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Neuer Direktor der Art Basel : Schweizer Strategiewechsel

Vicenzo de Bellis. Bild: Bobby Rogers

Die Art Basel beruft Vincenzo de Bellis auf den neu geschaffenen Posten eines Direktors für Messen und Ausstellungsplattformen weltweit. Die Personalie zeigt, wie das Unternehmen auf Expansionskurs sich strategisch neu ausrichtet.

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          Es wird umsortiert an der Spitze der Art Basel: Vincenzo de Bellis kommt als „Direktor für Messen und Ausstellungsplattformen weltweit“ zur größten aller Kunstmessen – auf einer neu geschaffenen Position. Von August an soll de Bellis die Leitungsteams der vier Messen der MCH Group in Basel, Paris, Hongkong sowie Miami Beach übersehen und dabei direkt an Marc Spiegler berichten. Spiegler bleibt globaler Direktor der Art Basel. Seine Rolle werde, heißt es in einem Statement, künftig stärker strategisch ausgerichtet sein, während de Bellis sich neben dem Messegeschäft der Entwicklung neuer Veranstaltungen und Kooperationen widmen werde.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Mit Vincenzo de Bellis engagiert die Art Basel einen Programmmacher, der den Kunstmarkt ebenso gut kennt wie das Museumsgeschäft: Zuletzt arbeitete er als Kurator und Programmdirektor am Walker Art Institute im amerikanischen Minneapolis. Davor machte der 1977 im apulischen Putignano geborene Italiener Karriere in seinem Heimatland. Auf kuratorische Stationen an Museen in Bozen und Bergamo und der Mitgründung des Peep-Hole Art Center in Mailand folgte der Schritt an die dortige Internationale Messe für moderne und zeitgenössische Kunst Miart. De Bellis leitete sie von 2009 bis 2016 als künstlerischer Direktor und konnte den Kreis teilnehmender Galerien stark vergrößern. Eine spezielle Handschrift will de Bellis nicht haben: In einem Interview sagte er einmal, er folge keinem speziellen Geschmack und habe keine besonderen Vorlieben, sondern sei ein vielseitiger Kurator.

          Seine Berufung folgt beinahe unmittelbar auf den Amtsantritt von Florian Faber als CEO der MCH Group im Juni. Die Messebetreiberin braucht zurzeit vor allem eines: Geld – und soll es auch bekommen. Erst kürzlich hat der Kanton Basel-Stadt, einer der beiden Ankeraktionäre der Gruppe, einer massiven Kapitalerhöhung zugestimmt. Zwischen 27 und 34 Millionen Franken sollen sowohl der Kanton als auch James Murdochs Lupa Systems, der zweite Ankeraktionär, investieren. Die Liquiditätssicherung dürfte der von der Pandemie ramponierten Art Basel beim Aufbau ihres vierten Standbeins hochwillkommen sein: In Paris tritt sie im Grand Palais Éphèmere im Herbst erstmals mit der Kunstmesse Paris + par Art Basel an. Die Expansion in die boomende französische Kunstmetropole, welche kräftig vom Brexit profitiert, geht einher mit der Abkehr von älteren Formaten, die nicht mehr auf Wiederbelebung hoffen dürfen. Die Uhren- und Schmuckmesse Basel World bleibt vorerst ebenso Geschichte wie das Projekt Art Basel Cities. Da kooperiert die Messe lieber mit Partnern wie der Art Week Tokyo oder S.E.A. Focus Singapore.

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