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Art Basel Online : Durchgehend geöffnet

Die Art Basel in der Messehalle wird es erst im nächsten Jahr wieder geben. Bild: AFP

Die virtuelle Präsenz funktioniert gut und der Besuch lohnt sich: Die Online Viewing Rooms der Art Basel können jetzt betreten werden.

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          Seit gestern und noch bis zum 26. Juni sind die Online Viewing Rooms der wegen der Pandemie abgesagten Art Basel in Basel für das allgemeine Publikum geöffnet, also gewissermaßen in der geplanten Echtzeit der physischen Kunstmesse. VIPs hatten, ebenfalls wie üblich, zwei Tage früher Zugang. Die virtuelle Präsenz funktioniert wirklich gut, viel besser als bei der schon im März ebenfalls ausgefallenen Art Basel Hong Kong, deren Auftritt online noch mit heißer Nadel gestrickt werden musste. Bis zu fünfzehn Künstler können die zugelassenen 282 Galerien in den Viewing Rooms vorstellen, ohne Gebühren für sie, rund 4000 Kunstwerke sind zusammengekommen. Auf der Website artbasel.com lässt sich unter vier Rubriken – Galleries, Artists, Categories, Sort By – auswählen, womit man sich beschäftigen möchte, nicht nur als finanzkräftiger Kunde, sondern einfach als interessierter „Besucher“. Das ist und bleibt natürlich eine völlig andere Erfahrung als der ganze gewohnte Zirkus auf der Messe selbst.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Zu den neuen Vorteilen gehört, dass zu jedem Werk ein Preis oder zumindest eine Preisregion genannt ist. So lassen sich unter „Categories“ zum Beispiel auch Preise „bis 10 000 Dollar“ abfragen, oder man kann sich nach „Emerging Artists“ umschauen. Dafür fehlen im Spitzensegment die zweistelligen Millionendollarsummen, für die die Art Basel nicht zuletzt berühmt wurde. Die kapitalen Werke – etwa von Picasso, Warhol, Richter, Basquiat – fehlen. Eine Hochpreis-Tour durch die Viewing Rooms identifiziert Balthus’ „Le poisson rouge“ von 1948 mit 4,2 Millionen Dollar bei den Acquavella Galleries aus New York als das derzeit teuerste Angebot.

          Die Wege in die Galerien sind kürzer

          Dass aber bereits von den global agierenden Galerien noch teurere Verkäufe gemeldet worden sind, liegt wesentlich daran, dass diese auf ihren eigenen Websites – und bei ihrer Klientel – dafür Vorarbeit geleistet haben. So verkündete David Zwirner gleich am ersten VIP-Tag den Verkauf von Jeff Koons’ roter „Balloon Venus Lespugue“-Plastik für acht Millionen Dollar; im Viewing Room firmierte sie einigermaßen vage mit „mehr als 1 Million Dollar“. Dagegen hatten Hauser & Wirth ihr Mark-Bradford-Gemälde „The Press of Democracy“ aus diesem Jahr gleich mit fünf Millionen Dollar ausgezeichnet – und melden es für diese Summe nun als verkauft, unter zwanzig Werken insgesamt. Wer sich umtut, findet aber auch bei anderen Galerien inzwischen die „sold“-Vermerke.

          Marc Spiegler, der weltweite Direktor von Art Basel, hat in einem Artikel für die „Financial Times“ kurz vor dieser Online-Ausgabe klargestellt: „The future of the art world is not digital.“ Er setzt auf die konstante Arbeit der Galerien und damit auf die Orte, an denen die Künstler ihre Werke zuerst zeigen, und eben nicht auf die Wirkung von thumbnails in einer Amazon-Welt. Damit ist er auf der richtigen Seite, denn das rastlose Reisen einer globalen Vergnügungstruppe zu den einschlägigen Events ist auf absehbare Zeit an sein Ende gekommen. Die Wege in die Galerien sind kürzer und führen direkt zum Ziel, für Kunstliebhaber – und nicht zuletzt auch für die, die sich Kunst leisten wollen und können. Deshalb gibt es aber keinen Grund, die Art Basel als die wichtigste Schau für moderne und zeitgenössische Kunst prophylaktisch ins Grab zu beten. Wer diese Messe nicht erst seit gestern kennt, weiß um ihre hohe Anziehungskraft – durchaus schon, als sie noch viel handlicher war.

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