In der Mitte ist ein langer Gang angelegt mit Ständen der Sektion „Asia One“. Die Regel lautet: Hier sind ausschließlich One-Artist-Shows versammelt, deren Galeristen geographisch zwischen der Türkei bis nach Neuseeland und vom Mittleren Osten bis zum Indischen Subkontinent zu Hause sind. Die „Art Projects“ bestehen aus monumentalen Skulpturen, die auf Plätzen der weitläufigen Hallen den monotonen Kojenrhythmus aufbrechen.

          Das Ganze steht im Zeichen des Wandels: Die Schweizer Messegesellschaft der Art Basel hat im Mai 2011 die Art Hongkong gekauft, vom nächsten Jahr an wird sie „Art Basel in Hongkong“ heißen. Neugierig schauen seither die westlichen Galeristen Richtung Asien, war doch die letzte Übernahme der Miami-Messe ein Senkrechtstarter. Die Art-Basel-Direktoren Marc Spiegler und Annette Schönholzer traten in Hongkong im dominanten Doppelpack auf, schauten gebieterisch und überließen Renfrew eine Erklärung, die wohl überzeugender aus ihrem Mund gewesen wäre: Er werde auch 2013 seinen Job als Messeleiter behalten.

          Die großzügig präsentierte Schau macht einen soliden Eindruck. Es entfaltet sich eine in Europa zuletzt vermisste Vielfalt, die auch Galerien von Ungarn bis nach Indien ernst nimmt und nicht nur für die Quote eingeladen hat. Auffallend viel fotorealistische Malerei wird angeboten, zum Beispiel Taira Hisayas Motive von Rolltreppen bei Inoue aus Osaka (14 800 Dollar). Eine weitere Vorliebe ist Kunst, die technische Mittel verwendet, um den Betrachter staunen zu lassen, dazwischen immer wieder auch befremdliche Humorskulptur. Ein Werk lässt am Orientierungssinn zweifeln: Ein Dinosaurier in Lebensgröße taucht gleich drei Mal auf - die komplette Auflage. Das Tier aus Fiberglas heißt „I didn’t Notice What I am Doing“ von 2012; dieser Name brüllt die Wahrheit. Zurückhaltende traditionelle Motive, wie eine Tempelskulptur von Yuji Honbori aus Pappmaché, sind eher selten, verkauften sich aber sogleich, wie die Galerie Nanzuka meldet.

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