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Art Basel Hong Kong : Für die Kunst war dieser Marktplatz noch nie so günstig

  • -Aktualisiert am

Die dritte Ausgabe der Art Basel Hong Kong erhöht ihr Potential weiter, mit Neuzugängen und manchen Stars der Szene. Die Anstrengung lohnt sich - die ganze Stadt glänzt im Licht der Kunst.

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          Diesmal im Hong Kong Convention and Exhibition Centre (HKCEC): Gekommen sind 233 Galerien aus 37 Ländern, die Hälfte davon aus der gesamten asiatischen und asiatisch-pazifischen Region. Es gibt ein „Encounters“-Programm mit raumgreifenden Skulpturen, die an Größe und spektakulären Schauwerten schwer zu überbieten sind. Die Eröffnung der dritten Art Basel Hongkong ließ nichts zu wünschen übrig für das vornehme Publikum der Vernissage. Hinzu kommt, dass der Marktplatz Hongkong zweifellos zur dritten Ausgabe der Messe kaum begehrter sein könnte, das gilt auch für den jetzt aus dem übervollen internationalen Messekalender des Mais in den März vorgezogenen Termin. Doch nicht nur der Termin ist neu, sondern auch die Messeleitung: Die 1976 in Malaysia geborene Kunstberaterin und ehemaligen Betreuerin des VIP-Programms der Messe, Adeline Ooi, wurde zur Nachfolgerin des im vergangenen Jahr zum Auktionshaus Bonhams gewechselten Magnus Renfrew ernannt.

          Die Demonstranten mit den gelben Regenschirmen, dem Symbol der demokratischen Bewegung Hongkongs, die seit Monaten freie Wahlen fordern, wurden zum Jahresbeginn von der Regierung weggescheucht. So entfaltet das spektakuläre Stadtbild der chinesischen Sonderverwaltungszone scheinbar unbelastet eine unübersehbare, boomende Kunstvielfalt. Erstmals erheben sich auch die weißen Zelte der Nebenmesse „Art Central“ am Victoria Harbour, und neue Galerien eröffnen während der Messewoche. Mit Nachdruck wird Kunst in Distrikten wie Kowloon oder Chai Wan angesiedelt, die Szene in Hongkong etabliert sich immer stärker: Der renommierte Projektraum Para/Site zog in größere Räume, und die Kuratoren Lars Nittve und Tobias Berger luden bereits zu „Moving Images“ ein, einem Programm mit Künstlerfilmen und Videos, das einen ersten Vorgeschmack auf das asiatische Supermuseum M+ gibt, das 2017 eröffnet.

          Schwarze Substanzen zu entdecken

          Auch die Messe selbst zeigt sich gestärkt: Neben dem gewohnten Line-Up der Großen wie Gagosian, Pace, Perrotin oder Zwirner - wo ein Werk von Chris Ofili bereits „mehrfach reserviert“ ist (2 Millionen Dollar) - gibt es diesmal zwanzig Neuzugänge: unter ihnen Mehdi Chouakri aus Berlin, Thomas Dane aus London, Goodman aus Südafrika oder Gisela Capitain aus Köln. Sie zeigt bei ihren ersten Auftritt in Asien eine klassische Auswahl aus dem Galerieprogramm, etwa Christopher Williams mit seinen hochglanzpolierten Studien eines Citroën aus dem Jahr 1967 oder Seth Price. Und Martin Kippenberger darf natürlich nicht fehlen: Der mit 1,2 Millionen Euro bezifferte „7. Preis“ von 1987 zählt längst zu seinen ikonischen Arbeiten. Und es ist durchaus bezeichnend für die berühmt-berüchtigte Lust mancher junger chinesischer Künstler, dass bei Simon Lee ein paar Stände weiter ein Werk mit verblüffender Ähnlichkeit zu Kippenberger hängt. Es heißt „An (effervescent) Self Portrait“ und stammt von Rang Huan, der ebenfalls einen siebten Preis verleiht, allerdings für den dümmsten Namen, „Rick Titball“ (35.000 Dollar).

          Ein Stammgast ist Lorenz Helbling, der europäische Galerist mit der längsten Präsenz in Asien. Für ihn ist die Art Basel Hongkong der wichtigste Messetermin in der Region, eine Dependance außerhalb des chinesischen Festlands führt Helbling selbst aber lieber in Singapur als in Hongkong: „Es ist einfach zu teuer hier.“ Er konzentriert sich auf jüngere chinesische Künstler, was einige Entdeckungen ermöglicht, wie die aus filigranem Glas und oxidiertem Stahl gefügte Skulptur „Black Substance“ des 1980 geborenen, in Shanghai lebenden Zhang Ding. Er wird im kommenden Herbst erstmals in Europa, im Londoner ICA, mit einer Ausstellung präsentiert. Eine psychedelisch bunte Variante chinesischer Tuschemalerei aus der Gegenwart - allerdings in Acryl auf Fotopapier ausgeführt - kommt vom in Peking lebenden Künstler Sun Xun (Preise von 3000 bis 800.000 Dollar).

          In der glamourösen Überfülle droht zurückhaltenderen Positionen, beinah übersehen zu werden. Die Galerie Chemould Prescott Road aus Bombay ist in diesem Jahr zur Messe zurückgekehrt und zeigt einen verspielten Kabinettschrank von Indiens Kunststar Atul Dodia, der mit einer Fülle kunsthistorischer Verweise aus Indien und dem Westen gespickt ist. Darunter findet sich - hier ist die Hommage tatsächlich eine - ein Bild im Stil des im vergangenen Jahr gestorbenen On Kawara mit seinem Todesdatum, dem 20. Juli 2014 (80.000 Dollar).

          Deutlich ruhiger geht es in der Halle 3 zu: Dort begrüßt der indonesische Künstler Eko Nugroho in der „Encounters“-Sektion die Besucher mit seinen bunt bestickten Teppichen und futuristischen Raumfahrern. Eine echte Entdeckung hat die Galerie Hopkins Mossman aus Auckland mitgebracht: Es sind Arbeiten des 1988 geborenen Neuseeländers Oscar Enberg, der die exotische Phantasieästhetik eines Casinos in Macau in handwerklich perfekt ausgeführte, geradezu surreale Assemblagen übersetzt: An einer Art Holzgeweih mit Tigerpranken an den Enden hängt ein Beutel mit Goldfischen, auf einem eleganten Spieltisch thront ein Camembert unter Glas (Preise von 3000 bis 8000 Dollar). Vielleicht ist dieses Heterogene, das unter der Klammer einer solchen Schau zu etwas Neuem zusammenfindet, das beste Symbol für die Zukunft der Art Basel Hongkong.

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