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Art Cologne : Krisenfest am Rhein

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Die Art Cologne behauptet sich hartnäckig. In diesem Jahr musste sie sich deshalb schlanker präsentieren.

          „Köln wie es war“ – so nannte der Fotograf August Sander sein berühmtes, in vierhundert Fotografien aufgefächertes Porträt der Stadt, als diese vor dem Zweiten Weltkrieg noch nicht in Schutt und Asche lag. Heute wiederum ist Köln nicht mehr so, wie es noch in den achtziger Jahren einmal war, worauf unlängst eine mit Liebe zum Detail bestückte Ausstellung hingewiesen hat – in Hongkong: „Eau de Cologne“. Eingerichtet von der Galerie Sprüth Magers als Pop-up anlässlich der siebten Art Basel Hongkong, erinnerte die Schau mit Werken von acht Künstlerinnen an die Kölner Anfänge der heute global agierenden Galerie, an die Gründung des Magazins „Texte zur Kunst“ und die „Premierentage“ der Händler – und damit an die seligen Boom-Zeiten der rheinischen Kunstszene, die sich damals auf Augenhöhe mit New York sah, bevor der große Exodus in Richtung Hauptstadt Berlin einsetzte.

          Hartnäckig behauptet sich aber die Art Cologne, sie hat Krisen nahe am Abgrund überstanden und sich inzwischen wieder konsolidiert. Nun ist es tatsächlich nicht so, dass die sozialen Medien vor Selfies mit Brad Pitt und anderen Promis auf der Messe schier überlaufen, und in Köln siedeln sich auch keine Blockbuster-Galerien an, um hier das große Rad zu drehen, wie in Hongkong oder Los Angeles, dem angeblich „neuen Berlin“, wo die Londoner Frieze soeben eine neue Dependance eröffnet hat. Kaum lassen sich zudem auf der Art Cologne Verkäufe bewerkstelligen, deren Summen allein schon Aufsehen erregen. Aber das erwartet hier auch niemand. Nach wie vor liegen die Ressourcen dieser Messe in einem ungewöhnlich gut informierten Sammlerpublikum, das durch eine an Institutionen reiche Landschaft seriös auf dem Laufenden gehalten wird.

          Noch einmal alle Kräfte bündeln

          Bei der 53. Ausgabe, die am kommenden Donnerstag eröffnet wird, will die Art Cologne noch einmal alle Kräfte bündeln; sie schließt eine ganze Ebene Ausstellungsfläche und reduziert sich auf 180 Teilnehmer. „Wir waren zuletzt um 30 bis 50 Aussteller zu groß“, räumt Messe-Direktor Daniel Hug im Gespräch mit dieser Zeitung ungewöhnlich freimütig ein und kündigt eine kölnische Messe an, die so schlank ausfällt wie seit 1987 nicht mehr. Wenn die Größe einer Kunstmesse ihre Relevanz widerspiegeln soll, kommt die Art Cologne – für Kunst seit der Klassischen Moderne – der Realität damit nahe.

          Mit der 2017 gegründeten Art Düsseldorf ist ihr Konkurrenz vor der eigenen Haustür erwachsen: Die Düsseldorfer Verkaufsschau ist mit ihren achtzig Ausstellern angenehm zu bewältigen, wenn auch in der Qualität nicht zu vergleichen mit der ähnlich überschaubaren Frieze L.A.; sie sucht derzeit aber einen Käufer, nachdem sich die Basler MCH-Group, Trägerin des Branchenprimus Art Basel, von ihren Anteilen an dem Neuling schon wieder verabschiedet hat. Das zeitigt immerhin eine psychologische Wirkung, meint ein Galerist aus Düsseldorf, indem es den Wettbewerbern in Köln die Bangigkeit vor dem Konkurrenten nehme.

          Und nicht wenige Händler aus der Region sind der Ansicht, dass es der Basler Griff nach dem Rheinland war, der die Kölnmesse motivierte, in einer etwas patzigen Reaktion den Hauptstadt-Standort unter ihre Fittiche zu nehmen und dort, in der Nachfolge der glücklosen „abc“, die Art Berlin zu installieren.

          So hat Daniel Hug einiges zu tun, nicht nur, weil er als Manager gilt, der ungern delegiert, sondern stattdessen am besten alles selbst macht. Jetzt hat er auch noch die Cologne Fine Art im November an sich gezogen, da die bisherige Leiterin Cornelia Zinken in Elternzeit geht. Mindestens zwei Jahre will Hug seinen zusätzlichen Job wahrnehmen, um diese Messe „zu optimieren“, wie er sagt. Er will sie umbauen. Die Art Cologne müsse unterdessen, so eine unter einheimischen Galeristen geäußerte Mahnung, stärker um die Sammler aus der Benelux-Region werben, ihr VIP-Programm exklusiver gestalten und dafür auch mehr Personal an den Start bringen. Indes: Mehr als drei festangestellte Mitarbeiter seien nicht drin, so Hug dazu, der sich bewusst ist, dass die Art Basel über andere (finanzielle) Spielräume verfügt. Sonst müsse man wieder mehr Aussteller zulassen.

          Wenn die Art Cologne zu Recht „immer noch“ als die wichtigste deutsche Kunstmesse gehandelt wird, dann fällt zugleich auf, wie wenig leidenschaftlichen oder auch nur überzeugten Zuspruch der Standort Berlin erfährt. Die Hauptstadt-Messe wird allenthalben pflichtschuldig goutiert und als irgendwie notwendig bezeichnet, denn: Was ist schon eine Metropole ohne eigene Messe? Bei all dem bleibt die Art Berlin aber, was ihr Image angeht, weit hinter dem erfolgreichen Gallery-Weekend zurück (wie die einstigen Kölner „Premierentage“ in Berlin genannt werden) und gilt nach wie vor als Stiefkind unter den deutschen und internationalen Kunstmessen.

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