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Art Cologne : In Köln am Rhein ist es für die Kunst so schön

Lucia Laguna, „Paisagem no. 111“, 2018, Acryl und Öl auf Leinwand, 120,5 x 120 x 4,5 cm, 46.000 Euro bei Galerie Karsten Greve, Köln. Bild: © Lucia Laguna Foto: Everton Ballardin Courtesy Galerie Karsten Greve Paris, St. Moritz, Köln und Fo

Die „Art Cologne“ geht in ihre 53. Runde. Dabei hat sich die dienstälteste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst sogar eher verjüngt. Das gelingt, weil sie Ballast abgeworfen und ihre Konturen geschärft hat.

          Alles begann, es ist bekannt, 1967 mit dem „Kölner Kunstmarkt“, und den Titel „Internationaler Kunstmarkt“ hat sich die älteste Messe für damals zeitgenössische (nach mehr als einem halben Jahrhundert schon beinah klassisch gewordene) Kunst unterwegs wieder zugelegt. Es begann mit achtzehn Galerien, die der gerade von den Kölner Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner mit einigen Kollegen gegründete „Verein progressiver deutscher Kunsthändler“ eingeladen hatte. Auch diese aktuelle, 53. Ausgabe der Art Cologne profitiert von kluger Beschränkung.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Hatte der Direktor Daniel Hug schon in der vorigen Ausgabe den Auftrieb auf 210 Galerien abgeschmolzen, ist er jetzt noch weiter gegangen, hat noch einmal um mehr als dreißig Galerien und Kunsthändler reduziert. Nämlich auf 177 Galerien, von denen gut neunzig aus dem Ausland kommen. Wobei aufs Neue gilt: Die Internationalität einer Messe hängt weniger von der Herkunft ihrer Aussteller ab als vom Spektrum des Angebots. So gesehen ist die Art Cologne definitiv die Leistungsschau in Europa, die sich vom Hang zur Globalisierung großen Stils abgrenzt, wie sie für die Messen in Miami oder Hongkong, als Zweigstellen der mächtigen Art Basel, notwendig ist.

          Laura Schawelka, „Untitled (Hände und Heller)“, 2019, Inkjet Print, 70 mal 50 Zentimeter, 5000 Euro bei Filiale. Bilderstrecke

          Entscheidend ist dabei eben die noch einmal erhöhte Konzentration. Alle Aussteller sind jetzt auf den Ebenen 1 und 2 der Halle 11 vereint; die Ebene 3 (obwohl 2018 recht lebendig wirkend, aber wohl nicht verkaufsintensiv genug) ist aufgegeben. Entsprechend kompakt war jetzt zur Preview und Vernissage der Tross der Sammler unterwegs – und, wie vielfach zu hören, außerdem direkt kauflustig. Wie schon im vorigen Jahr sind Galerien aus Berlin stark vertreten, die vorübergehende unsinnige Konkurrenz ist beigelegt – das Rheinland als Showroom akzeptiert. Man nimmt sich da nichts mehr, mit Blick auf das nahe Berliner Gallery Weekend (26.bis 28.April). Die nickelige Teilüberschneidung 2017 ist von der Agenda, zum Vorteil aller Beteiligten. Und auch die Art Brussels findet diesmal erst vom 25. bis zum 28. April statt. Die vielbeschworenen Sammler im Rheinland-Raum können sich also ohne Hetze bewegen.

          Auf Ebene 1 reicht die Sektion „Galleries“ von der Moderne über die Nachkriegskunst bis in die Gegenwart. Die „Klassische Moderne“, weiter auf dem Rückzug, erscheint dafür in konzentrierten Präsentationen. Die Münchner Galerie Thomas steht mit ihrem Sortiment dafür; auf dem Feld der Zeichnung tut das Rotermund aus Hamburg, der neben seinem August-Macke-Konvolut einen umwerfenden Kirchner-Akt in schwarzer Kreide dabei hat (145.000 Euro). Dessen genauso rasantes Gegenstück (gleicher Preis) findet sich übrigens am ebenfalls bestens sortierten Stand von Fischer aus Berlin. Henze & Ketterer, Wichtrach, wollen es, einmal mehr, mit einem späten Kirchner-Gemälde wissen, „Sängerin am Piano“ von 1930, ist mit einem genannten Preis von 3,9 Millionen Euro das wohl teuerste Werk auf der Messe überhaupt. Dort findet sich auch Heinz Macks Plexiglaskasten von 1965, „Wings of Gabriel“, für 1,1 Millionen Euro. Wie generell die sechziger Jahre weiter breit aufgestellt bleiben, auffällig ist dabei die andauernde Renaissance der einstigen italienischen Avantgarde, an vielen Ecken vertreten durch die charakteristischen bunten Streifen-Arbeiten von Piero Dorazio.

          Die Galerie Lahumière aus Paris bleibt bei ihrem konsequenten Programm des Konstruktivismus, diesmal auch mit Bildern aus den abstrakten Anfängen von Victor Vasarely in den Fünfzigern. Im Jahr 1960 zeichnete Hans Arp mit Bleistift zwei Körper auf ein Blatt Papier (11.000 Euro): Die Zeichnung hängt bei Philippe David aus Zürich, über einer prächtigen, knapp einen Meter hohen SteingussPlastik Arps von 1949 mit dem treffenden Titel „Pagodenfrucht“ (750.000 Euro). Florian Sundheimer, München, hat ein bezauberndes Ensemble mit acht kleinen „farbigen Baukörpern“, die Hermann Glöckner 1978 aus Pappe geformt und mit Tempera bemalt hat, in seinem Stand zur Skulptur angeordnet (75.000 Euro).

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