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Alte und moderne Kunst : Ihr Name sei Freilicht: Vorschau auf die Auktion bei Hassfurther in Wien

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Ein Aquarell von Rudolf Alt, eine Ansicht von Schloß Schönbrunn aus dem Jahr 1869, ist auf 70 000 bis 120 000 Euro geschätzt und eine der Arbeiten der Künstlerfamilie Alt, welche den Schwerpunkt der Versteigerung am 24. November bilden.

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          Auch wenn für die Herbstauktion am 24. November bei Hassfurther in Wien im Vorfeld ein Schwerpunkt auf die Künstlerfamilie Alt angekündigt war, beginnt der Katalog dennoch wie gewohnt mit W wie (Alfons) Walde - seit Jahren das Erfolgsgeheimnis des Hauses.

          Doch bald schon nach den Winterlandschaften wie der Abfahrt zweier Skifahrer (Taxe 100 000/120 000 Euro) wird mit besonderen Aquarellen von Rudolf von Alt das Versprechen eingehalten: Steht der 1869 gemalte Blick auf Schönbrunn vom Ehrenhof aus (70 000/120 000) noch ganz in der Tradition der Wiener Vedute, wird der Stil des begnadeten Aquarellisten mit zunehmendem Alter immer offener und freier, wie in etwa in „Pfarrkirche und Wehrturm bei Perchtoldsdorf“ von 1883 (50 000/90 000); exquisit hingegen erscheint das Interieur des Wiener Palais Lanckorónski (20 000/40 000).

          Vater Jacob und Bruder Franz Alt sind mit zusammen drei Werken eher schwach vertreten. Während man mit einer Sicht über die Weite einer ungarischen Ebene (2000/3000) deutlich den väterlichen Lehrmeister Rudolfs erkennen kann, machte sich der Bruder von Rudolf eher einen Namen als Künstler für den Alltag der Aristokratie. Er unterrichtete adlige Kinder, arrangierte Feste und dokumentierte Wohnsitze, dementsprechend dekorativ auch „Neugothik“, der Blick durch ein Fenster in das Innere einer Kirche (200/400).

          Ein Frauenakt, eine Stehlampe und ein tropisches Gewächs

          Spitzenlos der Auktion ist der in herbstlichen Farben gehaltene Frauenakt „Freilicht“ von Leo Putz (180 000/240 000). Bedeutend ist die Radierung „Christus und der Hauptmann von Kapharnaum“, gilt sie doch als früheste selbständige Graphik von Franz Anton Maulbertsch. Als Solitär des Kunsthandwerks leuchtet eine Stehlampe von Josef Hoffmann aus versilbertem Messing mit Hammerschlagdekor aus der Frühzeit der Wiener Werkstätte (30 000/ 50 000).

          Meisterhaft vermochte es Herbert Boeckl bereits in jungen Jahren, mit wenigen trockenen Pinselstrichen ein Blumenstilleben in Szene zu setzen (15 000/18 000), feuchter und leuchgtender ging es bei der Produktion einer in kräftigem Rot blühenden Aloe-Staude (70 000/90 000) und einem tropischen Gewächs (40 000/60 000) Noldes zu.

          Mit Kohle oder Bleistift

          Daß die schönsten Entdeckungen nicht immer die kostspieligsten sein müssen, beweisen sechzehn mit Kohle respektive Bleistift gezeichnete Porträtstudien von Wiener Philharmonikern, von denen ein großer Teil mit je 2000 bis 3000 Euro bewertet ist. Obwohl Musiker- und Orchesterbilder zu den bevorzugten Motiven von Max Oppenheimer gehören, läßt sich hier wunderbar nachvollziehen, zu welchem Gemälde die Zeichnungen gehören.

          Jene „Philharmoniker“ unter der Leitung von Gustav Mahler werden in die Jahre zwischen 1935 und 1952 datiert und befinden sich heute in der Österreichischen Galerie im Belvedere. Was auf den Zeichnungen noch so ruhig und konzentriert wirkt, fügt sich auf den drei monumentalen Holztafeln des Expressionisten zu einem Furor dramatischer Licht- und Farbakzente, so daß man meint, mit den Augen hören zu können.

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