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Handeln mit Alten Meistern : Wo Tradition noch Zukunft hat

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Von Florenz über Monaco in die britische Kapitale: der auf Old Masters musealer Qualität spezialisierte Kunsthändler Fabrizio Moretti in den Räumen seiner frisch bezogenen Galerie in London Bild: David Levene

Das Geschäft mit Alten Meistern ist schwieriger geworden. Doch an der Themse blickt ein Händler ebenso optimistisch nach vorne, wie es die großen Auktionshäuser nach ihren jüngsten Topversteigerungen tun können.

          5 Min.

          Heute eine große Altmeister-Galerie in der britischen Hauptstadt zu eröffnen zeugt von Vertrauen in das Marktsegment und seinen historisch wichtigsten Standort. Und beides hat Fabrizio Moretti: „Es wird immer eine Nachfrage nach großartigen Alten Meistern geben, und London wird neben New York das Zentrum der internationalen Kunstwelt bleiben“, sagt der Italiener mit Nachdruck. Sammler, Kuratoren und Händler aus aller Welt kämen weiterhin regelmäßig in die Themsemetropole. Moretti, der 1999 seine erste Galerie in Florenz eröffnete und dessen Vater ebenfalls Kunsthändler war, verlegte 2005 den Hauptsitz seines Unternehmens nach London. Seit 2017 unterhält er außerdem Ausstellungsräume in Monaco. Anfang Juli bezog die Moretti Gallery in London große neue Räume im Distrikt St. James’s, zwischen Christie’s und der Royal Academy, pünktlich zur Sommerausgabe der halbjährlichen London Art Week und den gleichzeitig stattfindenden Old-Masters-Auktionen der großen Auktionshäuser.

          Mit Mitte vierzig zählt Moretti zu den jungen Talenten im Altmeister-Markt, in dem die meisten Händler und Käufer eine Generation älter sind. Der Sammlernachwuchs für europäische Old Masters wächst langsam, aber stetig: „In Amerika, im Nahen Osten, auch in Asien“, erklärt Moretti. „Oft haben Kunden mit zeitgenössischer Kunst angefangen und blicken dann rückwärts in die Geschichte.“ Der Fokus seiner Galerie liegt auf italienischen Gemälden und Skulpturen des 14. bis 18. Jahrhunderts – und ausdrücklich auf Museumsqualität. Ihr kann der Galerist an der neuen Adresse den angemessenen Rahmen bieten.

          Zuschlag bei acht Millionen Pfund und damit das Spitzenlos der Saison: Lucas Cranachs „Nymphe des Frühlings“, 82,1 mal 120 Zentimeter, stellte bei Christie’s in London einen neuen Rekord für den Künstler auf. Bilderstrecke
          Alte Meister : Von Müdigkeit keine Spur

          Wer über die Schwelle der schmalen Eingangstür in der Duke Street tritt, wie sie typisch für alte Ladengebäude im historischen Kunsthandelsviertel ist, findet sich unerwartet in einem lichtdurchfluteten, zwei Etagen hohen Eingangsbereich wieder, in den man vom Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss hinuntersehen kann. In diesem großzügigen Entrée hängt ein Meisterwerk des venezianischen Rokokos: Giovanni Battista Tiepolos „Rosenkranzmadonna mit Engeln“, geschaffen 1735, das letzte noch in privater Hand befindliche Altargemälde des Künstlers. Stolze 246 Zentimeter hoch, hätte das Werk vor der Entkernung des Galeriegebäudes und dem Zusammenschluss mit einem benachbarten Haus an keiner Wand Platz gefunden.

          Tiepolos imposante Maria im roten Kleid ist in London schon seit Längerem recht heimisch, wurde sie doch hier zwischen den 1820er- und 1980er-Jahren mehrfach innerhalb des britischen Markts versteigert. Ihr derzeitiger Besitzer kaufte sie jedoch vor zwei Jahren bei Sotheby’s in New York, für 17,34 Millionen Dollar mit Aufgeld. Nun wurde sie Fabrizio Moretti zum Verkauf anvertraut, und man erhofft sich etwas mehr. Der internationale Markt für qualitätvolle italienische Altmeister dreht sich ganz um Werke, die sich schon lange außerhalb des Landes ihrer Entstehung befinden, denn eine Lizenz zur Ausfuhr aus Italien zu bekommen ist so gut wie unmöglich.

          Spitzenpreise als Anspruch

          Das Interieur des fünfstöckigen Gebäudes, vom Ausstellungsbereich zu den Büros und der Bibliothek im Gewölbekeller, ist zeitgenössisch-elegant, mit hellgrauen Wänden, Eichenparkett und einem mit dunkelgrauem Samt ausgeschlagenen, intimen Präsentationsraum. Dort hängen Andachtsbilder aus dem 14. und frühen 15. Jahrhundert in atmosphärischer Beleuchtung, unter ihnen eine Auferstehung von Jacopo di Cione für 350.000 Euro und eine Darstellung der Geburt Christi von dem Sieneser Sano di Pietro (900.000). Im Hauptraum zeigt Moretti unter anderem Canalettos „Ve­nice: The Churches of the Redentore and San Giacomo“ (fünf Millionen) neben drei akademischen Aktstudien von Ubaldo Gandolfi (im Set 210.000) sowie Werken von Massimiliano Soldani Benzi und Fra Bartolomeo.

          Den Anspruch, im Spitzenpreissegment zu operieren, unterstreicht, dass Moretti im Juli Letizia Treves, die langjährige Kuratorin für italienische und spanische Kunst des Barocks und Rokokos der Londoner National Gallery, als Partnerin in seine Galerie geholt hat. Verkäufe an Institutionen spielen eine wichtige Rolle für Moretti, der schon Werke an die Uffizien in Florenz, das Museo di San Marco in Venedig, den Louvre oder das Metro­politan Museum vermitteln konnte.

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