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Art Basel 2013 : In der Ruhe liegt die Kraft - auch für die Kunst

Die „Schwarzen Bilder“ von Baselitz

Von klein- bis großformatig ist Alexander Calder in unübersehbarer Dichte vertreten, und auch Joan Miró erfreut sich bester Marktgesundheit, zum Beispiel mit einer „Composition“ von 1954, sofort vermittelt bei Gmurzynska (genannter Preis 1,6 Millionen Dollar). Und ohne die amtierenden Großkünstler geht es selbstredend nicht in Basel. Gerhard Richters Spuren kann man gut folgen, beginnend etwa bei Gagosian und einem frühen Frauenporträt vor blauem Grund (seinen Preis weiß offenbar mal wieder keiner an diesem Stand), über ein „Abstraktes Bild“ von 1992 bei Dominique Lévy (wohl um 20 Millionen Dollar), bis hin zu einer seiner neuen Arbeiten, dem sechs Meter langen „924-1 Strip, 2012“ bei Marian Goodman (2,5 Millionen Euro). Die Galerie Michael Werner fährt mit „Ein Jäger“ von 1968 eines der frühen Gemälde von Georg Baselitz auf (3,5 Millionen Dollar), zwei der ganz frischen großen „Schwarzen Bilder“, die aber in allen Nuancen gefangenen dunklen Lichts spielen, hat Thaddaeus Ropac, mindestens eines davon schon gleich in den ersten Stunden vergeben (450.000 Euro), wie auch eine der neuen schwarzen Bronzen (900.000 bis 3 Millionen Euro).

Noch etwas bleibt nicht verborgen, wenn man diese Messe schon länger kennt: Die Werke mit den wirklich atemraubenden Höchstpreisen fehlen beinah ganz. Doch, da hängt schon ein recht repräsentativer Francis Bacon bei Marlborough (lustig, auf Anfrage: not for sale), aber keines dieser Triptychen mehr; klar, es gibt eine fröhliche Großschnitzerei von Jeff Koons (bei Gagosian, gut bewacht wie der Bacon des Kollegen und genauso preislos), und es sind hochrangige Werke der Klassischen Moderne vertreten, nicht bloß Picassos (mit 23 im Katalog genannten Galerien). Aber ein Jan Krugier ist nicht mehr unter uns, der einen kapitalen (Marina-)Picasso nach dem anderen aus dem Ärmel holen konnte. Und Bruno Bischofberger ist diesmal nicht gekommen, wie es heißt, mit andren Aktivitäten beschäftigt; seine Riesen-Warhols sind dafür derzeit in der Fondation Beyeler in Riehen zu besichtigen. Prinzipiell ist gewiss etwas dran, dass solche Spitzenstücke zu den internationalen Auktionsfirmen gehen, und dort gern auch in die vom Handel äußerst ungeliebten private sales. Doch so richtig rosig ist, schaut man genauer hin, das aktuelle Angebot in diesen Häusern auch nicht.

Das kann aber keine Kritik an die Adresse dieser Art Basel sein, die bestens aufgestellt ist. Nur eine Sache irritiert ein wenig: Es ist nicht so sensibel, als Kontrapunkt zu dem nun fertiggestellten, in jeder Hinsicht glänzenden neuen Bau auf dem Messegelände von Herzog & de Meuron den beseelten Holzbauer Tadashi Kawamata ein „Favela Café“ vor die Halle 2 zimmern zu lassen. Gut gemeint, man ahnt die Absicht, ist nicht immer gut gedacht. Zu preisen dagegen ist unbedingt der Zustand der „Art Unlimited“. So viele gute Großkunst wie diesmal sieht man selten versammelt. Das gilt für die etablierten Namen wie Norbert Kricke (bei Aurel Scheibler) oder Lygia Clark (bei Allison Jacques, London) über den schrägen Video-Loop „Speed Limit“ von François Curlet (bei Air de Paris) bis hin zu Peter Buggenhouts riesiger staubiger Memento-Mori-Installation (bei Konrad Fischer).

Bleibt als Fazit: Die Art Basel beharrt auf ihrem globalen Führungsanspruch. Nichts wird künftig dort weniger gehen als anything goes. Diese Messe ist kein Vergnügungspark, sondern ein klar definierter Handelsplatz für die zahlungskräftige, aber auch die lernbereite Kundschaft. Partymachen ist schön; Kunst an die besten Adressen zu verkaufen, ist noch schöner. Warum sonst der ganze Aufwand? Das Geschäft ist hart genug, und es wird nicht leichter. Die Botschaft ist angekommen.

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