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Art Brussels : Wo die Werke lebendig werden

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Die Art Brussels feiert ihr fünfzigstes Jubiläum. Die Messe bietet sowohl für etablierte als auch für junge aufstrebende Künstler eine Plattform zur Präsentation ihrer vielseitigen Werke.

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          Schlendert man in diesen Tagen durch die Straßen der belgischen Hauptstadt, schleicht sich ein Gefühl ein, das sich in solcher Intensität an kaum einem anderen Ort spüren lässt: In Brüssel scheint die zeitgenössische Kunst lebendig zu werden. Wohin man auch geht: Blickt man in die Schaufenster, entdeckt man spannende Werke, die einen Moment innehalten lassen. Junge Galerien reihen sich elegant in das Gefüge der schon etablierten ein und warten mit Künstlern auf, die überraschend erfrischende Ideen haben. Das macht sich auch auf der Art Brussels selbst bemerkbar, die ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern kann.

          Was mit elf Ausstellern begann, ist mittlerweile zu einer der wichtigsten Messen für zeitgenössische Kunst in Europa herangewachsen. 145 Galerien aus der ganzen Welt stellen im historischen Tour&Taxis-Gebäude im Norden von Brüssel eine große Bandbreite an Arbeiten aus, unter denen Malerei und Skulptur den größten Raum einnehmen. Belgische Galerien machen dabei mehr als dreißig Prozent der Messestände aus.

          Unter den ausgestellten Werken findet sich auch allerlei Kurioses: wie die Arbeiten der belgischen Künstlerin Nadia Naveau, die sich für ihre fast lebensgroßen Skulpturen unterschiedlichste Vorbilder von antiken Sagenhelden bis zu Pinocchio nimmt, mit deren Hilfe sie gewitzte eigene Geschichten erzählt. Auf der Messe zieht am Stand der Base Alpha Gallery, Antwerpen, Naveaus Skulptur „Funny Five Minutes – Goofin’ Around“ aus Stein und Polyester alle Blicke auf sich: sie zeigt einen Goofy, dem aus rätselhaften Gründen Tischbeine aus Händen und Füßen wachsen (60000 Euro). „Nadia Naveau bewegt sich zwischen Kitsch und Kunst, und das zeichnet ihr Werk besonders aus“, erläutert der Galerist Bart Vanderbiesen unumwunden das Werk.

          In den Gemälden der französischen Künstlerin Hélène Delprat, die am Stand der Pariser Galerie Christophe Gaillard ausgestellt sind, bilden nicht selten Märchenfiguren einen Teil der Motivik. Sie verwendet sie mitunter, um sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – wie etwa auf dem Acrylbild „Le grand méchant loup2“ mit der Zeit des Nationalsozialismus (30000 Euro).

          Unter dem Namen „Discovery“ widmet die Art Brussels eine eigene Sektion sehr jungen Galerien. Dort präsentieren 33 noch weitgehend unbekannte Künstler und Künstlergruppen ihre Arbeiten. Das Werk, das herausragt, wurde mit dem „Discovery Prize“ ausgezeichnet, der an die südafrikanische Künstlerin Georgina Gratrix bei der Galerie SMAC aus Südafrika geht. Gratrix lässt auf ihren farbkräftigen, von der Pop–Art inspirierten Ölgemälden Tiere zu Wort kommen. In „The Engagement Party“ äußern sich die anwesenden Gäste in Sprechblasen wenig begeistert über die bevorstehende Vogelhochzeit (18000 Euro).

          Die Kunst um ihrer selbst Willen betrachten

          Sowohl unter den etablierten als auch unter den jüngeren Galerien finden sich auch Werke mit ernsterem Charakter. Insbesondere Fotografien zeigen ungeschönt die Lebenswelt von Menschen auf der ganzen Welt: So präsentiert die Berliner Galerie „Kuckei&Kuckei“ eine Bilderserie des südafrikanischen Künstlers Guy Tillim, der im Jahr 2002 die Situation von Kindersoldaten im Kongo dokumentiert hat (80000 Euro). Dagegen setzt sich der französische Künstler Pierre Jean Giloux mit einer möglichen Zukunft unserer Erde auseinander: Mit einer Video-Installation, in der er eigens geschaffene 3D-Elemente in Aufnahmen von Tokio eingefügt hat, erschafft er mit „Invisible Cities“ eine utopische Stadtansicht voller modernster Architektur und von düsterer Stimmung.

          Eindrucksvoll ist der Stand der Galerie Templon, Brüssel und Paris, gestaltet. Der belgische Künstler Jan Fabre hat eine Reihe von Werken – darunter „The Appearance and Disappearance of BacchusV“ – geschaffen, die zunächst wie ein einfarbiges dunkelviolettes Gemälde wirken. Sein Motiv, entstanden durch die Verwendung von Kugelschreiber auf einem Polyprint, wird erst bei längerer Betrachtung oder im Lichtschein sichtbar (110000 Euro). Nachdenklich stimmt auch „L’échange des cerveaux“ (Der Austausch der Gehirne) des Belgiers Jan van Imschoot, Das Gemälde ist vielfach überschrieben und erinnert mit diversen, scheinbar zusammenhanglosen Sätzen an ein Stimmengewirr im Kopf (45000 Euro).

          Was die Art Brussels wirklich auszeichnet, ist ihre Vielfalt. „Wir wollen die Kunst um ihrer selbst Willen betrachten“, sagt die Direktorin Anne Vierstraete, und damit gibt sie zugleich den Messebesuchern einen guten Rat. Denn viele der Werke erschließen sich dem Betrachter erst, wenn er sie eine Weile auf sich hat wirken lassen. Dann erst wird die Kunst lebendig.

          Tour&Taxis, Brüssel. Noch bis Sonntag, den 22.April. Geöffnet von 11 bis 19Uhr. Eintritt 20Euro. Katalog 20Euro.

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