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Art & Antique Salzburg : Hasen und andere Schätzchen

  • -Aktualisiert am

Stets zur Osterzeit: Die hübsche Messe Art & Antique in der Salzburger Residenz

          Grimmig fletscht der marmorne Löwe die Zähne. Er prüfte mit schwarzen Augen jeden, der durch das Portal schritt, das er bewachte. Das altsyrische Hochrelief aus der Zeit um 1600 vor Christus kaufte ein französischer Diplomat um 1921 in Aleppo. Aus dem Besitz seiner Familie übernahm das stattliche Tier mit blankgestreicheltem Rücken der Wiener Antikenhändler Christoph Bacher. Für 72.000 Euro bietet er es samt den seine Provenienz belegenden Papieren auf der Salzburger Messe Art & Antique an. Zeitgleich mit den Osterfestspielen halten rund vierzig Händler in den Prunkräumen der Residenz eine erprobte Mixtur feil, die sich an Einheimische wie an internationales Festspielpublikum richtet.

          Ein Solist wie Bacher mit seinen Antiken ist dort auch Christian Eduard Franke mit Mobiliar großer Ebenisten. Gegenüber dem Eingang im Carabinierisaal fängt sein Stand die Blicke mit dem warmen Glanz feinster Marqueterien, dem Blitzen silberner Schätze und dem Goldglanz eines opulenten venezianischen Armlehnsessels: Um 1730 gebaut, trägt er noch die originale, charmant zerschlissene Seidenbespannung (67.000 Euro). Dem naturgemäß stark vertretenen Thema der österreichischen Moderne begegnet man nebenan bei Wienerroither& Kohlbacher in Gestalt eines mehr als drei Meter breiten Triptychons, das Max Weiler vielfarbig mit gestisch abstrakter Wucht bearbeitete. Zu Zeiten von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hing das 1987 signierte Eitempera-Bild in dessen Wiener Amt (480.000 Euro).

          Einmal nicht Berghöfe im Schnee

          Einen Stand weiter zeigt Freller österreichische Maler der vorhergehenden Generation, wie den Tiroler Matador Alfons Walde mit einer marktfrischen Rarität: einmal nicht Berghöfe im Schnee, sondern eine „Fasnacht“ in Kitzbühel mit dem Gewühl von Narren auf ungewohnt großem Format (mehr als eine Million Euro). Gestalter der Wiener Moderne setzt der Kunsthandel Kohlhammer gelungen in Szene: Da wäre etwa Dagobert Peches aparte Tischlampe von 1922 zu nennen, mit getriebenem Messingfuß und eiförmigem Seidenschirm (32.000 Euro), oder Ludwig Jungnickel mit drei Paneelteilen, die er mit dem gleichen märchenhaften Tierfries bedruckte, den er auch im Kinderzimmer des Palais Stoclet einsetzte (49.000 Euro).

          In den Silbervitrinen des erstmals aus Tübingen angereisten Kunsthauses Kende überraschen Stücke des 18.Jahrhunderts aus England, die so manche Form des frühen 20.Jahrhunderts alt aussehen lassen. Ein seltenes fünfteiliges Teeservice, das Paula Straus 1927 für Bruckmann entwarf, bietet Kende für 10.500 Euro an: Peter Bruckmann junior, Vorsitzender des Deutschen Werkbunds, hatte die innovative Gold- und Silberschmiedin ins Design-Atelier seiner Heilbronner Silberwarenfabrik berufen. Den Nachlass der in Auschwitz ermordeten, erst vor wenigen Jahren wiederentdeckten Künstlerin bewahrt heute das Jüdische Museum in Berlin.

           Goldene Brosche
in Form eines Häschens, London 1970er Jahre, 18ct, geziert mit zwei Saphiren, einem Rubin und Diamanten, signiert: KUTCHINSKY, bei Pintar.

          Bei der Salzburger Schau treten stets auch Volkskunstspezialisten mit ihrer bunten Offerte aus Bauernmöbeln und rustikalem Kunsthandwerk auf. Moskat zeigt eine Gruppe interessanter, bis zu vierhundert Jahre alter bemalter Wanduhren; Melodien auf Glasglocken kann die eine spielen, eine andere ist astronomisch fit von der Sekunde bis zum Jahreskalender. Bei Robert Keil aus Wien, zum ersten Mal dabei, kommen Freunde von Altmeisterzeichnungen auf ihre Kosten. Malerei, etwa des österreichischen Rokoko, hat er ebenso dabei wie das Bildnis zweier niedlicher Biedermeiermädchen mit Blumenkorb von Leopold Fertbauer (22.000 Euro). Reich gesorgt ist für historischen und zeitgenössischen Schmuck. Die Firma Pintar konzentriert sich auf Pretiosen des 20.Jahrhunderts aus berühmten Manufakturen: zum Beispiel Tiffany, wo Angela Cummings’ elegant schlichte Entwürfe aus den Achtzigern Onyx mit Goldpunkten zu Clips vereinten (7800 Euro) oder Perlmutt mit Gold zum Armreif (32.000 Euro).

          Neben einer imposanten, um 1730 wohl in München mit Faun-Maskerons beschnitzten Konsole (55.000 Euro) oder einem großen Frankfurter Renaissancemörser hängt bei Christian Steeb, dem Generalisten aus Graz, ein echtes Salzburger Schmankerl: Es stammt von Franz Laktanz Graf von Firmian, Oberhofmeister seines Onkels Fürstbischof Leopold. Nicht nur erbaute Firmian Schloss Leopoldskron, wo er seine immense Kunstsammlung installierte, sondern er dilettierte auch als Maler und Radierer. Die hübsche Gruppe von zehn kleinen Kopfstudien, radiert in der Art von Piazzetta, stammt aus der Sammlung Liechtenstein (15.000 Euro).

          Passend zur Osterzeit hängt in Werner Zöchlings Gemälde-Potpourri, das den Franziskanergang füllt, ein „Rahrer Hase“: Nachdem der Hofjäger das Tierchen vor die Flinte bekommen hatte, verewigte es der „Hof-Decorateur und Portraitmaler“ Conrad Justus Hunneman 1767 wie lebend, auf dass es einen Sitz des Königshauses Hannover verschönere (28.000 Euro).

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