https://www.faz.net/-gqz-a5grq

Alte Kunst bei Van Ham : Lauter Köpfe

  • -Aktualisiert am

Annibale Carracci: Studienkopf eines jungen Mannes, Öl auf Leinwand, 35,5 mal 26,5 Zentimeter, Taxe 25.000/30.000 Euro. Bild: Van Ham

Vorschau: Herbstauktion mit Alter Kunst bei Van Ham in Köln.

          2 Min.

          Am 19. November beendet das Kölner Haus Van Ham seine „Classic Week“ mit der Auktion zur „Fine Art“: Preislich angeführt wird die Offerte mit 241 Losen von Eugen von Blaas’ 1896 entstandenen „Zwei Venezianerinnen“: Stolz präsentiert die schwarzhaarige Schönheit der brünetten Freundin ihren Verlobungsring. Während Blaas die Damen, ihr Inkarnat und die feinen Stoffe ihrer Gewänder penibel in technischer Perfektion ausgeführt hat, liegt der Hintergrund in leichtem Dunst dank des angewandten Sfumato. Das marktfrische, 107 mal 66 Zentimeter große Gemälde soll 130.000 bis 190.000 Euro einspielen. Ebenfalls marktfrisch, aus derselben europäischen Privatsammlung und vom selben Künstler kommt ein kleineres Porträt einer „Jungen Venezianerin mit violettem Kopftuch“ (Taxe 25.000/28.000 Euro) zum Aufruf: Es ist die Wiedergabe des aparten italienischen Frauentyps, die Blaas den Beinamen „Maler der venezianischen Schönheiten“ einbrachte.

          Auf ganz andere Weise fesselt Ladislaus von Czachórskis „Träumendes Mädchen“ von 1896. Bei dem 36 mal 57 Zentimeter messenden Bild überzeugen die faszinierend haptische Malweise und der scheinbar unbeteiligte Blick der jungen Frau, die beim Sticken innehält (80.000/120.000). Vom Enten-Maler Alexander Koester kommt ein Gemälde mit dem Federvieh „am Brünnele“, geschätzt auf 35.000 bis 40.000 Euro; Hermann Kaulbach lässt ein kleines Kind einen weißen Hasen beobachten (10.000/15.000). Sehr ungewöhnlich mutet ein „Familienporträt“ eines unbekannten Deutschen Meisters an, um 1850: Zahlreiche Kopfstudien der Familienmitglieder bevölkern die 42 mal 53 Zentimeter große Leinwand, die vermutlich als Vorlage für ein späteres Gruppenbild diente (6000/8000).

          Georg Flegel, „Stillleben mit Früchten und Vögeln“, Öl auf Leinwand, 48 mal 56,5 Zentimeter, Taxe 30.000/40.00 Euro.
          Georg Flegel, „Stillleben mit Früchten und Vögeln“, Öl auf Leinwand, 48 mal 56,5 Zentimeter, Taxe 30.000/40.00 Euro. : Bild: Vam Ham

          Unter den angebotenen Alten Meistern ist Bartolomeo Manfredis Gemeinschaftsarbeit mit seiner Werkstatt von 1620/22 das Toplos: Marktfrisch, auf 129 mal 95 Zentimetern und in dramatischer Hell-Dunkel-Atmosphäre präsentiert der junge David stolz das abgetrennte Haupt des Goliath (100.000/120.000). Vom Florentiner Maler Giovanni Domenico Ferretti kommt ein ebenfalls frisches und überdimensionales Werk unter den Hammer: „Die Verurteilung des Philotas durch Alexander den Großen“ entstand um 1740; das Gegenstück zu dem Gemälde stellt Alexander den Großen und seinen Arzt Philipp dar und befindet sich im Musée Calvet in Avignon (80.000/120.000). Ein hübscher Weidenkorb von Isaak Soreau ist randvoll mit Früchten und Gemüse gefüllt (70.000/90.000), während Pier Francesco Cittadinis prächtiges Stillleben von einem guten Abend mit Spielkarten und Likör zu berichten weiß (35.000/40.000). Die beiden illusionistischen Stillleben in Trompe-l’œil-Technik von Sebastiano Lazzari aus den Jahren 1783 und 1785 sind als Pendants konzipiert, indem sie sich inhaltlich und kompositorisch aufeinander beziehen; zusammen werden die je 52 mal 65 Zentimeter großen Gemälde für 70.000 bis 80.000 Euro angeboten. Guido Reni malte um 1608/10 den nachdenklich dreinblickenden Heiligen Petrus, bevor der Maler 1614 nach Bologna zurückkehrte (60.000/80.000).

          Zudem werden noch einige Werke aus der Privatsammlung von Thomas Olbricht auktioniert; bereits im September hatte Van Ham, in einer gesonderten Veranstaltung, moderne und zeitgenössische Kunst und spezielle Stücke aus seiner Wunderkammer versteigert: Cornelis Jonson van Ceulens zwei zauberhafte Kinderporträts von 1629 sollen 25.000 bis 35.000 Euro einspielen, und die Darstellung des „Martyriums des heiligen Johannes des Täufers“, die von Andrea Mantegna und seiner Werkstatt stammt, ist auf 10.000 bis 15.000 Euro taxiert. Die Gesamterwartungen für die „Fine Art“-Auktion belaufen sich auf 2,3 bis drei Millionen Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joachim Löw darf Bundestrainer bleiben.

          Krise des DFB-Teams : Rätselhaftes Vertrauen in Löw

          Es erstaunt, wie selbstgewiss das DFB-Präsidium seiner offenbar unantastbaren Bundestrainer-Institution einen Wandel im Handumdrehen zutraut. Scheitert Joachim Löw wieder, ist auch die Führung des Verbandes gescheitert.
          Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Düsseldorf (September 2020)

          Sucharit Bhakdi : Der bittere Mediziner

          Sucharit Bhakdi war einmal ein angesehener Professor. Heute befeuert er die Querdenker und behauptet, dass die Deutschen in einer Diktatur lebten. Ein Besuch in Kiel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.