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Alte und Moderne Kunst : Prise Magie

Während Rembrandts Radierung „Landschaft mit dem Jäger“ mit 40.000 Euro weit hinter den Erwartungen des Auktionshauses Bassenge in Berlin zurückblieb, überraschte dafür der Kaufpreis eines kleinformatigen Porträts des Holländers Pyke Koch.

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          Verständnisloses Staunen prägte die Mienen der Auguren, die sich zur Versteigerung von Kunst des 15. bis 20. Jahrhunderts bei Bassenge in Berlin eingefunden hatten, als ein auf 12.000 Euro taxiertes kleinformatiges Porträt des international wenig bekannten Holländers Pyke Koch auf 52.000 Euro emporschnellte. Bewilligt wurde die hohe Summe von einem auf realistische Kunst eingeschworenen holländischen Provinzmuseum, dem gleich drei privat interessierte Landsleute Paroli zu bieten versuchten.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Bei dem unerwartet zum Spitzenobjekt avancierten Porträt handelt es sich um das Spätwerk eines in den zwanziger und dreißiger Jahren zu Ruhm gelangten „Magischen Realisten“, dem das Rotterdamer Museum Boymans van Beuningen 1995 eine postume Retrospektive gewidmet hat. Pyke Kochs 1972 datiertes Bildnis einer „Rezeptionistin“ entstammt dem Nachlass des Berliner Sammlers Alfred Christoph, den Freundschaft mit Johannes Grützke verband, der in den siebziger Jahren mit satirisch verfremdeten Selbstporträts hervorgetreten war: Eines davon, das grimassierende „Selbstbildnis mit Lorbeer“, erzielte nun statt erwarteter 4500 stolze 9000 Euro. Desgleichen glänzend verkaufen ließen sich frühe graphische Arbeiten des Wiener Phantastischen Realisten Ernst Fuchs: Ein Exemplar der Radierung „Die Zeugung des Einhorns“ von 1951 spielte 2800 Euro (Taxe 400 Euro) ein, der siebzehn Jahre später entstandene „Triumph des Einhorns“ sogar 3200 (900).

          Unerwartete Ergebnisse

          Mit lebhaften Geboten bedacht, gelangte Ernst Wilhelm Nays Gemälde „Nächtliches Meer“ aus der Folge der „Dünen- und Fischerbilder“ aus den Jahren 1934 bis 1936 bei 42.000 Euro (28.000) in den Besitz eines Berliner Galeristen. Emil Orliks japonisierendes Hauptblatt „Der Windstoß“ von 1901 verbesserte sich von 2400 auf 4800 Euro, die Miniatur eines „Fressenden Bären“ des Bildhauers August Gaul von 3500 auf 8500 Euro, während die „Kleine Daphne“ von Renée Sintenis unter der Taxe von 12.000 Euro bei 9500 Euro einem Berliner Privatsammler zufiel.

          Hinter den Erwartungen zurückgeblieben war in der Altmeister-Abteilung bereits Rembrandts Radierung „Landschaft mit dem Jäger“, die bei günstigen 40.000 Euro (50.000) vom Frankfurter Handel übernommen wurde. Gänzlich unerwartet den gleichen Preis erzielte der auf 12.000 Euro taxierte „Kleine Coppenol“, den ein Connaisseur in die Schweiz entführte.

          Italienische Ansichten verdoppeln ihren Preis

          Unter neunundzwanzig Graphiken von Dürer erfuhr der Kupferstich „Die Jungfrau mit der Birne“ mit 24.000 Euro (28.000) die höchste Bewertung. Ein Hauptblatt von Martin Schongauer, „Die Geburt Christi“, wurde bei 25.000 Euro (28.000) vom New Yorker Handel übernommen. Als hervorragend absetzbar erwiesen sich sieben Veduten des Venezianers Canaletto. Die Darstellung des Turms von Malghera spielte mit 30.000 Euro den doppelten Schätzpreis ein, die Ansicht von Padua 26.000 Euro (12000).

          Die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel bewilligten 13.000 Euro (1200), um Ludwig Emil Grimms Federzeichnung einer „Am Fenster sitzenden Frau bei der Näharbeit“ für Schloss Wilhelmshöhe zu sichern.

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