https://www.faz.net/-gqz-9udye
 

Art Berlin eingestellt : Das Aus für die Berliner Art

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Kölnmesse gibt das Ende der Art Berlin bekannt. Warum musste die Kunstmesse scheitern?

          2 Min.

          Das Berliner Art Forum war bei seiner Gründung 1996 für eine Weile eine scharfe internationale Messe – damals, als sich Berlin als Kunstmetropole in Institutionen selbst erfand. Bald verlor das Forum seinen Nimbus, wurde 2011 eingestellt; gefolgt von einer experimentellen „ABC“, die dann ebenfalls die Segel streichen musste, bevor 2017 die Kölnmesse überraschend die Art Berlin aus der Taufe hob. Sonderlichen Weitblick bewies dieser Schnellschuss nicht, wie die Messegesellschaft jetzt selbst in einer dürren Mitteilung verlauten lässt: Mangelnde Planungssicherheit gibt Köln als Beweggrund an, die Berliner Art einzustellen, „vorerst“; der Vorbehalt darf als rhetorisch betrachtet werden. Zur Erinnerung: Das Engagement in Berlin galt als Trotzreaktion auf die Umtriebe der Messe Schweiz, die sich 2017, direkt vor der Kölner Haustür, bei der neu gegründeten Art Düsseldorf eingeklinkt hatte. Als die MCH Group, ihrerseits ökonomisch unter Druck geraten, ihre Anteile im folgenden Jahr wieder abstieß, hatte sich der Quell des Kölner Zorns in Luft aufgelöst.

          Multifaktorielle Ursachen

          Die Ursachen für das Berliner Scheitern mögen „multifaktoriell“ sein, wie Maike Cruse, bislang Leiterin der Art Berlin, hervorhebt. Denkbar einig sind sich alle Beteiligten in der Einschätzung, dass „die Stadt Berlin“ (genauer, das Land Berlin) es sträflich an Unterstützung habe fehlen lassen. Während alle Messen, die nicht in der globalen A-Liga mitspielen – wie Madrid, Turin, Wien oder Düsseldorf und Köln – auf den Beistand ihrer Kommunen zählen könnten, verweigere ihn die deutsche Hauptstadt: Jegliche Kontinuität für die Austragung der Art Berlin in den maroden Tempelhofer Hangars habe die zuständige, landeseigene Gesellschaft schnöde in der Schwebe belassen. Abermals umzuziehen käme aber für die Messe einer Art Rock’n’Roll gleich, dem selbst in Berlin kaum Erfolg beschieden wäre. Just in dem Moment, da Köln in der Hauptstadt auf den Plan getreten sei, hätten sich die Mietpreise vervielfacht, gibt Daniel Hug zu bedenken. Der Direktor der Art Cologne sieht das Aus in Berlin „neutral“; Verlust und Schaden für die Stadt möchte er darin nicht eigentlich ausmachen (sicherlich einen Vorteil für Köln). Unterm Strich verschlankt sich die Gemengelage im Sinne derer, die ohnehin viel zu viele Messen überall am Werk sehen; das Rheinland hat deren zwei, die Hauptstadt nun keine mehr. Eine höhere Vernunft spricht aus diesem Resultat nicht. So bleibt also der „Berlin Art Week“ nur die Satellitenmesse „Positions“. Aber vielleicht generiert Berlin ja eine neue Idee für den Herbst und damit ein Pendant zum Gallery Weekend im Frühjahr, das hierzulande den Hotspot für zeitgenössische Kunst darstellt. Dann könnte sich der jüngste Messeverlust fürs Publikum als Gewinn erweisen.

           

          Weitere Themen

          Schottische Schrottidylle

          Krimi von Simone Buchholz : Schottische Schrottidylle

          Ein Haus am Loch als Köder: Simone Buchholz gönnt ihrer Staatsanwältin Chastity Riley einen Ausflug in die Familiengeschichte. Wird das der Abschied für immer?

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidatin der Grünen: Annalena Baerbock am Montag in Berlin.

          Kanzlerkandidatin Baerbock : Die grüne Zauberin

          Noch ist die erste Kanzlerkandidatur der Grünen ein Anfang, dem ein Zauber innewohnt. Der könnte für Annalena Baerbock schnell zum bloßen Budenzauber werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.