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Antiquariatsmessen : Ohne Zeitverlust berühmt: Die Antiquariatsmesse Liber Berlin

In diesem Jahr findet die Antiquariatsmesse Liber Berlin erstmals im Schlüterhof des Zeughauses Unter den Linden statt. Vom 28. bis zum 30. Oktober präsentieren dort fünfundsiebzig Antiquare aus Europa und Übersee Bücher, Graphik, Handschriften und Fotografien.

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          Nach fünf mäßig erfolgreichen Auftritten im Ludwig-Erhard-Haus, Nicholas Grimshaws „Gürteltier“, wird die Antiquariatsmesse Liber Berlin vom 28. bis zum 30. Oktober erstmals im Schlüterhof des Zeughauses Unter den Linden stattfinden. Zwischenzeitlich von Teilnehmerschwund und Besuchermangel bedroht, dürfte die in diesem Herbst von fünfundsiebzig Antiquaren aus Europa und Übersee mit Büchern, dekorativer Graphik, Handschriften und Fotografien ausgestattete Messe im glasüberdachten Innenhof des Barockbaus reüssieren, zumal der neue Standort vielleicht schon im nächsten Jahr die Nachbarschaft der neu zu eröffnenden Schausammlung des Deutschen Historischen Museums genießen wird.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Einen Augenschmaus für Bibliophile bietet jenes Exemplar von Thomas Manns Roman „Königliche Hoheit“, das sich der Verleger S. Fischer zum Privatgebrauch opulent in Kalbsleder binden ließ. Mit einem Exlibris von Hans Meid aufgewertet, kostet das Unikat bei Dietrich Schaper (Hamburg) 5000 Euro. Einen weiteren Handschmeichler bietet Tusculum Rare Books aus London mit der in türkisblaues Maroquinleder gehüllten „schönsten deutschen Koran-Ausgabe im 20. Jahrhundert“ für 6500 Euro. Komplette Bibliotheken mit Werken von Marcel Proust und André Gide finden sich am Stand von Jeschke, Hauff & Auvermann; fünf Einzelausgaben von James Joyce' „Finnegans Wake“ bei Lame Duck Books (Cambridge, MA) zu Preisen zwischen 6200 und 34 500 Euro. Unter den Autographen ragt bei Stargardt ein Gelegenheitsgedicht von Goethe hervor, das der Dichter seinem Protektor Carl August von Sachsen-Weimar, „Durchlaucht dem Herzoge“, widmete (28000 Euro).

          Der ungeplünderte „Pan“, Julius Meier-Graefes reichillustriertes Zentralorgan des Jugendstils, kostet bei Schmidt & Günther (Kelkheim) 50000 Euro, die vierte Ausgabe von Max Klingers „Handschuh“ 14800 Euro. Als Messe-Erstteilnehmer verlangen die POLLeditionen 35000 Euro für Maxim Kantors graphische Assemblage „Ödland“. Die amerikanische Erstausgabe von Chagalls Bibel wird von E. C. Kline (Santa Monica) für 10000 Euro angeboten. Max Pechsteins „Sommerschlacht“ kostet bei Peter Kiefer aus Pforzheim 4800 Euro.

          Unter den graphisch festgehaltenen Bauwerken fesselt Bernardo Bellottos, genannt Canaletto, Alte Kreuzkirche in Dresden, die der Kunsthandel Schmidt & Green (Wuppertal) für 9900 Euro offeriert. Eine Fülle kostbarer Veduten bietet das Antiquariat Gebr. Haas an, zum Preis von 6000 Euro beispielsweise einen kolorierten Kupferstich „Panorama von Berlin“, der um 1760 in Augsburg gedruckt wurde. Etwas für Kenner und Liebhaber sind Reinier Zeemans um 1650 entstandene Ansichten von Amsterdam, die bei den Holländern Asher & Co. zum Preis von 24000 Euro bereitliegen.

          Im Hinblick auf Berliner Marktverhältnisse hat der aus Baltimore angereiste 19th Century Shop den vor zwei Jahren verlangten Preis für die Erstausgabe von Charles Darwins „Entstehung der Arten“ beträchtlich gesenkt: Kostete die berühmte Publikation 2003 auf der „Liber Berlin“ noch 110000 Euro, wäre sie diesmal für 80000 Euro zu haben. Zu den kostspieligen Angeboten zählt auch der 1525 in Augsburg erschienene Urdruck der zwölf „Bauernartikel“ zu 45000 Euro bei Wolfgang Braecklein (Berlin). Hingegen benötigt nicht mehr als 250 Euro, wer von Ernst Gottfried Kurella (1725 bis 1799) erfahren möchte, wie man „ohne Zeitverlust und Mühe ein berühmter und reicher Arzt“ werden kann.

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