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Arco : Kraftvoll, bunt und manchmal wild: In Madrid lädt eine lebendige Messe zu ihrem 25. Jubiläum ein

  • -Aktualisiert am

Als die Galeristin Juana de Aizpuru die Arco 1982 ins Leben rief, bestand in Spanien großer Nachholbedarf, was zeitgenössische Kunst betraf. Aizpuru und seit 1987 Rosina Gómez-Baeza machten aus der Messe ein Ereignis, das inzwischen in fünf Tagen bis zu 200 000 Besucher anzieht.

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          Auf der internationalen Messe zeitgenössischer Kunst in Madrid zeigen 278 Galerien rund 3000 Künstler und bespielen, inklusive digitale Medienbereiche und Sonderausstellungen, 24 000 Quadratmeter der Hallen 7 und 9 des Messegeländes.

          Es ist die Abschiedsvorstellung der langjährigen Leiterin Rosina Gómez-Baeza. Als die Galeristin Juana de Aizpuru die Arco 1982 ins Leben rief, bestand in Spanien großer Nachholbedarf, was zeitgenössische Kunst betraf. Aizpuru und seit 1987 Gómez-Baeza machten aus der Messe mit aufwendigem Rahmenprogramm ein Ereignis, das inzwischen in fünf Tagen bis zu 200 000 Besucher anzieht. Das sind zu viele Schaulustige, wie selbst Gómez-Baeza zugibt, und auch zu viele Aussteller. Ob die neue Direktorin Lourdes Fernández nächstes Jahr die Zahl der Teilnehmer einschränkt, ist noch ungewiß.

          Lob und Tadel

          Gelobt von den einen als Brücke zu Lateinamerika, als nicht spanisch genug kritisiert von anderen, reizt die Arco zur Diskussion und bleibt lebendig. Auch das Konzept, vor Eröffnung Sammler und Museumsleute einzuladen, geht weiterhin auf. Viele Arbeiten waren binnen weniger Stunden verkauft oder reserviert.

          Die Münchner Galerie Thomas hat ihre Wände grau streichen lassen und darauf einen aufmunternd bunten Frauenkopf von Manolo Valdés gehängt; „Pupil“ von 2002 kostet 225 000 Euro. Hier findet sich auch Botero; für seine „Frau im Bad“ werden 425 000 Euro verlangt. Eine Rarität ist ein kleines abstraktes Bild von Gabriele Münter, das ursprünglich zu einer Reihe von neun Arbeiten gehörte, die Herwarth Walden 1915 nach Stockholm geschickt hatte (195 000 Euro).

          Zwei frische Arbeiten von Manolo Valdés konnte Marlborough bereits an zwei spanische Sammler abgeben: Nicht so farbenprächtig, aber noch größer als „Pupil“, lag der Preis für „Frau mit Fächer II“ bei 195 000 Euro, der von „Two Brown Cones“ blieb ungenannt. Eine Picasso-Einzelschau findet man bei Krugier: „Peintre, buste de profil“ von 1967 ist dort für 2,5 Millionen Euro verkäuflich.

          Mohnblumen aus Afghanistan

          Viel Fotografie - groß und leuchtend - wird neben Malerei und Skulpturen angeboten. Österreich ist Ehrengast und mit 22 Galerien präsent. Die Innsbrucker Elisabeth & Klaus Thoman haben sich auf Arnulf Rainer spezialisiert, von dem sie neben Arbeiten der siebziger Jahre kleine zarte Mischtechniken zeigen; Landschaften, die in den letzten Jahren auf Teneriffa entstanden, sind für 12 000 Euro zu haben.

          Eine der wenigen One-Artist-Shows der Messe richtet die Wiener Galerie Mario Mauroner aus: Sie hat ihre Koje außen und innen mit den digital bearbeiteten C-Prints von Lois Renner geschmückt. Mit gemalten und dann nochmals fotografierten Versatzstücken komponiert, gehen die Unikate auch bei enormer Distanz ganz scharf in die Tiefe, wie auf einer Arbeit mit dem Atelier von Peter Weibel im ZKM in Karlsruhe (29 000 und 6000 Euro).

          Als Blickfang großformatige Fotografie bietet auch Hans Mayer aus Düsseldorf. Hier hängen riesige Cibachrome-Mohnblumen des Amerikaners Bill Beckley, als Triptychon (Auflage 3; 42 000 Euro) oder als kleinere, noch zwei mal zwei Meter messende Einzelwerke wie „Heroin aus Afghanistan“ (17 000 Euro).

          Beinahe ausverkauft

          Ganz besonders freut sich die Madrider Galeristin Helga de Alvear: Sie hat schon fast ihren ganzen Stand ausverkauft, darunter ein flächendeckendes Ensemble von zehn Fotos, die Montserrat Soto aus ihren Archiv-Serien - mit Schmetterlingen, Käfern und alten Büchern - zusammenstellte und die eine Stiftung erworben hat (Auflage 3; 24 000 Euro).

          Erfrischend sind die Glasbilder der Künstlerin Carmen Calvo aus Valencia. Vielfarbige, überwiegend blaue Glasscherben, wie man sie am Strand findet, ragen aus einem Untergrund aus Gips hervor und ergeben im Format von zwei mal 1,4 Meter ein schillerndes Mosaik - direkte Reminiszenz an das Meer: Die Galerie Guy Bärtschi aus Genf bietet die Arbeiten an für 28 800 Euro, kleinere schon für 5500.

          Gegenständlich und mörderisch

          Gemalt wird bei Alexander und Bonin aus New York, die Stefan Kürtens „Home of the Blues“ mitgebracht haben, ein trautes Heim mit Boccia-Bahn, das für 29 000 Euro reserviert ist. Bei Michael Cosar aus Düsseldorf ist eine idyllische Terrasse von Kürten, ganz frisch aus diesem Jahr, für 23 000 Euro ebenfalls bereits reserviert. Fast Cosars gesamte Koje ist den gegenständlichen Acrylbildern von Melissa Gordon gewidmet, einer bereits preisgekrönten Akademieabsolventin, die sich in ihren Gemälden mit einer amerikanischen Serienmörderin auseinandersetzt (1500 bis 6000 Euro).

          Die Berliner Galerie Barbara Thumm, zum ersten Mal auf der Arco, hat Bilder der Wienerin Elke Krystufek nach Madrid gebracht, die sich in ihren großformatigen Arbeiten aus dem vergangenen Jahr nicht mehr selbst malt, sondern kunsthistorische Vorlagen verarbeitet (30 000 Euro). Die auch auf dieser Messe mehrfach gezeigte Julian Opie läßt bei Thumm zum Beispiel Bruce laufen, endlos als computergesteuerte Animation; auch „Bruce walking“ ist reserviert, für 25 000 Pfund.

          Onkelstühle und Gummimatten

          Wohl auch, um es den picknickfreudigen Besucherscharen etwas ungemütlich zu machen, gibt es keine Sitzgelegenheiten. Wer sich nicht dauernd zu den Galeristen setzen will, auf Franz Wests „Onkelstühle“ (bei Bärbel Grässlin und bei Elisabeth & Klaus Thoman), der kann sich nur legen, auf ausgebreitete Gummimatten wie beim Bodenturnen. Diese Ruhezone haben die Wiener Lukas Galehr und Rupert Zallmann entworfen und sie „Alive“ genannt - hoffentlich, angesichts von so viel Kreativität.

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