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Art Basel 2013 : In der Ruhe liegt die Kraft - auch für die Kunst

Die Art Basel ist kein Vergnügungspark, sondern harte Arbeit, und das Ergebnis ist die beste Messe der Welt.

          Nach der Premiere der Art Basel Hong Kong war die gesamte Kunstwelt in gespannter Erwartung, wie die Basler Muttermesse selbst sich machen würde. Zumal weil in diesem Jahr die Herde zwar von Asiens steuerparadiesischem Eiland gleich nach Venedig zur Eröffnung der Biennale weiterziehen konnte, nicht aber im direkten Anschluss von dort zum nächsten Auftrieb in die nahe Schweiz. Wie sich schon bei den diversen Vorschauen in Basel dann schnell zeigte: eine wohltuende Unterbrechung, wenngleich vermutlich keine vorsätzliche Planung. Alles lief deutlich gelassener als noch vor zwei Jahren, nachgerade angenehm, fast ließe sich sagen - entspannt. Das Basler Publikum lief längst nicht mehr auf derartigen Hochtouren, entsprechend nicht mehr auf ganz so vielen hohen Absätzen, die alle Konzentration verbrauchen (wie auch zuletzt in Hongkongs Convention Center). Die ausgestellte Kunst kam so wieder in den Blick einer interessierten Klientel, deren Kaufkraft indessen eher noch gestiegen ist. Liest man die Listen der von der ersten Stunde der Preview an gemeldeten Verkäufe, kann man staunen. Zu den Spitzen zählen neben anderen die Londoner Nahmad-Galerie mit zwölf Millionen Dollar für Calders „Sumac“-Mobile und Cheim & Read aus New York mit sechs Millionen Dollar, die ein Schweizer Sammler für ein unbetiteltes Gemälde von Joan Mitchell bezahlte. Das geht dann so weiter.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Kurz: Diese 44. Ausgabe der Art Basel ist zu neuer glanzvoller Hochform aufgelaufen. Ihr Gesamteindruck ist der eines äußerst gepflegten Parcours, für den freilich einige Verpflanzungen und Flurbereinigungen vorgenommen wurden, die nicht jedem der Teilnehmer gefallen können. Doch allein, auf dieser Leistungsschau überhaupt vertreten zu sein, bedeutet, zu den 304 Galerien weltweit zu gehören, die aus rund tausend Anmeldungen herausgefiltert wurden.

          Vor allem glänzt das Erdgeschoss der Halle 2. Beinah keine der Galerien dort möchte man missen; die ganze Strecke dort bloß ein Mal, halbwegs konzentriert, abzuschreiten, kostet viele Stunden. Das nimmt dem ersten Stock keineswegs seinen Reiz, aber sein Angebot rückt ein wenig in den Schatten dieses sehr coolen Schaulaufens der Moderne. Eine Messe für die viel berufenen Entdeckerfreuden ist die Art Basel schon längst nichtmehr (dafür geht man zur „Liste“; unser Artikel auf der vorigen Seite). Das muss man auch nicht bedauern; denn nichts ist so unbefriedigend wie eine hybride Veranstaltung, die sich nicht für ein klares Profil entscheiden kann. Was nun besonders auffällt, ist - erstens - die konzentrierte Ästhetik der einzelnen Stände (Kojen wäre da ja untertrieben). Der Basel allzeit dominierende white cube, die weißen Stellwände unter hartem Licht, sind jetzt oft farbigen Wänden gewichen, wie man sie aus dem Altmeister-Dorado Maastricht, nicht zuletzt übrigens auch aus den führenden Museen, schon länger kennt. Nur als Beispiele: Die New Yorker Dominique Lévy Gallery ordnet „Six Benjamin Moore Paintings“ von Frank Stella, kleinformatige bonbonfarbige Fingerübungen aus dem Jahr 1961, hintereinander vor zartem Grau an (verkauft). Charmante Kabinett-Stückchen kommen zu ihrem Recht: So stellt Anthony Meier aus San Francisco auf einem Biedermeiertisch unter einem Glassturz einen grade mal 12,7 Zentimeter hohen, erdfarben angestrichenen Winzling von John Chamberlain aus dem Jahr 1961 aus (425.000 Dollar), als wär’s eine Keimzelle des Großblechzerknüllers, darüber schwebt ein ebenfalls unbetiteltes handliches Aluminiumkästen-Ensemble Donald Judds von 1985 (425.000 Dollar).

          Überhaupt der Minimalismus und seinesgleichen. Unübersehbar ist - zweitens - die Wiederkunft der schon beinah im allgemeinen Gedächtnis verloren geglaubten Kunst der späten fünfziger, der sechziger Jahre. Offenbar muss jede neue Generation alles neu entdecken dürfen, das macht auch vor der Art Basel nicht halt. Aber das ist gut, sonst wäre es doch öde, in diesem rasenden Stillstand des Markts. Die Galerie von Bartha aus Basel türmt an ihrem Stand einen Imi Knoebel von 1968/2008 aus unbemalten Holzfaserplatten, das ausladende Ungetüm „raum 19 IV, ½“ (350 000 Euro), an den Wänden hängen aber auch Werke von Hans Arp und zierliche Arbeiten der Sophie Täuber-Arp (etwa 200 000 Euro). Paula Cooper aus New York hat Claes Oldenburg ein Kabinett eingerichtet mit frühen genialischen Zeichnungen (75 000 bis 200 000 Dollar) und dem witzigen Modell für eine Tuben-Skulptur (um 350 000 Dollar). Bei Tega aus Mailand sind kleine Aquarell-Stillleben von Giorgio Morandi mit kleinen Plastiken von Fausto Melotti kombiniert. Und, schön anzusehen, Piero Manzoni, Agnes Martin & Co. - allenthalben.

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