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Art Cologne 2015 : Die neue Ordnung am Rhein

  • -Aktualisiert am

Auch auf dem Kölner Kunstmarkt ist der aktuelle Liebling Zero überall. Die 49. Ausgabe der Art Cologne setzt auf Beständigkeit im Wandel - dieses Jahr mit einem neuen Hallenkonzept.

          6 Min.

          Einmal mehr überarbeitet ist die Aufteilung in der Messehalle 11, auch wenn das zunächst nicht ins Auge springt. Die Ebene 1 ist der Klassischen Moderne und der Nachkriegskunst gewidmet, die Ebene 2 der Gegenwart. „So trennscharf wie möglich“, kommentiert das der Messe-Direktor Daniel Hug, und „so fließend wie nötig“. Richtig neu ist die Bespielung der Hallenebene 3, wo rund dreißig Galerien als „New Contemporaries“ auf ungefähr ebenso viele Teilnehmer der 2014 in Zusammenarbeit mit der internationalen „New Art Dealers Alliance“ (Nada) eingerichteten Sektion „Collaborations“ treffen. Keine der Galerien ist älter als zehn Jahre. Um es gleich zu sagen, dort oben tut sich was, es wird durchaus interessant, wo immerhin ein knappes Drittel der insgesamt 209 (aus 400 Bewerbungen ausgewählten) Galerien versammelt ist. Zum Vergleich: Im Parterre sind es etwa fünfzig Aussteller.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Der Durchgang kann also auf der Ebene 1 beginnen. Sie bietet, was von der zweifellos wichtigsten Kunstmesse internationalen Formats in Deutschland an „Klassik“ erwartet werden darf. Dabei gilt: „Zero“, so weit das Auge reicht. Diese Wiederkehr hat vor drei, vier Jahren (nicht nur in Köln) angefangen. Notwendig stellt sich die Frage nach der Henne und dem Ei: Verlangt der Markt - nach der Latenz von Zero, Zen und konkreter Kunst, ziemlich genau eine Generation lang - wieder nach MackPieneUecker & Co.? Oder wurden diese Werke dem Markt wieder gezielt schmackhaft gemacht, was ihrem lange wenig beachteten Reiz ja keinen Abbruch tun muss, sofern sie Qualität haben. Die Münchner Galerie Maulberger, zum Bespiel, hat Werke des 2003 gestorbenen Herbert Zangs wieder ausgegraben (Preise bis 39.000 Euro). Die Stuttgarter Galerie von Edith Wahlandt inszeniert eine dreiteilige Rauminstallation des im Jahr 2000 gestorbenen Ernst Hermanns (240.000 Euro; am ersten Messetag verkauft), flankiert von Günter Fruhtrunk und einem gelb-gleißenden Rupprecht Geiger (90.000 Euro). Die wohl witzigste Zero-Arbeit bietet Schwarzer aus Düsseldorf an: MackPieneUecker haben sich 1963 mit MetallreliefFeuergouacheNagelrelief auf einem Ausstellungsplakat vom Museum Haus Lange in Krefeld verewigt; der Spaß kostet 360.000 Euro.

          Auch der Expressionismus grüßt allenthalben, vor allem in Form von Zeichnungen, gern von Ernst Ludwig Kirchner. Für seine Gemälde stehen Henze & Ketterer aus Wichtrach in der Schweiz, die Spitzen bilden „Badende Frauen mit Kindern“ (3,4 Millionen Euro) und „Kopf Wehrlin“ von 1924/26, mit einer Widmung des Künstlers an Gustav Schiefler zum siebzigsten Geburtstag (hoch sechsstellig, Preis auf Anfrage). Bei Samuelis Baumgarte, Bielefeld, stellt man sich noch einen deutlich höheren Preis vor für Kirchners späte „Szene aus dem Sommernachtstraum“ von 1937, nämlich 7,59 Millionen Euro. Kleiner Wermutstropfen: Bei der Art Cologne 2011 nannten Henze & Ketterer noch 3,5 Millionen Euro dafür, und bei der Art Karlsruhe 2009 lag der Nennpreis für das Bild bei 2,7 Millionen Euro. Versuchen kann man es ja.

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