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Art Basel Hong Kong : Lust auf Kunst in der vertikalen Stadt

  • -Aktualisiert am

Die sechste Ausgabe der Art Basel Hong Kong kann sich auf die Begeisterung und auf die Kaufkraft des Publikums verlassen. Die Mischung des Angebots aus östlichen und westlichen Werken stimmt perfekt.

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          Ein „duftender Hafen“ ist Hongkong wirklich nicht mehr. Ihren Namen bekam die Stadt, als hier noch der Gewürzhandel florierte, wo heute Chinas größter Hafen internationale Containerschifffahrt betreibt. Noch einträglicher als die dicken Pötte sind Immobilien auf dem beschränkten Platz der kleinen bergigen Insel. Dem Meer hat sie deshalb mit gewaltigen Aufschüttungen schon Land für ganze Straßenzüge abgerungen, immer weiter schießen Hochhäuser in den Himmel. Selbst das mittlerweile übliche Weglassen der Küchen in Neubauappartements kann den Hunger nach wertvollen Quadratmetern allenfalls dämpfen.

          Wie die wirtschaftliche Situation hier und in vielen Teilen Asiens auf die Kunstwelt abfärbt, machte Marc Spiegler, der Global Director der Art Basel, am Beispiel der Eröffnung von sechs wichtigen neuen Kunstmuseen auf dem Kontinent in den vergangenen zwölf Monaten fest. Laut Spiegler reflektieren stetig steigende, von China angeführte Verkaufsraten den Aufwärtstrend. Zugleich beobachtet Adeline Ooi, die als Direktorin der Art Basel Hong Kong auf dem gleich hohen Anteil westlicher und asiatischer Galerien besteht, bei der jüngeren Sammlergeneration wachsende Offenheit für internationale Kunst. 248 Aussteller aus 32 Ländern füllen diesmal die Hallen im Hong Kong Convention and Exhibition Center (HKCEC) am Victoria Harbour. Ihm gegenüber, auf dem Festlandzipfel Kowloon sieht man gerade ein Museum wachsen, das einmal das größte der Welt sein will. Spätestens 2021 soll das von Herzog & De Meuron entworfene „M+“ als museum of visual culture eröffnen und der vertikalen Urbanität mit einem betont horizontalen Baukörper die Breitseite geben.

          Raumgreifende Installationen führen in die Hallen

          In den Hallen markieren die „Encounters“ in Form raumgreifender Installationen die Kreuzungen der Messewege. Zur Begrüßung laden Ulla von Brandenburgs „Seven Curtains“ zum Durchwandeln verschwenderisch üppiger Vorhänge, und ein Theater des täglichen Lebens inszeniert Chou Yu-Cheng mit buchstäblich riesengroßen Reisschüsseln nebst passenden Essstäben, die auf die Performance täglicher Reinigung durch ein Menschlein warten. Auffallend ist die Menge abstrakter Kunst, die den asiatischen Geschmack immer noch am besten trifft – und keine zwei Stunden nach Beginn der Preview eine Spitzenmeldung lieferte: Lévy Gorvy verkauften de Koonings „Untitled VII“ von 1975 zum Nennpreis von 35 Millionen Dollar an eine Privatsammlung. Genaueres gab die Galerie nicht preis, nur, dass ihr Microsoft-Gründer Paul Allen das großartige Gemälde überantwortet hatte. Viele Aussteller melden hochpreisige Verkäufe, besonders an chinesische Kunden. Unter anderem ging eine blaue Lichtarbeit von James Turrell bei OMR aus Mexico City an einen Privatsammler aus Hongkong (590 000 Dollar), ein anderer erwarb bei Mazzolini aus Turin ein de Chirico-Gemälde von 1951 (600 000 Dollar).

          Pearl Lam, die glamouröse Galeristin in Hongkong, Shanghai und Singapur, spricht vom Sicherheitsbedürfnis neuer Sammler: Um keinen Fehler zu machen, kaufen sie große Namen. Was jeder kennt, was alle haben, muss nach dieser Logik gut sein. Deshalb hängen an Lams Stand Motherwell-Werke und Graubner-Kissen, allerdings von SuXiaobai dicht am Vorbild gestaltet. Im Westen bestens etablierte Künstler der östlichen Hemisphäre wie Anish Kapoor mit seinen schimmernden Hohlspiegeln und Lee Ufan mit seinen kurzen Pinselsetzungen auf leerer Leinwand liegen, gemessen an ihrer Messepräsenz, weit oben in der Publikumsgunst. Im Programm der Galerie Kukje aus Seoul – sie verkaufte Ufans „With the Wind“ für mehr als 1,5 Millionen Dollar – fehlen sie ebenso wenig wie Nam Jun Paik und die Südkoreanerin Haegue Yang, bei uns bekannt für ihre Jalousie-Arbeiten (eine von 2017 kostet 69 000 Euro). Nicht nur bei Kukje geben Ugo Rondinones klare Rondos der fernöstlichen Ästhetik einen stimmigen Partner aus Europa. In Asien beliebt ist auch Günter Förg, Gisela Capitain bietet eines seiner besonders gefragten Gitterbilder an. Beste Erfahrungen macht die zum fünften Mal angereiste Galerie auch wieder mit Seth Price; der amerikanische Star überzog neue Arbeiten mit einem Muster aus kleinen Grinsemännchen (von 35 000 Dollar an).

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