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Alte und Moderne Kunst : Grüße aus Arkadien: Vorschau auf die Auktion bei Karl & Faber in München

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Ein Rarum der Druckgraphik, der Schmerzensmann vom Meister der Aachener Madonna für geschätzte 50 000 bis 60 000 Euro, trägt zur großartigen Qualität des Altmeistergraphik-Angebots der Versteigerung am 29. und 30. November bei.

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          In den Händen Rute und Geißel steht der dornengekrönte Schmerzensmann vor seinem Grab, hinter dem der Meister der Aachener Madonna die übrigen Passionswerkzeuge reihte. Nur dies eine Exemplar des altdeutsch expressiven Blatts ist bekannt; indem es Weißlinienschnitt und Schrotschnitt kombiniert, stellt es auch für die Druckkunst ein Rarum dar: Mit 50 000 bis 60 000 Euro veranschlagt Karl & Faber in München den Wert der Kostbarkeit, die am 29. und 30. November zur großartigen Qualität eines Altmeistergraphik-Angebots beiträgt, das in der Spätgotik kulminiert.

          Schongauer glänzt als Kupferstecher mit dem spruchbandumwehten „Segnenden Heiland“ (Taxe um 13 000 Euro) und seinem „Christus am Kreuz“ (um 19 000). Der Münchner Meister MZ ließ einer „Frau mit Eule“ ein „Duck Dich“ vom Himmel zurufen - um 11 000 Euro für das rätselhafte, seltene Blatt; Hans Schäufeleins Holzschnitt „Magelona und Peter der Ritter“, wohl ein Probedruck, liegt bei rund 8500 Euro.

          Fast exaltiert wirkt Baldung Griens „Beweinung Christi“, die, in der extremen Verkürzung des Leichnams, via Dürer auf Mantegna zurückgreift (10 000/12 000). Die fürstlich Fürstenbergische Sammlung bewahrte einst Israel van Meckenems feinen Kupfer der „Heiligen Familie mit der Heuschrecke“ (um 6500), auch seine „Stigmatisierung des Franziskus“ ist zu haben (bis 12 000). Otto Schäfer besaß des älteren Cranachs Holzschnitt „Martyrium des Apostel Paulus“ (10 000/12 000), als Doublette verließ der runde Stich „Christus vor Annas“ Lucas van Leydens das Königliche Kupferstichkabinett Stuttgart (7500/8500). Mit ihm und A. Hirschvogel, dessen Radierung eines Burghofs brillant im Druck und frisch in der Erhaltung bis zu 14 000 Euro erwartet, ist auch der Norden in dieser Offerte endgültig in der Renaissance angelangt.

          Arkadische Stimmung entströmt Christian G. Schüz' d. Ä. „Flußlandschaft mit Hirtenpaar“, eines der Ölgemälde, die eher sparsam das gewohnt starke Engagement des Hauses für Kunst auf Papier sprenkeln (32 000/35 000). Ein anderes wartet in der Abteilung 19. Jahrhundert mit dem „Heimweg“, auf den Spitzweg einen drollig auf schmalem Steg balancierenden Herren schickt; die Taxe der bemalten Schützenscheibe liegt bei 60 000 bis 70 000 Euro. Formidabel ist die seltene Chance, zwei der berühmten Scherenschnitte Philipp Otto Runges zu ersteigern: Flieder und Narzisse, die sich weiß von grauem Papier abheben, gehörten einst in die Stettiner Sammlung Hintze (je 16 000/18 000). Als Entwurf eines Freskos im „Römischen Haus“ Hermann Hartels in Leipzig fertigte Joseph A. Koch das Sepiablatt „Triumph des Bacchus“ (14 000/17 000).

          Seit 1950 in Münchner Privatbesitz bewahrt, schätzt man Wilhelm von Kobells schönes Aquarell „Postillon zu Pferd im Schnee“ auf 35 000 bis 38 000 Euro. Aus der 700 Lose schweren Moderne-Suite ragt Gabriele Münter hervor mit 1910 gemaltem Blumenstilleben sowie einem Blick über den Staffelsee aus dem Folgejahr (um 150 000 und um 90 000). Paula Modersohn-Beckers Ölskizze eines Mädchens mit Ziege ist auf rund 130 000 Euro taxiert und Barlachs „Spaziergänger“, bei Noack vor 1950 gegossen, auf rund 80 000. Stets beliebte Handschmeichler-Tierchen von Mataré erwarten bis 20 000 Euro, so viel wie ein versponnenes Wols-Aquarell mit Schiff und Männchen. Interesse aus Amerika gilt schon im Vorfeld Günther Fruhtrunks „Unbedingtem und blau-violetter Widerhall“ von 1959 (35 000/40 000).

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