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Alte und moderne Kunst : Truppen im Lustlager: Vorschau auf die Auktionen bei Karl & Faber in München

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Rembrandts „Heiligen Franziskus“ gab es Jahre nicht auf dem Markt. Die Radierung ist äußerst selten, weil die Platte schon früh verlorenging. Als Exemplar des zweiten und letzten Zustandes liegt sein taxierter Wert bei 45 000 bis 50 000 Euro.

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          Blätter wie dieses ölen die Reputation eines Hauses, das dem graphischen Fach besonders verbunden ist: Rembrandts „Heiliger Franziskus“, den Karl & Faber zur Auktion am 30. und 31. Mai anbietet, gab es Jahre nicht auf dem Markt. Die Radierung, die den Eremiten, im Schutze eines mächtigen Baums kniend, ins Gebet vertieft darstellt, ist äußerst selten, weil die Platte schon früh verlorenging. Rembrandt deutete Teile des Naturwinkels nur skizzenartig in Kaltnadelüberarbeitung an, was dem Blatt eine reizvolle Spannung zwischen höchster Vollendung und non finito gibt; als Exemplar des zweiten und letzten Zustandes liegt sein taxierter Wert bei 45 000 bis 50 000 Euro.

          Für guten Ruf spricht ebenfalls, wenn Kunst dorthin zum Verkauf zurückgeht, wo sie einst erworben wurde: Nicht nur den „Franziskus“ veräußerte Karl & Faber 1993 an die süddeutsche Privatsammlung, die ihn nun einlieferte; auch Wilhelm von Kobells wunderbar farbfrisch erhaltenes Aquarell „Österreichische Truppen im Lustlager“ ging, vor mehr als dreißig Jahren, über den Tisch des Hauses (Taxe 60 000/70 000 Euro).

          Almhütte im Glaspalast

          Die Offerte Alter Kunst schmückt auch das hübsche Gemälde von Fischverkäufern und Reisenden in den Dünen, ehemals Sammlung der Grafen Harrach, Wien, das 2003 auf der Tefaf in Maastricht noch als Werk Philip Wouvermans angeboten, inzwischen dessen Umkreis zugeordnet wird - freilich, ohne daß dies seinem Charme abträglich wäre (12 000/15 000).

          In diesiges, stimmungsvoll rötliches Abendlicht tauchte Oswald Achenbach um 1860 den Blick von romantischem Ruinengelände aufs ferne Kolosseum, den außer dem Betrachter auch Herren in breitkrempigen Hüten genießen (35 000/40 000). Hugo Kauffmanns vor einer Almhütte schäkerndes Paar trug bereits zu seinem Debüt 1901 im Münchner Glaspalast den offenbar auf städtisches Publikum zugeschnittenen pompösen Goldrankenrahmen (50 000/60 000).

          Die Moderne bringt das Toplos in den Saal: „The Anglers, Panel II“ malte Feininger 1940 nach einem älteren Holzschnitt mit graphisch angelegten schwarzen Anglern vor einem weißen, von roten Sonnenstrahlen beherrschten Himmel. Das Werk, das nach Feiningers Rückkehr nach Amerika entstand, soll 180 000 bis 200 000 Euro einspielen.

          Zyklus über die Liebe

          Hervorragend präsentiert sich Alexander Kanoldt in einem Stilleben, das mit Bücherstapeln, Teegeschirr und Kannen um 1920 ein frühes Beispiel seines neusachlichen Stils abgibt (80 000/90 000). Eine drei Meter breite Leinwand, auf die Hermann Nitsch während seiner „28. Malaktion“ mit attraktivem Resultat gelbe, braune und rote Farbe schüttete, liegt bei 30 000 bis 40 000 Euro.

          Auf große Auswahl und Vielfalt stößt der Liebhaber von Kunst auf Papier auch hier, beispielsweise auf die vollständige Folge von „Amour“, einem bezaubernden Zyklus über die Liebe, zu dem Maurice Denis seine Verlobung mit Marthe inspirierte. Vollard gab die Mappe 1911 heraus (15000/18000). Auch Picasso verarbeitete Liebesdinge, als er 1928 die schöne „Visage“ der blutjungen Marie Thérèse Walter lithographierte (25 000/20 000).

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