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Altmeister-Markt : Der Preis ist heiß

Sandro Botticelli, „Porträt eines jungen Mannes mit einem Medaillon“, um 1480, Tempera auf Holz, 15. Jh., 58,7 mal 39,4 Zentimeter: Taxe „mehr als“ achtzig Millionen Dollar. Bild: Sotheby’s

Die Alten Meister sind unter uns: Jetzt kommt der auf achtzig Millionen Dollar geschätzte Botticelli zum Aufruf. Ein Blick auf die Preise des Markts.

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          Wenn am 28. Januar bei Sotheby’s in New York die Alten Meister in einer Live-Auktion antreten, richten sich aller Augen auf Losnummer fünfzehn: Es ist das „Porträt eines jungen Mannes mit einem Medaillon“ von Sandro Botticelli, dem, wie berichtet, eine Schätzung von mindestens achtzig Millionen Dollar gilt. Wobei das Temperagemälde auf Pappelholz, was ungewöhnlich scheint, nicht mit einer Garantie durch eine dritte Partei ausgestattet ist. Es steht dennoch zu vermuten, dass es seine Taxe übersteigen wird.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das gibt Anlass, auf die Listen des Marktes für Alte Meister zu schauen – und die enormen Summen, die dort im Spiel sein können. Auf Rang zehn der einschlägigen Auktionsergebnisse steht Rembrandts „Porträt eines Mannes mit in die Hüften gestemmten Händen“, das im Dezember 2009 bei Christie’s in London achtzehn Millionen Pfund erzielte. In der, nach den Hammerpreisen, aufsteigenden Reihe folgt ihm eine Venedig-Vedute von Francesco Guardi, zugeschlagen 2011 bei Christie’s in London für 23,8 Millionen Pfund. Im Jahr zuvor erzielte William Turners „Modernes Rom – Campo Vaccino“ bei Sotheby’s in London 26,5 Millionen Pfund; es ist nun im Besitz des Getty Museums in Los Angeles. Schon 2009 hatte Raffaels gezeichnete Studie des „Kopfes einer Muse“ bei Christie’s in London 26 Millionen Pfund erfordert. Seine Zeichnung „Kopf eines jungen Apostels“ kam dann 2012 bei Sotheby’s in London auf 26,5 Millionen Pfund.

          Uneinholbar bis auf Weiteres

          Peter Paul Rubens’ „Lot und seine Töchter“ steht auf Rang vier, mit einem deutlichen Abstand: Eine Wohltätigkeitsstiftung bewilligte 2016 bei Christie’s in London vierzig Millionen Pfund dafür; jetzt hängt das Werk als Dauerleihgabe im Metropolitan Museum in New York. Allerdings waren schon 2002 für den „Bethlehemitischen Kindermord“ von Rubens 45 Millionen Pfund bei Sotheby’s in London geboten worden von dem kanadischen Medienunternehmer Kenneth Thomson, der das Gemälde dann der Art Gallery von Ontario schenkte. Der Sprung zum aktuellen Rang zwei ist noch weiter: nämlich auf, jedenfalls genannte, 160 Millionen Euro, in die sich 2016, spektakulär je zur Hälfte, das Rijksmuseum in Amsterdam und der Louvre in Paris teilten, um Rembrandts Paar Hochzeitsporträts von Maerten Soolman und Oopjen Coppit zu erwerben – vermittelt durch Christie’s, ehe die beiden einzig bekannten lebensgroßen Bildnisse von Rembrandt versteigert worden wären. Und sattsam bekannt firmiert auf Platz eins, uneinholbar bis auf Weiteres, jener „Salvator Mundi“, bei dem Leonardo da Vinci immerhin Hand angelegt hat, mit dem Hammerpreis von vierhundert Millionen Dollar, 2017 bei Christie’s in New York.

          Da sind aber auch noch die Privatverkäufe: Die wunderschöne „Darmstädter Madonna“ von Hans Holbein d. J. wurde vor zehn Jahren von der Familie Hessen an den Fabrikanten und Kunstsammler Reinhold Würth verkauft, genannt ist eine Summe von wohl mehr als fünfzig Millionen Euro. Das Frankfurter Städel, wo das Bild von 2003 an als Leihgabe zu bewundern war, hatte mit mäzenatischer Unterstützung, so hieß es, vierzig Millionen Euro zusammengebracht, um die Madonna für das Museum zu erhalten; das Angebot reichte den Verkäufern aber nicht. Zuletzt wurde hinter verschlossenen Türen 2019 eine Variante von „Judith enthauptet den Holofernes“, nicht unumstritten von Caravaggio selbst, dem Vernehmen nach an den amerikanischen Milliardär und früheren Chairman der Investmentfirma Blackstone, J. Tomilson Hill, verkauft, kurz bevor das Gemälde im französischen Toulouse zur Auktion kommen sollte – versehen mit einer Erwartung von 170 Millionen Dollar. Der Preis, den Hill bezahlte, ist freilich unbekannt.

          Solche Millionenspiele unterliegen immer auch Währungsschwankungen, unterschiedliche Auktions- oder Vermittlungsgebühren kommen hinzu. Sicher ist aber, dass Botticellis kühler Jüngling allein gemessen an seiner Schätzung schon jetzt vor Rubens’ monumentalem biblischen Massaker rangiert. Rembrandts vornehmes Paar liegt allerdings noch weit höher. Übrigens kommt in der New Yorker Abendauktion, als Losnummer neun, ein weiterer Rembrandt zum Aufruf, die grade mal 16,1 mal 21,1 Zentimeter kleine Holztafel „Abraham und die Engel“; die Taxe liegt bei zwanzig bis dreißig Millionen Dollar, abgesichert durch eine Garantie. Das könnte vielleicht für ein Plätzchen in der Altmeister-Spitze reichen.

          Meistens stehen die Moderne und die Zeitgenossen im Rampenlicht. So geschehen bei dem extrem hohen Zuschlag von 160 Millionen Dollar für Picassos „Femmes d’Alger (Version ,O‘)“, 2015 bei Christie’s in New York. Bis zwei Jahre später Leonardos „Weltenretter“ erschien, war das farbenfrohe Gemälde aus der vielteiligen Bordell-Serie das teuerste jemals in einer Auktion verkaufte Kunstwerk. Es zeigt sich also: Ohne die Alten Meister der sehr speziellen Art ist die Rechnung nicht zu machen.

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