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Annely Juda : Ihr zur Feier

  • -Aktualisiert am

Mit einer phänomenalen Ausstellung, „Annely Juda - A Celebration“, erinnert der Londoner Galerist David Juda an das Lebenswerk seiner Mutter: Die große Galeristin, die im vergangenen Jahr mit einundneunzig Jahren verstorben ist.

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          Alles ist ganz anders, seit Annely Juda, die Grande Dame des Kunsthandels, nicht mehr jeden Tag in ihrer Galerie in der Dering Street erscheint. Doch ist nach ihrem Tod im vergangenen Jahr, im hohen Alter von einundneunzig Jahren, im Gedenken an sie Vieles erhalten geblieben - auch der Name der Galerie: „Annely Juda Fine Art“. Schon seit ein paar Jahren führt David Juda, ihr Sohn, die Geschäfte der gerade um eine Etage erweiterten renovierten Galerie. „Was soll sich verändern?“ sagt David Juda. „Mit meiner Mutter habe ich vierzig Jahre lang in der Galerie gearbeitet. Wir arbeiten immer noch mit denselben Künstlern und Sammlern zusammen.“ Seiner Mutter, die von der Londoner „Times“ als „Queen of the Scene“ bezeichnet wurde, hat David Juda nun eine bemerkenswerte Ausstellung gewidmet: Sie verwirklicht noch einmal Annely Judas zeitlebens eminenten Anspruch, eine Galerie solle nicht nur verkaufen, sondern auch eine wichtige Bildungsaufgabe erfüllen.

          Ein bewegtes Leben

          Annely Juda - geboren 1914 in Kassel, floh sie vor den Nationalsozialisten zunächst nach Palästina und ging später nach Großbritannien - war überzeugt von der demokratisierenden Kraft der abstrakten Kunst. Von 1968 bis 1990 veranstaltete sie jährlich „Summer Exhibitions“, die von ihrer Verehrung für die „Non-Objective World“ von der Russischen Avantgarde bis hin zu Bauhaus und de Stijl zeugten: ein programmatischer und moralischer Focus aus der Erfahrung des Totalitarismus heraus, der sie mit dem Documenta-Begründer Arnold Bode verband, einem lebenslangen Freund. Im Katalog „Annely Juda - A Celebration“ schreibt Nicholas Serota, der Direktor der Tate Gallery, über die Sommer-Schauen mit Bauhaus-Künstlern und Konstruktivisten: „Bei der fast vollständigen (und bis heute schockierenden) Abwesenheit solcher Arbeiten in unseren öffentlichen Sammlungen waren diese Ausstellungen eine Offenbarung und Inspiration für Maler, Kritiker und Kuratoren jeder Generation.“

          Moholy-Nagy als Inspiration

          David Judas Hommage an seine Mutter schließt an diese Tradition an mit 37 Künstlern aus Europa, Russland und Japan, die von ihr vertreten wurden - darunter Eduardo Chillida, David Hockney, Anthony Caro, Alan Green, Christo, Tadashi Kawamata und die deutschen Künstler Peter Kalkhof und Werner Haypeter. In der Auswahl befinden sich Werke des frühen 20. Jahrhunderts, die Annely Juda in den siebziger Jahren verkaufte und die nun als Leihgaben der Sammler in die Galerie zurückkehren. Einige von ihnen waren 1970 in der Ausstellung „The Non-Objective World, 1914 - 1924“ zu sehen, mit der Annely Juda international bekannt wurde. Die Inspiration für den Titel lieferte Moholy-Nagys Bauhaus-Buch „Die gegenstandslose Welt“ über das Schaffen Malewitschs: Jetzt ist in London Malewitschs „Non-Objective Composition (Dynamic Suprematism)“ aus den Jahren 1916/17 zu sehen, neben einem schwarzes Quadrat mit weißen Linien von Alexander Rodtschenko und Wladimir Tatlins Komposition „Untitled“ von 1916/17.

          Die Gedenkausstellung vereint solche Ikonen der Moderne mit „Composition No. 60“ des 1962 verstorbenen Friedrich Vordemberge-Gildewart, der Annely Juda besonders am Herzen lag. Nur wenige der ausgestellten Werke sind verkäuflich; zu ihnen gehört Ljubov Popovas „SpaceForce-Construction“ von 1921 aus der Sammlung von Annely Juda (800 000 Pfund) und Georges Vantongerloos bunter geometrischer Entwurf „Study No. III“ von 1920 (250.000 Pfund). Naum Gabos „Model for Constructed Head No. 3“ ist bereits verkauft (für 1,2 Millionen Pfund). Viele der versammelten Stücke haben eine faszinierende Sammlungsgeschichte, verbunden mit den persönlichen Anekdoten der Kunsthändlerin und ihrer Käufer - und bewahrt in der unabdingbaren Diskretion dieses Geschäfts.

          Zeitgenossen und zeitgenössische Klassiker

          In die Räume der Galerie flutet das Sonnenlicht durch die großen Dachfenster. Das strahlende Weiß der Wände und der geweißte Holzfußboden blenden wie die weißen Rahmen der meist kleinformatigen Werke: Gerade hier jedoch findet die konzentrierte Ästhetik der Gemälde und Plastiken ihren Ausdruck. In einem kleinen Seitenraum dann geht Gloria Friedmanns abstrakte Komposition - Kondensmilch und Zucker zwischen Glasplatten, eingefasst von einem Stahlrahmen (5000 Pfund) - eine reizvolle Beziehung ein mit Christos verpackten und verschnürten Turnschuhen aus dem Jahr 1963 (112.000 Pfund). Im Stockwerk darunter mit ebenso großzügig geschnittenen Räumen findet sich überwiegend Kunst aus jüngerer Zeit. Hier erhebt sich düster David Nashs schwarz-verkohlte Skulptur aus einem Eibenstamm (35.000 Pfund). Sie verschluckt jedes Licht, während Yuko Shiraishis Leinwand „I'm alright“, drei übereinander liegende Rechtecke, in Blau und Rot leuchtet (6000 Pfund).

          Die japanische Künstlerin malte das Bild eigens für diese Ausstellung, in Erinnerung an gemeinsame Skiurlaube mit Annely Juda und an den Satz, mit dem diese ihre Familie nach jedem Sturz beruhigte: „I'm alright.“

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