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Alte und moderne Kunst : Renoir sieht Berthe Morisots Tochter zu: Vorschau auf die Auktion bei Bassenge in Berlin

Auf seiner Frablithographie „Le Chapeau épinglé“ hat Renoir die Tochter von Berthe Morisot und deren Cousine beim Stecken von Blumen auf einem Strohhut dargestellt. 1898 in der Edition Ambroise Vollard erschienen, kostet die Zimelie heute geschätzte 50 000 Euro.

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          Die Herkunft aus der Sammlung des mit Rembrandt befreundeten Amsterdamer Bürgermeisters Jan Six bedingt den Preis von 65 000 Euro, den die Radierung der „Großen Judenbraut“ am 1. Dezember bei Bassenge in Berlin erzielen soll. Die Darstellung einer jungen Frau, deren aufgelöste Haarpracht ihren Oberkörper einhüllt, hat höchst unterschiedliche Deutungen provoziert: Wechselweise wollte man in dem nachdenklich blickenden Modell Rembrandts Frau Saskia, eine Minerva oder eine Sybille sehen. Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich jedoch um die kurz vor ihrer Eheschließung stehende Tochter des Arztes Ephraim Bonus. Eingeliefert wurde die meisterhafte Radierung aus einer deutschen Privatsammlung, die das Blatt 1921 bei C. G. Boerner in Leipzig für 17 500 Reichsmark erworben hatte.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Eine mit Verve realisierte, lavierte Federzeichnung gibt einen mürrisch blickenden Neptun mit Dreizack wieder und ist mit 36 000 Euro beziffert. Nicht zuletzt aufgrund einer verblaßten Signatur entschied man sich, das imposante Blatt Giovanni Domenico Tiepolo, dem Sohn des Giambattista, zuzuweisen. Neben diesem Höhepunkt bietet die anspruchsvoll bestückte Zeichnungsabteilung eine „Auffindung von Romulus und Remus“ des Salvatore Rosa (Taxe 16 000 Euro), eine „Madonna mit Kind auf einer Wolke“ von Abraham Bloemaert (15 000) sowie einen männlichen Halbakt des Guercino und Adrian Zinggs „Blick auf Schandau“ (je 9000).

          Bei der Kunst des 19. Jahrhunderts am 2. Dezember gerät Renoirs Farblithographie „Le Chapeau épinglé“ ins Rampenlicht. Der Künstler hat die Tochter von Manets Muse Berthe Morisot und deren Cousine beim Stecken von Blumen auf einem Strohhut dargestellt; 1898 in der Edition Ambroise Vollard erschienen, kostet die Zimelie heute 50 000 Euro. Bei der Graphik hält man zu Preisen zwischen 600 und 2500 Euro Lithographien von Toulouse-Lautrec bereit und vier der reizvollen frühen Holzschnitte Félix Vallottons (1500 bis 3500).

          Direkt in die Kunstabteilung umgeleitet wurde Gabriel Lorys (pére et fils) Ansichtenwerk der Schweiz, das bei der letzten Buchauktion ohne Gebot blieb und nach wie vor 16000 Euro einspielen soll. Einer Braunschweiger Privatsammlung entstammt Hans Purrmanns „Blick über Florenz“ von 1935, als er mit der Leitung der „Villa Romana“ betraut wurde: Als teuerstes Los der Versteigerung moderner Kunst am 3. Dezember schmückt das auf 150 000 Euro geschätzte spätimpressionistische Gemälde den Katalogtitel. Ernst Wilhelm Nay ist mit einer „Frau im Sund“ aus der Lofoten-Serie vertreten (40 000).

          Der skulpturale Sektor bietet Barlachs Bronze „Der Mann mit dem Mantel“ (35 000), „Die Klage“ der Käthe Kollwitz (14 000) und einen possierlichen „Fischotter“ von August Gaul (9500). In der fünften Mappe der „Bauhaus-Drucke“ (19 000) passieren sie alle Revue, die Expressionisten unterschiedlicher Couleur, Beckmann neben Grosz, Heckel neben Pechstein und der introvertierte Kirchner neben dem Weltkind Kokoschka.

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