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Art Cologne : Ein Warhol für 400.000 Mark

  • -Aktualisiert am

Als die Deutschen nach Amerika gingen, um sich die Pop-art zu holen: Rudolf Zwirner und Hein Stünke gründeten 1967 den „Kunstmarkt Köln“ - eine Erfolgsgeschichte und eine Ausstellung.

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          Tatsächlich hatte die neue Kunstmesse zu einer Belebung des nationalen Kunsthandels, zur Internationalisierung des Kunstpublikums und zur Erschließung neuer Käuferschichten geführt. Entsprechend wurden im Jahr 1970 auf dem Kölner Kunstmarkt Rekordumsätze gemeldet: „Rund 4 Millionen DM 'Kunstumsatz‘ in Köln“ titelten die Zeitungen. Marktbeherrschend zeigten sich die Werke der Pop-art von Warhol, Lichtenstein, Wesselmann; Arbeiten von Warhol erreichten Spitzenwerte von 400.000 Mark.

          Und nicht zuletzt durch die Etablierung des Kunstmarktes Köln und den Einsatz für die amerikanische Pop-art gelang Rudolf Zwirner ein Wendepunkt in der Kunstvermittlung und Kunstvermarktung: Die Bündelung des Kaufverhaltens an den Kunstmarkt Köln verhalf der Stadt zu ihrer Glanzzeit und Anbindung an die internationale Kunstszene.

          Strategisches Zusammenspiel der Sammler

          Zahlreiche junge Künstler und Galerien zogen nun nach Köln, wo sich die deutsche Kunstszene konzentrierte. Das gesellschaftliche Interesse an moderner Kunst wuchs, und Köln wurde für einige Jahre zum „wichtigsten Umschlag- und Informationsplatz für moderne Kunst in Europa“, so sagte es Hein Stünke. Entscheidende Geschäftsbeziehung in dieser „Erfolgsgeschichte“ war und ist das strategische Zusammenspiel von Sammlern wie Karl Ströher und Peter Ludwig mit den Galeristen ihrer Wahl.

          Es war im Jahr 1970, als der Kunsthändler und Galerist Rudolf Zwirner bei einem seiner vielen New-York-Besuche den Fotografen Guido Mangold traf, der dort an einer Fotoreportage für die Zeitschrift „Twen“ arbeitete. Zwirner bat Mangold, ihn zu begleiten und zu fotografieren, so auch am Thanksgiving Day. An diesem Tag war Zwirner mit dem Aachener Sammler Peter Ludwig zu einem Streifzug durch New Yorker Künstlerateliers verabredet. Peter Ludwig war bekannt als Mann der schnellen Entschlüsse: Im „disziplinierten Schweinsgalopp“, wie Guido Mangold sich erinnert, ging es von Atelier zu Atelier - und Peter Ludwig kaufte. Man besuchte vor allem Pop-art-Künstler, wie zum Beispiel John de Andrea und Duane Hanson, der bis dahin noch nie eine Arbeit verkauft hatte.

          Erste Pop-Art-Importe

          Die Unternehmung zwischen Peter Ludwig und Rudolf Zwirner war keine einmalige Angelegenheit; sie standen in dieser Zeit in engem Kontakt und Austausch miteinander. Seit der Präsentation der Sammlung von Wolfgang Hahn im Kölner Wallraf-Richartz-Museum im Jahr 1967 und im Zuge der Ausstellungen von Andy Warhol und Roy Lichtenstein in der Galerie Zwirner hatte Peter Ludwig sein Interesse für die amerikanische Pop-art entdeckt. Rudolf Zwirner agierte als sein Vermittler und Berater; denn Zwirner war der erste Galerist, der sich in Deutschland für die amerikanische Pop-art eingesetzt hatte und diese importierte.

          Aber nicht nur Peter Ludwig kaufte in New York, auch Zwirner fiel in der dortigen Kunstszene durch sein Kaufverhalten auf: Einige Tage nach Thanksgiving, am 27. November 1970, berichtete die „New York Times“ in einem Artikel mit dem Titel „American Pop really turns on German Art-Lovers“ über einen Bieter während der Auktion der Parke-Bernet Galleries, der mehr als jeder andere im überfüllten Saal beachtliche Aufmerksamkeit erregte: „Rudolf Zwirner, a 37 year old blond, blue-eyed German dealer from Cologne who soars to the staggering height of 7 feet“.

          Europäische Konkurrenz

          Der Verfasser berichtete mit Erstaunen von heftigen Bietgefechten und davon, daß Zwirner Roy Lichtensteins gemalten „Brushstroke“ ersteigerte für die damals „astronomische“ Summe von 75.000 Dollar, die bis dato noch nie für einen lebenden amerikanischen Künstler bezahlt worden war. Außerdem bot Zwirner 45.000 Dollar für Claes Oldenburgs Softskulptur „Stove“, ebenfalls ein Auktionsrekord für eine Plastik eines lebenden amerikanischen Künstlers.

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