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Alte und neue Kunst : Otto Greiners unbekannte Tänzerin: Ergebnisse der Auktion bei Bassenge in Berlin

Kopfschüttelndes Stauen verursachte die Hartnäckigkeit, mit der ein Studienblatt des Leipziger Klinger-Epigonen Otto Greiner umworben wurde: Die Notate zur Mimik, Gestik und Gewandung einer unbekannten Tänzerin stiegen von 900 auf 22 000 Euro.

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          Passend zum Rembrandt-Jahr wartete Bassenge in Berlin mit einer ebenso reich wie qualitätvoll bestückten Graphik-Passage des Meisters auf. Der „Großen Judenbraut“, die bei 60 000 Euro (65 000) einem Sammler in Chicago zufiel, traten 25 weitere Radierungen zur Seite, darunter „Die Hochzeit des Jason und der Creusa“, im verborgenen beobachtet von der verstoßenen Medea: Die 1648 entstandene mythologische Szene kletterte von 7500 auf 32 000 Euro, die ein New Yorker bewilligte. Der bei 8000 Euro ausgerufene „Triumph des Mardochäus“ geht bei 37 000 Euro in eine Stuttgarter Privatsammlung.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Der Holzschnitt „Maria als Königin der Engel“ von Albrecht Dürer verbesserte sich von 6000 auf 14 000 Euro, während der motivisch verwandte Kupferstich „Maria von einem Engel gekrönt“ bei 12 000 Euro vom Zürcher Handel übernommen wurde. Das sinnliche Flair der Begegnung zwischen „Cupido und Psyche“ bewog einen Sammler, Jan Harmensz Mullers Kupferstich nach einem Motiv des Bartholomäus Spranger mit 12 000 Euro (7500) zu honorieren.

          Ungeachtet mangelnder Vollständigkeit - es fehlte ein Blatt - stieg die Kupferstichfolge zoologischer und botanischer „Archetypa“des Georg Hoefnagel, Paris 1592, auf 20 000 Euro (6000). Georg Ghisis grausige „ „Vision des Ezechiel“ aktivierte den Pariser Handel zu 7000 Euro (4500); Giovanni Domenico Tiepolos Radierung nach einem Fresko seines Vaters Giambattista wanderte bei 10 500 Euro (6000) nach Italien und die Federzeichnung eines Neptun mit Dreizack bei 27 000 Euro (36 000) in den New Yorker Handel.

          Wilder Mann und Frau im Sund

          Vom Habitus her Tiepolos Meeresgott ähnlich, fand Conrad Meyers „Wilder Mann“ das Gefallen eines Münchner Händlers, der 18 000 Euro (3500) investierte. Von 2400 auf 10 000 Euro kletterte das sentimentale Aquarell einer jungen Frau, die mit ihrem Kind ein Muttergottesbild anbetet; geschaffen wurde die Andachtstafel von den Brüdern Ludwig Ferdinand und Julius Schnorr von Carolsfeld.

          Bei der Kunst des 20. Jahrhunderts kam es zum Rückgang von Hans Purrmanns Gemälde „Blick über Florenz“ (150 000). Dafür entschädigte das rege Interesse an einer „Frau im Sund“ von Ernst Wilhelm Nay, deren Lofoten-Look den Zuschlag bei 50 000 Euro (40 000) beförderte.

          Unerwartet erfolgreich war der als Agitator gegen das Franco-Regime bekannt gewordene spanische Maler Eduardo Arroyo mit einem aus geometrischen Elementen und Zahlen zusammengesetzten Frauenporträt, das ein Spanier für 13 500 Euro (8000) heimholte. Über die Taxe von 50 000 Euro hinaus schoß auch Renoirs Farblitho mit den beiden als Putzmacherinnen dilettierenden jungen Mädchen, das bei 59 500 Euro gegen den Handel von einem amerikanischen Privatsammler übernommen wurde.

          Kopfschüttelndes Staunen

          Bonnards „Scène de Famille“ kam bei 9500 Euro (6000) unter den Hammer, Jacques Villons Aquatinta nach Picassos „Saltimbanques“ spielte 14 000 Euro ein. Kopfschüttelndes Staunen löste die Hartnäckigkeit aus, mit der ein Studienblatt des Leipziger Klinger-Epigonen Otto Greiner umworben wurde: Vom Münchner Handel übernommen, stiegen die Notate zur Mimik, Gestik und Gewandung einer unbekannten Tänzerin von 900 auf 22 000 Euro. Adrian Zinggs minutiös gezeichneter „Blick auf Schandau“, ein Augenschmaus für den heimatbewußten Sachsen, wurde bei 10 000 Euro abgegeben. Insgesamt konnten 1650 von 2444 Losen im Wert von drei Millionen Euro verkauft werden.

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