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Art Basel Miami : Ohne Experimente am Meer

  • -Aktualisiert am

Bei der Art Basel Miami Beach haben afroamerikanische und afrikanische Künstler starke Auftritte. Es gibt weiterhin Blue Chips, und Südamerika gibt wichtige Impulse.

          5 Min.

          Wer wünscht sich einen Picasso von Santa Claus? Beim Christmas-Shopping auf der Art Basel Miami Beach können solche Wünsche in Erfüllung gehen. Galerien wie Helly Nahmad aus New York rollen im palmengesäumten Miami Beach Convention Center den roten Teppich aus. Im Füllhorn steckt Millionen-Kunst von Matisse, Léger oder Dubuffet. Die führenden amerikanischen Galerien haben sich ihre Blue-Chip-Ware bis Anfang Dezember aufgehoben. Für Schlagzeilen sorgt indes eine einfache Südfrucht: Maurizo Cattelan, der seine Karriere nach seiner Guggenheim-Retrospektive 2011 eigentlich für beendet erklärte, meldet sich mit einer Banane zurück. Diese pappte sein Pariser Galerist Emmanuel Perrotin mit Klebeband an eine Wand und verkaufte sie prompt für 120.000 Dollar – freilich mit Zertifikat, dass ein „echter Cattelan“ erstanden wurde.

          Der Käufer kam wohl aus dem Ausland, denn der amerikanische Geschmack tendiert zu „big“, sei das in Bezug auf Häuser, Autos oder nur Burger. Auf der Schweizer Muttermesse wurde bereits 1999 die Zone „Unlimited“ für kojensprengende Arbeiten eingerichtet. Seit diesem Jahr punktet auch der Ableger in Florida mit überdimensionaler Kunst. Messeleiter Noah Horowitz war stolz, die rund 6000 Quadratmeter große Zone „Meridians“ aufzuziehen. Als Kuratorin wurde Magalí Arriola, die frischgebackene Direktorin des mexikanischen Museo Rufino Tamayo, eingeladen. Arriola wählte 34 Positionen aus, die erfreulicherweise weniger von Großgaleristen dominiert werden als bei der Basler Unlimited.

          Alles könnte so schön sein, gäbe es nur diesen Teppich im Grand Ballroom nicht! Dessen grau-grünes Muster sorgte für viel Kritik bei der Vernissage. Der Bodenbelag stört umso mehr, als das Großformate-Special sehr viel Malerei umfasst. Vor Gemälden wie John M.Armleders sechs Meter hoher Glitter-Abstraktion „Stetson“ (Galerie Almine Rech) oder Barthélemy Toguos zwanzig Meter langer Papiermalerei „Dynastie“ mit Kriegsszenen (Lelong; 150.000 Dollar) wurde eigens ein monochromer Bodenbelag verlegt. Die 1946 geborene Tina Girouard brachte hingegen selbst gemusterte Stoffe mit, stand sie doch während der siebziger Jahre der Strömung Pattern&Decoration nahe; diese Künstler, die seit kurzem wiederentdeckt werden, griffen abgewertete Ästhetiken wie nicht-westliche Ornamentik und Kunsthandwerk auf. Als Beitrag der Galerie Anat Ebgi wird täglich Girouards Performance „Pinwheel“ (Windrad) von 1977 wiederaufgeführt, die eine Art holistisches Ritual zur Besinnung auf die Elemente der Natur darstellt.

          Ökologische Fragen ziehen sich durch die diesjährige Art Basel Miami Beach, deren Austragungsort von Stürmen ebenso wie vom Ansteigen des Meeresspiegels gefährdet ist. Der lokale Künstler Woody De Othello, Jahrgang 1991, antwortet auf die Klimaproblematik mit der Installation „Cool Composition“ (Jessica Silverman Gallery); deren Eyecatcher bildet eine riesige, gelb lackierte Bronzeskulptur, die einer verbeulten Aircondition gleicht. Humor und Poesie zeichnet Laure Prouvosts fortlaufendes Projekt „Deep Travel Ink“ aus, bei dem die Französin ein skurriles Reisebüro eingerichtet hat. Parallel läuft dazu das schnell geschnittene Video eines Roadtrips, ähnlich jenem, mit dem Prouvost gerade auf der Biennale in Venedig punktete (Lisson Gallery). Eine Reise nach Brasilien hat der britische Videoartist Isaac Julien unternommen, um Bauten der Architektin Lina Bo Bardi (1941 bis 1992) zu filmen. Sein Video läuft über neun Bildschirme; er macht die Gebäude zu Akteuren und lässt eine junge und eine ältere Schauspielerin BoBardi verkörpern. Die neue Arbeit „Dance of Malaga“ von Theaster Gates führt ein weiteres zentrales Thema der Messe ein: Afroamerikanische Geschichte, Rassismus und Kolonialismus kulminieren in Gates’ Erkundung einer kleinen Insel vor Maine, auf der eine Gruppe von Schwarzen und Weißen friedlich lebte, aber 1912 zwangsevakuiert wurde.

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