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Art Dubai : Ein Blick aus der anderen Richtung

  • -Aktualisiert am

Ibrahim el-Dessouki, „The Seventh Day“, 2019. Ali Chaaban: „12:00 p.m. Class“. Bild: AP

Die Art Dubai, die im Madinat Jumeirah Resort stattfindet, hat den Anspruch, eine der wichtigsten Kunstmessen des „Global South“, der sogenannten nichtwestlichen Welt, zu werden. Kann das gelingen?

          Es klang so interessant, was Pablo de Val angekündigt hatte. Der künstlerische Leiter der Art Dubai sprach von einer neuen, „UAE Now“ getauften Abteilung, mit der sich die Kunstmesse der lokalen Szene zuwenden wolle, den Graswurzelpflänzchen am Golf. Und dann das: An drei schmalen Ständen in einem abseits gelegenen Saal des Nobelressorts „Madinat Jumeirah“ präsentierten ein paar junge Frauen eine Website, auf der sie die Arbeiten „talentierter“ Freunde versammelt hatten. Außerdem zeigten sie eine Fotosammlung von öffentlicher Kunst in den Straßen von Abu Dhabi und Skizzenbücher, in denen je ein Künstler die Zeichnungen eines anderen fortgeführt hat, etwa so wie in dem Knickbild-Spiel, das man Kindern beibringt, wenn man möchte, dass sie eine Weile still sitzen. Man durfte das als entlarvend verstehen.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dubai zeigt sich gerne als Kunstzentrum des Nahen Ostens, und immer im März, wenn die Messe ansteht, wenn die „Art Week“ so viele Menschen in das Galerienviertel an der Alserkal Avenue lockt wie vermutlich das restliche Jahr nicht mehr und dann noch im benachbarten Sharjah die Biennale eröffnet, dann sieht es eine Weile wirklich so aus, als würde sich dieses Versprechen erfüllen. Aber Dubai muss sich, wie in vielen Marktsegmenten, auch im Kunstmarkt auf den Import verlassen. Darauf, dass es trotz aller Wirtschaftskrisen, die vor dem Emirat nicht Halt machen, noch immer über die Mittel und den Willen verfügt, alles einzufliegen, was es für eine Messe braucht, die sich mit rund 80 Galerien und 500 Künstlern nichts Geringerem als dem „Global South“ verschrieben hat. Damit sind die arabischen Länder, Südostasien, Afrika und in diesem Jahr besonders auch Südamerika gemeint – mithin fast die gesamte Welt, außer der westlichen.

          Tadesse Mesfin, „Pillars of Life: „Water Bearers II“, 130 mal 180 Zentimeter, Addis Fine Art.

          Der Versuch, so etwas wie eine Gegenöffentlichkeit zu der von westlichen Institutionen und Wahrnehmungen dominierten Kunstszene aufzubauen, ist nicht neu in der Region. Er ist auch nicht verkehrt. Pablo de Val gab diplomatisch zu, es sei noch ein langer Weg. Aber ein Blick über die mit Wasserspielen und Palmen gespickten Landschaften des Messe-Ressorts reichte, um zu sehen, dass Gäste und Angestellte aus aller Herren Länder stammten. In Dubai arbeiten Menschen aus mehr als zweihundert Nationen. Das Mittelmeer, die afrikanische Ostküste, aber auch Indien und Sri Lanka sind mit Billigfliegern oft in weniger als vier Stunden erreichbar. Die Frage ist nur, ob es nötig ist, den „Globalen Süden“ auch auf Südamerika auszudehnen. Denn Pablo de Val, der lange in Mexiko lebte, bevor er vor zwei Jahren die Leitung der Messe in Dubai übernahm, hat eigens ein „Residents“ genanntes Programm aufgelegt, in dessen Rahmen zwölf Künstler aus Südamerika nach Dubai kamen und ihre Werke nun auf der Messe anboten.

          Aber die entstandene Kunst wirkte so ratlos wie die Besucher, die sie betrachteten. Eine Ausnahme bestätigte die Regel: Eine echte Verbindung zwischen den Kontinenten zeigte das Künstlerduo Lina Mazenett und David Quiroga auf, das mit seinen Fotos von kolumbianischen Marschlandschaften, welche die beiden mit einfachen, in der islamischen Kunst oft verwendeten geometrischen Mustern aus Blattgold überklebt haben, an ein emiratisches Unternehmen erinnerte, das in Kolumbien in Goldminen investieren möchte (ab 6000 Dollar).

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