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Alte Meister : Oberon und Titania bei Rockefeller: Ergebnisse der Auktionen bei Christie's und Sotheby's in New York

  • -Aktualisiert am

Zwar wurde die Altmeister-Auktion bei Christie's eine eher ruhige Veranstaltung, doch im Lauf der Woche erklommen noch manche Künstler ungeahnte Höhen, allerdings bei der Konkurrenz. Für Sotheby's wurde es die erfolgreichste Serie von Altmeister-Auktionen seit Menschengedenken.

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          Während am Dienstag nachmittag junge Schlittschuhläufer auf der Eisbahn im Rockefeller Center ihre Runden drehten, füllte sich nebenan bei Christie's der Auktionssaal in gespannter Erwartung der „Old Master and 19th Century Drawings“.

          Zwar wurde diese erste der Altmeister-Auktionen - und die einzige bei Christie's - eine eher ruhige Veranstaltung, doch im Lauf der Woche erklommen noch manche Künstler ungeahnte Höhen, allerdings bei der Konkurrenz. Für Sotheby's wurde es die erfolgreichste Serie von Altmeister-Auktionen seit Menschengedenken, schon am Donnerstag abend waren mehr als 65 Millionen Dollar Umsatz und damit ein neuer Rekord erreicht. Christie's hat seine New Yorker Gemäldeauktionen auf den April verschoben, aber als Vorgeschmack eine duftige venezianische Ansicht von William Turner ausgestellt, geschätzt auf mindestens 15 Millionen Dollar.

          „Passed“: Michelangelos Kreidezeichnung

          Michelangelo brachte Christie's indes nicht die erhofften Millionen. Zunächst schien das italienische 16. Jahrhundert vielversprechend. Giulio Clovios schöne Zeichnung eines gekreuzigen Christus, die einst dem Barockmaler Peter Lely gehört hatte, konnte ihre Taxe rund verdoppeln und wurde für 65000 Dollar einem Herrn im Saal zugeschlagen. Doch dann kam die große Enttäuschung. Für das Spitzenlos, Michelangelos späte Kreidezeichnung eines muskulösen Torso aus der Sammlung Walter Gernsheim, fand sich kein Bewerber, der bereit gewesen wäre, mehr als 3,2 Millionen Dollar zu bieten. Das wäre weit mehr Geld gewesen, als alle 185 restlichen Lose zusammengenommen, aber es blieb Noël Annesley am Auktionspult nichts anderes übrig, als „passed“ zu murmeln und die nächsten Lose aufzurufen.

          Immerhin zwei Blätter brachten Preise im sechsstelligen Bereich: Gericaults düsteres Aquarell, das ein Pferd im Gegenlicht einer Schmiede zeigt, kletterte auf 270 000 Dollar (Taxe 150 000/200 000 Euro), und Rembrandts Kreideskizze eines sitzenden Mannes ging für 210 000 Dollar in europäischen Handel (150 000/200 000).

          Unter Christie's Top Ten fand sich auch eine Vedute des Heidelbergers Carl Philipp Fohr, dessen Karriere tragisch endete, als er 1818 nur zweiundzwanzigjährig beim Baden im Tiber ertrank. Seine romantische Ansicht von Weinheim, detailliert in Kreide, Feder und Aquarell ausgeführt, war Teil seines Skizzenbuchs der Neckargegend, das er für seine Gönnerin Wilhelmine von Hessen, geborene Prinzessin von Baden, zusammenstellte. Ein europäischer Händler konnte das Blatt für die untere Taxe von 50 000 Dollar ersteigern. Insgesamt setzte Christie's rund 2,4 Millionen Dollar um.

          Sommernachtstraum in sternenklarer Nacht

          Schwungvoller lief die Auktion von Altmeister-Zeichnungen am nächsten Tag bei Sotheby's. Dementsprechend war der Umsatz mit 4,8 Millionen Dollar doppelt so hoch wie bei der Konkurrenz. Schon die erste der dreizehn holländischen Barockzeichnungen, die seit mindestens vier Jahrzehnten unbeachtet in einer Mappe auf dem Landsitz von John Pierpont II schlummerten, vervierfachte seine Schätzung, als ein amerikanischer Sammler telefonisch 210 000 Dollar für die ungewöhliche Ansicht von Dünkirchen bot. Der Künstler ist im Katalog noch nicht identifiziert, aber der Anlaß der Zeichnung war wohl die Blockade der ehemals habsburgischen Hafenstadt durch Admiral Tromp 1639.

          Auch die detaillierten Darstellungen verschiedener Kriegsschiffe und Seeschlachten von Willem van de Veldes erfreuten sich größter Beliebtheit. Seine über sieben Blätter ausgebreitete „Schlacht von Solebay“ 1672 wirkt mit Hunderten von Segelschiffen und Rauchwolken geradezu wie ein Monumentalfilm. Sie fand bei dem Rekordpreis von 220 000 Dollar, knapp über Mindesttaxe, in einem anonymen Sammler einen Liebhaber.

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