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Art Cologne : Eine erneuerte Allianz zwischen Köln und New York

  • -Aktualisiert am

Sie hat allen Grund zu Selbstsicherheit: Die Art Cologne gibt ihren „Open Space“ auf und gewinnt dafür die jungen internationalen Galerien der „Nada“.

          Die New Art Dealers Alliance aus New York (Nada) zählt zu den einflussreichsten Kunsthändlervereinigungen weltweit. Nun kommen die New Yorker nach Köln: In diesem Jahr wird Nada erstmals auch auf der Art Cologne vom 18. bis zum 22. April mit einer eigenen Sektion vertreten sein. Der Messeleiter Daniel Hug verabschiedet sich vom 2006 gegründeten Konzept des „Open Space“ und rückt den verbliebenen Raum in Halle 11.3 für die New Yorker zurecht. „Open Space machte Sinn, als die Art Cologne noch sehr viel größer war und es wichtig schien, die aktuelle Gegenwartskunst in einem exklusiven Segment zu stärken“, sagt Hug. „Wir wollten renommierte Galerien gewinnen, die im Open Space Einzelpräsentationen zu günstigeren Konditionen zeigen konnten“, und er fügt hinzu: „Das brauchen wir jetzt nicht mehr, denn das Profil der Art Cologne ist so stark wie noch nie.“

          Die Marke „Nada Cologne“ lockt vor allem mit Internationalität. Die Nada wurde 2002 von den Galeristen Sheri Pasquarella, Zach Feuer und John Connelly als gemeinnützige Organisation gegründet, die nicht nur als Interessenvertretung der aus Galeristen, Kuratoren und Künstlern bestehenden, internationalen Mitgliedergemeinschaft agiert, sondern auch Kräfte bündelt, um Künstler und Kunstprojekte zu unterstützen. Längst agiert die Nada auch als erfolgreicher Messemacher: Die im Jahr 2003 gegründete „Nada Miami Beach“ war von Beginn an die beste der Satellitenmessen rund um die Art Basel Miami Beach. Im Mai folgt die erste „Nada NYC“, parallel zur ersten New Yorker Ausgabe der „Frieze Art Fair“. Es wird deutlich: Die Nada scheut die Konkurrenz nicht. Aber sie kann auch ein wenig Werbung gebrauchen, wie Direktorin Heather Hubbs einräumt: „Unsere Präsenz auf der Art Cologne ist ideal, um unsere Organisation nicht nur in Deutschland, sondern in Europa bekannter zu machen.“

          Eine Messe in der Messe

          Bei der Nada-Premiere in Köln teilen sich 33 internationale Galerien den Platz des einstigen Open Space. Vor allem junge New Yorker Galerien bestimmen das Bild, zu den Ausstellern gehören aber auch Shane Campbell aus Chicago, Emanuel Layr aus Wien, Neue Alte Brücke aus Frankfurt und Cinzia Friedlaender aus Berlin. Bei der Entscheidung über die Teilnehmer herrschte Unabhängigkeit: Eine Jury aus Nada-Mitgliedern hat ausgewählt. „Nach fünf Messeteilnahmen in Europa, darunter drei Jahre auf der Basler Liste, habe ich mich in diesem Jahr entschieden, erstmals an einer deutschen Messe teilzunehmen“, sagt James Fuentes, dessen Galerie in Manhattans Lower Eastside liegt: „Mir gefällt das Zusammengehen der Art Cologne, die ja so etwas wie die Erfinderin aller Kunstmessen ist, mit einer kaum zehn Jahre alten Organisation wie Nada. Es fühlt sich richtig an. Vor ein paar Jahren war es Chicago, jetzt ist es die Art Cologne, über die alle sprechen.“ Als junge Galeristen aus dem Rheinland sind Desaga, Schmidt & Handrup und Warhus Ritterhaus aus Köln sowie Max Mayer aus Düsseldorf präsent.

          Die Nada Cologne gestaltet ihren ersten Auftritt in Europa auch technisch auf der Höhe der Zeit: Bereits eine Woche vor Messestart richteten die New Yorker auf der Online-Plattform „Paddle 8“ einen virtuellen Rundgang mit der Möglichkeit ein, online Werke der dort präsentierten Künstler anzusehen und zu reservieren. Die Gefahr, dass nun die Messe in der Messe attraktiver als die Hauptveranstaltung wird, besteht jedoch kaum: Die Nada-Stände sind nur fünfzehn Quadratmeter groß; sie erfordern also einiges Improvisationstalent. Den jungen Galeristen aus Übersee wird es recht sein. Sie können so nicht nur Transport- und Versicherungskosten sparen, und die Umstellung fällt ohnehin wohl nicht schwer: Viele der vertretenen New Yorker Galerien sind kaum größer als ihr Messestand in Köln.

          Spätestens mit dieser Nada-Kooperation beweist Daniel Hug, dass die schwierige Neupositionierung der Art Cologne als internationale Marke gelungen ist. Die Orientierung an New York ist dabei für den früher von Los Angeles aus operierenden Galeristen Hug nur konsequent: „New York ist nach wie vor der wichtigste internationale Handelsplatz“, sagt er: „Die Art Cologne wird in diesem Jahr die europäische Kunstmesse mit den meisten jungen New Yorker Galerien sein.“ Doch auch die Präsenz eines einflussreichen New Yorker Galeristen wie David Zwirner, der zum ersten Mal in Köln dabei ist, gibt Hug Recht. Es sieht ganz so aus, als könne die erneuerte Allianz zwischen Köln und New York mithelfen, dass die altehrwürdige Art Cologne völlig entspannt die hinter vorgehaltener Hand geflüsterten neuen Messepläne aus Berlin abwarten kann.

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